Klima-Siesta statt Klima-Anlage

Klimaanlagen und Ventilatoren brauchen zehn Prozent des weltweiten Stroms. Bis Mitte des Jahrhunderts könnte sich die Menge verdreifachen. Auf Hitzewellen wie diese sollte man deshalb möglichst smart reagieren.


Ein Mensch mit Sonnenhut liegt im Gras an einem See in der Sonne
Ein Nickerchen ist besser für das Klima als eine Klimaanlage. Gesünder ist allerdings, die Siesta im Schatten zu machen. (Foto: Wokandapix/​Pixabay)

Man erinnert sich noch: Der Jahrhundertsommer 2003 ging als Sommer der Ventilatoren in die Geschichte ein. Die Hitze, tagelang mehr als 35 Grad, machte aus Wohnungen Backöfen, und alle rannten in den Baumarkt, um Ventilatoren zu kaufen. Wenigstens das Gefühl von frischer Luft konnte man so durchs Zimmer wehen lassen.

Diesmal, 15 Jahre später im nächsten "Jahrhundertsommer", sind offenbar viele entschlossen, das Problem radikaler anzugehen – mit mobilen Klimageräten, die einen Raum im Schnitt um fünf Grad herunterkühlen können.

Viele Baumärkte melden nicht nur bei den Ventilatoren "ausverkauft", auch die weit teureren Klima-Maschinen werden dort und bei den Verleihern dieser Geräte knapp. Hersteller haben für den Juli deutliche Umsatzanstiege gemeldet. Klimaanlagen boomen.

Es ist zwar nicht gesagt, dass nun jeder Sommer so ausfällt wie der jetzige. Doch häufiger werden Hitzesommer sein, und das beschert der Klimatisierungsbranche Eins-a-Zukunftsaussichten.

Schon jetzt gibt es weltweit rund 3,6 Milliarden Klimaanlagen und -geräte, doch ihre Zahl wird nach einer Prognose britischer Wissenschaftler bis 2050 auf 9,5 Milliarden hochschnellen. Vorstellbar, dass es auch in Ländern gemäßigter Zonen wie Deutschland bald so sein wird wie in den USA, wo fast jede Wohnung und jedes Büro mit einer Klimaanlage ausgerüstet ist.

Vorstellbar – aber auch wünschenswert? Bereits jetzt verbrauchen Klimaanlagen und Ventilatoren laut der Internationalen Energieagentur IEA rund ein Zehntel des weltweit produzierten Stroms.

Bis Mitte des Jahrhunderts könnte sich die Menge verdreifachen. Und das heißt: Es müsste so viel Strom zusätzlich dafür hergestellt werden, wie alle Kraftwerke in der EU, den USA und Japan zusammen produzieren.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Man könnte sagen: Ist doch mit Ökostrom zu lösen. Schließlich martert uns die Hitze ja gerade dann besonders, wenn auch die Solaranlagen ihre höchste Leistung liefern.

Das ist zwar richtig, trotzdem sollte das Klimatisierungs-Hochrüsten nicht die Standardlösung sein – schon aus Kosten- und Umweltgründen. Besser ist es, mit klimaangepasster Architektur, Stadtbegrünung und besserer Gebäudedämmung gegen die Hitzespitzen anzugehen.

Generell sollte man möglichst smart auf die neue Lage reagieren. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Klima-Siesta?

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