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HYDROGEN DIALOGUE 2021

Ansteckung durch Solarzellen

Wovon hängt es ab, ob in einem Stadtviertel wenig oder viel Photovoltaik auf den Dächern ist? Vom Einkommen der Leute oder vielleicht vom Bildungsgrad? Laut einer Studie ist etwas anderes wichtiger: das, was man beim Blick aus dem Fenster sieht.


Blick über die Dächer von Austin, der Hauptstadt von Texas, jedes zweite Haus hat ein Solardach.
Auch in Austin (Texas) scheint das Aussäen von Photovoltaik zu funktionieren. Warum dann nicht in München, Düsseldorf, Hamburg oder Berlin? (Foto: Bryan Roschetzky/​Shutterstock)

Etwa zwei Millionen Solaranlagen gibt es in der Bundesrepublik. Sie liefern, übers Jahr gesehen, rund zehn Prozent des hierzulande verbrauchten Stroms.

Auf 40 Deutsche kommt eine solche Anlage. Da ist also noch ziemlich viel Luft nach oben. Warum nicht auf zehn? Oder gleich überall?

Platz auf den Dächern ist noch jede Menge, und Solarstrom hat, wenn er dort produziert wird, einen unschlagbaren Vorteil. Er entsteht verbrauchsnah, und mit Batteriespeichern kann so ein erheblicher Teil der in den Haushalten benötigten Elektrizität abgedeckt werden.

Ob Bürger:innen sich Solaranlagen aufs Dach bauen lassen, hängt von vielen Faktoren ab. Rechnet es sich? Möchte man einen Beitrag zur Energiewende leisten? Freut man sich darüber, selber Strom produzieren zu können?

Doch noch etwas anderes spielt eine Rolle, wie ein Team des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Columbia University in New York herausgefunden hat: Wie viele Solarpaneele wie weit weg vom eignen Haus sind – das bestimmt die Wahrscheinlichkeit, ob man selbst ebenfalls eine solche Anlage auf dem Dach hat.

Es gibt hier einen Ansteckungs-Effekt. Einen positiven Solar-Virus, sozusagen.

"Es ist im Prinzip so: Wenn man ein Solarpanel vom eigenen Fenster aus sieht, dann beschließt man mit größerer Wahrscheinlichkeit, auch eines auf das eigene Dach zu stellen", fasst Co-Autorin Leonie Wenz vom PIK die Studie zusammen.

Solaranlagen säen und ernten

Die PIK-Forscherin war eigentlich davon ausgegangen, dass andere Faktoren wichtiger seien. Zum Beispiel das Einkommen, der Bildungshintergrund oder die Mund-zu-Mund-Propaganda im gleichen sozialen Netzwerk wie etwa in einem Schulbezirk.

Doch bei der Untersuchung stellte sich heraus: Nicht diese Faktoren, sondern die geografische Entfernung ist mit Abstand der wichtigste Punkt. Je mehr Solaranlagen es im engen Umkreis gibt, umso wahrscheinlicher ist es, dass man auch eine hat.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Konkret: Die Wahrscheinlichkeit, Solarmodule auf dem Dach zu haben, halbiert sich in etwa über die Länge eines Fußballfeldes.

Das Forschungsteam hat seine Untersuchung zwar in den USA gemacht, im kalifornischen Fresno, einer Stadt so groß wie Hannover. Doch es schließt daraus, dass allgemein gilt: Ein "Säen" von Solarpaneelen in Gegenden, in denen es bisher nur wenige gibt, kann ein Stadtviertel und letztlich die ganze Region überzeugen.

Eine unkonventionelle Anregung. Sollten die Planer der nächsten EEG-Novelle mal drüber nachdenken.

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