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Fünf dringliche Öko-Debatten, die niemand führt

Von schädlicher Klimaanpassung bis zum Leben aus dem Baukasten: Die Vereinten Nationen warnen in einem Bericht ihres Umweltprogramms Unep vor fünf Umweltproblemen, die bislang unterschätzt werden.


Einige Bäume inmitten von Wasser
Das Meer steigt. Kurzfristige Anpassungsmaßnahmen können langfristig sogar kontraproduktiv sein, warnt die UN-Umweltbehörde. (Foto: Arifur Rahman Tushar/​Pixabay)

Die Menschheit richtet ihren Planeten auf viele Arten zugrunde – mal mehr, mal weniger offensichtlich. Die Vereinten Nationen warnen nun in einem Report ihres Umweltprogramms Unep vor fünf dringlichen Umweltproblemen, die ihrer Meinung nach bislang unterschätzt werden – oder zumindest außerhalb von Fachkreisen zu wenig Beachtung finden.

"Es ist nicht verwunderlich, dass viele Wissenschaftler dafür plädieren, das jetzige geologische Erdzeitalter 'Anthropozän' zu nennen", schreibt die geschäftsführende Unep-Generalsekretärin Joyce Msuya zu dem neuen Bericht.

Diese Öko-Themen sollten Unep zufolge stärker diskutiert werden:

  • Gentechnik hoch drei: synthetische Biologie
    Manche Biologen arbeiten daran, Ingenieure für das Leben zu werden. Sie wollen nicht Stein auf Stein setzen, sondern Protein an Protein, Gen an Gen. So kann man biologische Systeme verändern und zumindest theoretisch komplett erschaffen. Technikoptimisten hoffen auf neue Lösungen für alle möglichen gesellschaftlichen Probleme, zum Beispiel bessere Medikamente oder grüne Kraftstoffe.

    Auch das Unep spricht von möglichen Vorteilen der synthetischen Biologie. Sie warnt aber auch vor ethischen Problemen beim Design von Leben und vor möglichen unbeabsichtigten oder beabsichtigten Negativfolgen der Technologie – bis hin zur Herstellung von Biowaffen.

  • Der kippende Klima-Schalter: tauender Permafrost
    Der Arktis taut der Boden unter den Füßen weg: Im Norden Sibiriens, Kanadas und Alaskas, teils auch außerhalb der Arktis wie im Hochland von Tibet ist der Boden zum Teil mehrere hundert Meter tief gefroren – der sogenannte Permafrost. Das Problem: Durch den Klimawandel wird es wärmer, im hohen Norden sogar deutlich schneller als im weltweiten Mittel. Das bringt das Eis im Boden zum Schmelzen.

    Der Permafrost gilt als sogenanntes Kippelement im Erdsystem, das durch die höheren Temperaturen unwiderruflich in einen anderen Zustand fallen und dann die ganze Welt beeinflussen könnte. Im Permafrostboden sind Unmengen an Kohlenstoff gespeichert. Taut der Permafrost, setzt er die Treibhausgase Kohlendioxid und Methan frei und heizt den Klimawandel noch zusätzlich an.
  • Düngen, Düngen, Düngen: Stickstoffüberschuss
    Vor allem durch die industrielle Landwirtschaft, aber etwa auch den Verkehr gelangt Stickstoff in riesigen Mengen in die Umwelt. "Die Menschheit produziert einen Cocktail an reaktivem Stickstoff, der Gesundheit, Klima und Ökosysteme bedroht", warnt das Unep. "Trotzdem ist das Ausmaß des Problems außerhalb wissenschaftlicher Zirkel weitgehend unbekannt."

  • Gut gemeint, schlecht geplant: Fehlanpassung an den Klimawandel
    Dass der Klimawandel nicht nur droht, sondern schon da ist, ist mittlerweile bekannt. Dass die Welt noch nicht annähernd auf Kurs ist bei der Senkung der Treibhausgas-Emissionen, wäre eigentlich Problem genug. Den UN-Umweltexperten geht es aber um etwas anderes, nämlich um die Anpassung an die Folgen des Klimawandels.
    Genauer gesagt: die Fehlplanung dabei.

    Beispiel dafür ist der Deichbau in bestimmten Regionen, die künftig aller Schutzbauten zum Trotz wegen dem Meeresspiegelanstieg oder extremen Stürmen unbewohnbar werden. In solchen Fällen können neue Deiche die nötige Umsiedlung aufhalten, weil sie kurzfristig Schutz versprechen, argumentiert Unep.

  • Alles verbaut: zerstückelte Lebensräume
    Dass die menschliche Bauwut den Lebensraum für Tiere und Pflanzen schrumpfen lässt, liegt auf der Hand. Zu wenig beachtet wird dem Unep-Report zufolge aber, dass es nicht nur auf die Gesamtgröße der Fläche ankommt, die den Arten zur Vorfügung steht. Oftmals sind Straßen, Dämme oder Häuser so platziert, dass sie übliche Wege von Tieren blockieren.

    "Eine Folge der Zerschneidung natürlicher Landschaften ist, dass Säugetiere und andere Spezies nicht mal mehr halb so lange Distanzen zurücklegen, als es normal wäre", heißt es im Report. Das wird zum Problem, wenn die Tiere nicht mehr zu Futter oder Paarungsgenossen gelangen.

"Diese Fragen sollten uns daran erinnern, dass wir bei jedem Eingriff in die Natur – auf globaler oder molekularer Ebene –, langfristige Auswirkungen riskieren", schreibt Unep-Interimschefin Msuya. Sie bleibt trotzdem optimistisch. "Wir können Lösungen finden, die uns allen und den kommenden Generationen dienen, wenn wir vorausschauend und gemeinsam handeln."

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