Energiewechsel selbst gemacht

Die Einspar-Kampagne von Wirtschaftsminister Habeck trifft auf willige Bürgerinnen und Bürger. Angesichts hoher Energiepreise haben drei Viertel der Deutschen schon reagiert. Experten fordern nun auch neue Energie-Standards, damit die Erfolge kein Strohfeuer bleiben.


Aus einem Duschkopf kommt Wasser
Viele duschen jetzt kürzer oder weniger oft. (Foto: ​Pixabay)

Strom und Wärme einsparen, um Putin schneller den Hahn abdrehen zu können. Und um das Klima zu schützen. Das sind die Ziele der Kampagne "80 Millionen gemeinsam für den Energiewechsel", die Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) jetzt gestartet hat.

Tatsächlich sind die Bundesbürger stark motiviert, hier mitzumachen. Schon jetzt versuchen drei Viertel der Deutschen, Energie zu sparen – natürlich auch wegen der hohen Preise.

Habecks Werbekampagne wendet sich an die "lieben" Einfamilienhaus-Besitzer, Stadtwohnungs-Mieterinnen, Haus-Eigentümer, Unternehmerinnen und Handwerker, kurz: eigentlich jede und jeden. Energiesparen sei notwendiger als je zuvor. "Und dazu können wir alle beitragen", meint der Minister.  

Ganz neu erfunden wird das Einsparen in der Kampagne nicht. Die Tipps lauten zum Beispiel: zu einem sparsamen Duschkopf wechseln, Kühlschrank-Temperatur nicht zu tief einstellen, beim Kochen und Backen Restwärme nutzen. Oder: sparsame Heizungspumpe einbauen lassen, Laptop statt Desktop benutzen, Büro konsequent auf LED-Beleuchtung umstellen.

Und dann wird noch auf die erst längerfristig umsetzbaren Einsparmöglichkeiten hingewiesen: mit erneuerbaren Energien heizen, am besten per Wärmepumpe, energieeffiziente Fenster und Türen einbauen, in Betrieben anfallende Abwärme nutzen.

Tatsächlich kommt es ja auch darauf an, dass die schon seit Jahrzehnten bekannten Tipps endlich auch mal in der Breite umgesetzt werden, nicht nur von der Minderheit der stark Umweltbewussten. Und hier scheint sich, angesichts des Ukraine-Kriegs und der steigenden Strom- und Heizkosten, etwa zu bewegen.

Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Darin gaben 77 Prozent der Befragten an, dass sie ihr Verhalten in den vergangenen Monaten geändert und versucht haben, beim Heizen oder beim Warmwasserverbrauch Energie einzusparen. Nur 20 Prozent taten das nicht.

Die meisten in der Gruppe der bewussten Energiesparer ergriffen gleich mehrere Maßnahmen, um den Verbrauch beim Heizen und bei der Warmwasser-Nutzung zu senken. Sie drehten die Raumtemperatur generell herunter (56 Prozent), achteten beim Verlassen des Hauses verstärkt auf eine heruntergedrehte Heizung (52 Prozent) und heizten weniger Räume (48 Prozent).

45 Prozent der Befragten gaben an, kürzer oder seltener zu duschen, und 41 Prozent, bewusster zu lüften. Rund 13 Prozent haben bereits in programmierbare Thermostate für die Heizkörper investiert.

"Politik muss Standards und Limits setzen"

Kein Wunder: Als Hauptgrund für den sparsameren Umgang mit Energie nannten zwei Drittel derer, die bewusst Energie sparen, die gestiegenen Energiekosten. Fast jeder Fünfte spart vor allem aus Gründen des Umweltschutzes Energie.

Erstaunlich gering war in der Umfrage der Anteil derjenigen, die den Ukraine-Krieg als Hauptmotiv nannten. Es waren nur fünf Prozent.

BDEW-Chefin Kerstin Andreae sagte: "Aufgrund des Angriffskrieges auf die Ukraine und der steigenden Energiepreise hat unser Umgang mit Energie nochmal an Bedeutung gewonnen." Die Energiewirtschaft arbeite mit Hochdruck daran, neue Importquellen zu erschließen und den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben.

Gleichzeitig müsse aber auch effizienter mit der vorhandenen Energie umgegangen werden. Hier könne vom einzelnen Bürger bis zum Industrieunternehmen jeder mitmachen. "In fast jedem Haushalt gibt es noch Möglichkeiten, Energie einzusparen." Andreae lobte in diesem Zusammenhang die Habeck-Kampagne.

Fragt sich nur, wie lange das Einspar-Bewusstsein anhält. Die Gefahr besteht, dass bei wieder sinkenden Energiepreisen viele in die alten Verhaltensweisen zurückfallen. Umweltforscher fordern daher schon lange, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass die Bürger automatisch umwelt- und klimafreundlich handeln.

Dazu brauche es "eine engagierte und anpackende Politik, die neue, innovative Standards und Limits in Abstimmung mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Werk setzt", meint zum Beispiel Michael Kopatz vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Da hat die Ampel in Berlin noch einiges zu tun.

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