Vorbeugen ist besser als absaufen

Wetterextreme haben in Europa seit 1980 bis zu 142.000 Menschenleben gefordert und Kosten von rund 500 Milliarden Euro erzeugt. Aktuelle Daten lassen keinen klaren Einfluss der Klimakrise erkennen. Dass er dennoch existiert, ist nur scheinbar paradox.


Überflutete Straße in Kopenhagen, Menschen in Regensachen stehen knietief im Wasser, daneben ein Cabriolet und einige Fahrräder.
Hochwasser in Kopenhagen: Im Jahr 2011 noch vollkommen überraschend. (Foto: Seier+Seier/​Flickr)

Hitzewellen, Überschwemmungen, schwere Stürme: Wetterextreme haben in Europa in den letzten vier Jahrzehnten bis zu 142.000 Menschenleben gefordert und Kosten von rund 500 Milliarden Euro erzeugt. Eine dramatische Bilanz, die die Europäische Umweltagentur EEA in Kopenhagen jetzt vorgelegt hat.

Deutschland traf es dabei am schlimmsten. Die Elbe-Flut von 2002, der Extremsommer von 2003, die Trockenjahre 2018 bis 2020, die Fluten an Ahr und Erft im letzten Jahr – diese Beispiele kommen einem da gleich in den Sinn. Dabei ist die Katastrophe von 2021 in den EEA-Zahlen noch gar nicht enthalten.

Die Frage, die sich alle stellen, lautet natürlich: Was davon ist "normal" und was bereits den Klimaveränderungen zuzuschreiben? Schließlich hat sich die mittlere Temperatur in Europa gegenüber vorindustrieller Zeit bereits um 1,4 Grad erhöht.

Ganz so einfach ist die Antwort aber nicht. Die EEA-Daten lassen nämlich einen klaren Trend zur Zunahme der Verluste aufgrund der Klimakrise nicht erkennen.

Entwarnung bedeutet das dennoch nicht. Das Problem ist: Die Folgen für die Menschenleben und die Wirtschaft wurden vor allem von einigen wenigen Großereignissen geprägt. Und dabei gibt es einen "riesigen Zufallseffekt", wie EEA-Klimaexperte Wouter Vanneuville erläuterte.

Anpassung wirkt

So verursachte der Hitzesommer 2003 alleine bereits die Hälfte aller "Wettertoten", und ganze drei Prozent der Extremereignisse waren für rund 60 Prozent der wirtschaftlichen Verluste verantwortlich.

Hinzu kommt, dass die betrachteten Länder bereits viele präventive Maßnahmen ergriffen haben, um die Schäden möglichst zu verringern. Aus den Zahlen lasse sich also nicht ableiten, dass der Klimawandel kein Problem sei, stellte Vanneuville klar. 

Daten der UN-Wetterorganisation WMO zeigen auch eindeutig, dass die Zahl wetterbedingter Katastrophen global betrachtet im letzten halben Jahrhundert angestiegen ist. Dabei nahmen die Schäden zu, doch es kamen im Zeitverlauf immerhin weniger Menschen ums Leben.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Die Schlussfolgerung daraus und aus der EEA-Studie muss also sein, die Klimaanpassung weiter voranzutreiben und bessere Vorbereitungen für extreme Wetterereignisse zu treffen, die mit dem Fortschreiten der Klimakrise häufiger und intensiver werden dürften.

Und: Natürlich kommt es darauf an, den weiteren Temperaturanstieg zu begrenzen.

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