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Das Wetter auf unserer Seite

Der goldene Warmzeit-Oktober hilft gerade ein Stück weit gegen die Gaskrise. Ein Grund zur Freude ist das nicht.


Ein Plastik-Thermometer zeigt 20 bis 21 Grad, dahinter ein Zweig mit schönem, organgefarbenem Herbstlaub.
20 Grad und mehr Ende Oktober – wann gab es das schon mal? (Foto: Volodymyr Muljar/​Shutterstock)

Frieren für den Frieden? Die meisten wollen dabei mitmachen. In Umfragen hieß es seit Wochen: Die Mehrheit der Deutschen möchte Energie sparen, um eine Gasknappheit zu verhindern. Und Putin ein Schnippchen zu schlagen.

Manche auch, um was Gutes fürs Klima zu tun. Und viele natürlich, um finanziell überhaupt über den Winter zu kommen.

Aber nun das. Das Wetter hat sich auf unsere Seite geschlagen. Über 20 Grad Ende Oktober, im Südwesten der Republik sogar 25 Grad.

Manche, das ist verbürgt, haben die Heizung bis heute noch nicht angestellt. Ende September waren schon mal zwei Pullover übereinander nötig, um die 15, 16 Grad im Wohnzimmer auszuhalten. Aber zuletzt ging es ganz einfach, in einem Warmzeit-Oktober.

Das Ergebnis ist verrückt, wie vieles in diesen Zeiten. Der in diesem Jahr förmlich explodierte Großhandelspreis für Gas sank wieder, war zeitweise sogar negativ. Die Speicher in vielen EU-Ländern sind voll, und vor den Küsten stauen sich die Flüssigerdgas-Tanker, die ihre Fracht nicht loswerden.

Die meisten Gaskunden haben zwar vorerst nichts davon, aber trotzdem: Wer hätte das noch vor Kurzem gedacht?

Der ungewöhnlich warme Oktober kann ein Ausreißer sein. Eine Wetterlage, wie man sie sonst aus dem Sommer kennt, schaufelt warme Luft aus der Sahara über Spanien nach Mitteleuropa. Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass der Klimawandel dahintersteckt.

Tatsächlich häufen sich milde Oktober-Perioden hierzulande. Früher gab es sie vielleicht alle zehn Jahre, heute kommen sie nahezu jährlich vor.

Der Winter kann kalt werden

Bedeutet das, wegen des Klimawandels braucht man ohnehin bald keine Heizung mehr? So wie in den Tropen? Das ist natürlich nicht so.

Das würde erst der Fall sein, wenn die Erderwärmung bereits wirklich katastrophale Ausmaße angenommen hätte. Und das kann niemand wollen, denn dann wären weite Teile der Erde so heiß, dass dort keine Menschen mehr leben könnten – mit ungeahntem Elend und gigantischen Migrationsströmen.

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Ohnehin können wir nicht sicher sein, dass das Wetter zu uns hält, launisch, wie es ist. Das heißt: Der Winter, vor dem wir stehen, kann frostig werden, trotz globaler Erwärmung.

Oder sogar wegen ihr, nämlich den veränderten Strömungsverhältnissen in hohen Luftschichten der Nordhalbkugel, die auch langandauernde Kälteeinbrüche möglich machen. Dann wäre doch wieder "Frieren für den Frieden" angesagt.

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