Solardächer sind beliebteste Kraftwerke

Solaranlagen auf Dächern finden den meisten Zuspruch, wenn es um die künftige Energieversorgung in Deutschland geht. Nahezu jeder Zweite bevorzugt diese Form der Energieerzeugung, jeder Dritte die Windkraft auf See.


Zwei Monteure installieren eine große Photovoltaikanlage auf einem Hausdach.
Solarstrom vom Dach – für viele ein naheliegender Gedanke und eine verträgliche Form der Energiewende. (Foto: Marina Lohrbach/​Fotolia/​obs/​Lichtblick)

Und was ist Ihr Lieblingskraftwerk? Knapp die Hälfte der Deutschen ist sich einig: Wenn es darum geht, neue Anlagen zur Energieerzeugung zu bauen, wünschen sich 46 Prozent den Schwerpunkt bei Solardächern, wie eine jetzt veröffentlichte Umfrage der Marktforscher von Yougov im Auftrag des Ökostromanbieters Lichtblick zeigt.

Am zweitbeliebtesten ist in diesem Sinne die Windkraft auf See (37 Prozent). Es folgen Solaranlagen auf Freiflächen (35), Windkraft an Land (31) sowie Wasserkraft (29 Prozent). Die Beliebtheit von neuen Atomkraftwerken liegt dabei mit elf Prozent noch deutlich über der von neuen Kohlekraftwerken (drei Prozent).

Ganz lauter ist die Fragestellung nicht, schließlich wird Deutschland mit der Energiewende einen vernünftigen Mix aller Öko-Energiequellen brauchen und nicht nur einen Einzelschwerpunkt. Das Ergebnis liefert aber ein Stimmungsbild.

Die laut der Umfrage favorisierten Solardächer haben noch viel unausgeschöpftes Potenzial. Die Gesamtkapazität von privaten Solaranlagen mit bis zu 10.000 Watt Nennleistung könnte sich von derzeit 6.600 Megawatt auf 35.000 Megawatt im Jahr 2040 praktisch verfünffachen, prognostizieren Marktbeobachter. Sind gegenwärtig auf etwa zehn Prozent der Gebäude solche Anlagen montiert, könnten es in 20 Jahren rund 30 Prozent sein.

Mit so einem privaten "solaren Rollout" könnten die Haushalte ihren Stromverbrauch von bundesweit rund 130 Milliarden Kilowattstunden zu knapp 16 Prozent decken, ergab eine Analyse des Thinktanks Agora Energiewende.

Nimmt man nur den Strombedarf von Ein- und Zweifamilienhäusern, könnte die Photovoltaik-Eigenversorgung rund 30 Prozent des ansonsten aus dem Netz bezogenen Stroms übernehmen.

"Nicht nur Sache der Landbevölkerung"

82 Prozent der Befragten befürworten den Vorschlag, auf allen Gewerbe-Neubauten in Deutschland Solaranlagen zu installieren, soweit das sinnvoll ist. 80 Prozent unterstützen Solar-Dachflächen auf Wohnungsneubauten.

Balkendiagramm: Solar-Dachanlagen sind die beliebteste Form der Ökostromerzeugung.
Solarpaneele auf Dächern werden offenbar nicht mehr als störend empfunden. (Grafik: ​Lichtblick)

"Wir müssen die Energiewende auch in die Großstädte bringen, und das geht am besten mit Solarstrom vom Dach", sagte Lichtblick-Geschäftsführer Gero Lücking.

Hamburg habe bereits eine Solarpflicht für Neubauten beschlossen, Baden-Württemberg und Berlin dächten darüber nach. Diese Richtung sollte bundesweit eingeschlagen werden, so Lücking. "Diskussionen über Abstandsregelungen bei Windkraft oder die Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen für Photovoltaikanlagen zeigen, dass die Verantwortung nicht nur bei der Landbevölkerung liegen sollte."

Redaktioneller Hinweis: Gero Lücking ist Mitglied im Herausgeberrat von Klimareporter°

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