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Die bessere Option

Warum wird so wenig gegen die Klimakrise getan, obwohl es doch im ureigensten Interesse der Menschheit liegt? Ein Grund ist, paradoxerweise, die Angst vor dem Tod. Doch es gibt Lösungen für dieses Dilemma.


Mohnblumen auf einer Wiese
Die Forschung zeigt: Das Gefühl, mit der Natur verbunden zu sein, motiviert zu umweltfreundlicherem Verhalten. (Foto: Albrecht Fietz/​Pixabay)

An Warnungen vor den Folgen des Klimawandels fehlt es nicht. Erst in dieser Woche riefen 14.000 Forscher:innen aus fast allen Ländern der Erde erneut den Klimanotstand aus und warnten vor "unermesslichem Leid", wenn nicht sofort und grundlegend gehandelt werde.

Gewarnt hatten die Fachleute bereits vor zwei Jahren. Passiert ist seitdem so gut wie nichts. Wie kann das sein?

Vorsorge treffen, das Risiko reduzieren, die Lebensgrundlagen erhalten, all das liegt im ureigensten Interesse der Menschheit. Warum wird es dann nicht oder viel zu wenig gemacht?

Klar, viele Länder und Unternehmen verdienen sehr gut an der Fossilwirtschaft und sperren sich gegen Veränderungen. Lobbygruppen blockieren Fortschritte beim Klimaschutz. Werden dann doch Maßnahmen ergriffen, fallen sie in aller Regel viel weniger wirksam aus, als es nötig wäre.

Doch auch psychologische Effekte sind ein wichtiger Faktor. Und sie werden weithin unterschätzt. Grund ist, dass sie überwiegend unbewusst wirken und das Selbstwertgefühl unter Druck setzen.

Menschen, das zeigt die Forschung, tun sich schwer, wenn sie an die eigene Sterblichkeit erinnert werden – wie es beim Klimawandel der Fall ist. Er führt schließlich vor Augen, dass unsere moderne Lebensweise den Planeten ruiniert. Mit dieser Erkenntnis lässt sich nicht gut leben.

Um weder explizit noch implizit an ihren unvermeidlichen Tod erinnert zu werden, tun Menschen so gut wie alles, das ergeben sozialpsychologische Untersuchungen immer wieder: Verleugnung, Verdrängung, Ablenkung.

Warnungen vor dem Klimawandel können demnach sogar kontraproduktiv wirken und dazu führen, dass Menschen noch weniger bereit sind, Maßnahmen zu ergreifen. Oder dass sie dazu neigen, mehr Dinge zu kaufen – um den Lebensstil zu verteidigen, der ihrem Selbstgefühl zugrunde liegt.

Drei Auswege

Wie lässt sich dieses Dilemma lösen?

Studien zufolge gibt es drei Möglichkeiten. Erstaunlich gut schneiden Erfahrungen von Dankbarkeit für die Natur ab, das Gefühl, mit der Natur verbunden zu sein – als Motivation für umweltfreundliches Verhalten.

Verena Kern ist stellvertretende Chefredakteurin von Klimareporter°.

Ebenfalls effektiv sind Botschaften, in denen gemeinsame Normen und Werte formuliert werden.

Wirksam ist auch, die bessere Umweltoption zum Standard zu machen, etwa mit der Umwandlung von Parkplätzen in Fahrrad- und Fußgängerwege.

Allerdings: Um solche Veränderungen durchzusetzen, wird die Warnung vor dem Klimawandel sicher auch weiterhin notwendig sein.

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