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Aus Ahrtal kann "Solahrtal" werden

Nach der Überschwemmung im Ahrtal kehren die Menschen nicht zum business as usual zurück. Ein Teil des zerstörten Gebiets soll als Überflutungsfläche frei bleiben. Und was wiederaufgebaut wird, soll mit Ökoenergien funktionieren. In wenigen Jahren kann die Region klimaneutral sein.


Matthias Willenbacher
Matthias Willenbacher. (Foto: Wiwin)

Das Wichtigste aus 52 Wochen: Sonst befragen wir die Mitglieder unseres Herausgeberrats im Wechsel jeden Sonntag zu ihrer klimapolitischen Überraschung der Woche. Zum Jahresende wollten wir wissen: Was war Ihre Überraschung des Jahres? Heute: Matthias Willenbacher, Geschäftsführer der Plattform für nachhaltiges Investieren Wiwin.

Für mich war die Überschwemmungskatastrophe im Ahrtal das Ereignis in diesem Jahr, das mich persönlich sehr stark bewegt und in mehrfacher Hinsicht überrascht hat.

Die Hochwasserkatastrophe mit 133 Toten hat auf erschreckende Weise gezeigt, dass wir auch in einem hoch entwickelten Land wie Deutschland nicht vor den Folgen der Erderhitzung gefeit sind. Innerhalb weniger Stunden wurden Häuser, Brücken, Straßen, Weingüter und vieles andere zerstört, die Energieversorgung war unterbrochen.

Gleichzeitig hat die Katastrophe gezeigt, wie groß die Hilfsbereitschaft in solchen Notlagen ist. Sehr viele Menschen, auch aus weiter entfernten Orten, entschlossen sich spontan zu helfen, viele tun dies bis heute.

Auch die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Institutionen zeigt sich in dieser Situation, ungeachtet der Frage, welche Fehler in der Überschwemmungsnacht und davor gemacht wurden. Bund und Länder stellen gemeinsam die gewaltige Summe von 30 Milliarden Euro für den Wiederaufbau zur Verfügung.

Diese Summe zeigt, dass auch Deutschland die Folgen der Erderhitzung nicht einfach hinnehmen und finanziell ausgleichen kann. Vielmehr müssen wir konsequent die erneuerbaren Energien ausbauen und unsere Art und Weise ändern, wie wir in gefährdeten Gebieten wohnen und leben.

Deshalb finde ich es sehr ermutigend, dass es, anders als bei früheren Flutkatastrophen, einen angepassten Wiederaufbau geben soll, der beide Aspekte berücksichtigt.

Einige der zerstörten Gebiete werden zum Beispiel nicht wieder bebaut, sondern als Überflutungsflächen freigelassen. Der Kreistag Ahrweiler hat die Einrichtung einer Projektgruppe "Energiebewusstes Bauen und Nutzung regenerativer Energien im Ahrtal" beschlossen.

Erosionsschutz mit Solaranlagen

Eine Gruppe verschiedener Wissenschaftler hat ein Impulskonzept unter dem Titel "Aus Ahrtal wird Solahrtal" vorgelegt, wie eine 100-prozentige Energieversorgung im Strom-, Wärme- und Mobilitätssektor erreicht werden kann. Die Autoren empfehlen dem Kreis Ahrweiler, das Projekt partizipativ und kooperativ anzulegen, sich technisch beraten und wissenschaftlich begleiten zu lassen und aktiv den Dialog mit den Bürger:innen zu gestalten.

Wenn ich mir die Ausbauziele des Konzepts ansehe, ist dieser Ansatz der einzig gangbare. Sonst werden die Menschen vor Ort den gleichzeitigen Wiederaufbau der Infrastruktur und Komplettumbau der Energieversorgung nicht mitmachen.

Spannend ist der Ansatz, mit Erosionsschutz-Solaranlagen an Hangflächen den Wasserabfluss an Hängen zu reduzieren, den Ertragsausfall für die Landwirtschaft durch den Stromertrag auszugleichen und die Biodiversität zu erhöhen. Hier ließe sich zeigen, dass standortangepasste Freiflächen-Photovoltaik für Natur, Landschaft und Landwirtschaft einen Mehrwert bedeuten kann.

Dies ist auch ein Beispiel dafür, dass wir neu darüber nachdenken müssen, wie wir unsere Landschaft nutzen und gestalten können beziehungsweise müssen, um unsere Landnutzung an das sich verändernde Klima anzupassen.

Wenn jetzt noch die neue Bundesregierung beherzt die Energievorhaben im Koalitionsvertrag anpackt, die Bundesländer kooperativ mitarbeiten und möglichst viele die Chancen der Energiewende sehen, bin ich hoffnungsfroh, dass der erneuerbare Wiederaufbau im Ahrtal gelingen und ein Beispiel für ganz Deutschland sein wird.

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