Stadtwerke Essen: Ziemlich unfreundlich

"Heizen mit Erdgas – dem Klima zuliebe", dafür werben jetzt die Essener Stadtwerke. Dass eine Erdgasheizung sich schon in einigen Jahren als teure Fehlinvestition herausstellen könnte und Fachleute davor warnen, verschweigt das kommunale Unternehmen.


Preisfrage an die verehrte Leserschaft: Wann ist eine Handlung oder ein Produkt klimafreundlich?

Laut Wörterbuch ist die

Wortbedeutung/Definition: das Klima positiv beeinflussend; gut für das Klima geeignet.

Jetzt werden sich die eingeweihten Leser veralbert vorkommen, schließlich ist das keine Preisfrage, sondern eine Binse. Tipps zum klimafreundlichen Leben gibt es zuhauf, etwa zum klimafreundlichen Essen, zum klimafreundlichen Reisen, zum klimafreundlichen Einkaufen oder zu klimafreundlichen Produkten.

Um so erstaunlicher ist diese Werbung der Stadtwerke Essen:

Im Heizungskeller schaut ein freundlicher Mitarbeiter der Stadtwerke Essen in die Kamera, darunter steht der Spruch: Heizen mit Erdgas – dem Klima zuliebe. 

Wieso denn Erdgas? Und wieso Erdgas dem Klima zuliebe?

Die Stadtwerke Essen meinen:

Die Energiewende ist in vollem Gange und Heizen mit Erdgas ist für Verbraucherinnen und Verbraucher einer der umweltfreundlichsten Wege. 

Und dann erklären die Stadtwerke Essen in der Sommerausgabe ihres Magazins "Stadtgespräch" Erdgas zum

klimafreundlichen Energieträger. 

Aber das stimmt doch gar nicht! Das ist doch glatt gelogen!

Erdgas besteht vorwiegend aus Methan (CH4) und geringeren Mengen anderer Kohlenwasserstoffe (etwa Butan, Ethan, Ethen oder Propan). Wer Erdgas verbrennt, setzt dabei jede Menge Treibhausgase frei, die das Klima – siehe Definition – nicht positiv, sondern negativ beeinflussen.

Pro Kilowattstunde Strom entstehen – berechnet über den Lebenszyklus eines Gaskraftwerkes – 640 Gramm CO2. Das ist zwar nur halb so viel, als wenn diese Kilowattstunde aus Braunkohle hergestellt werden würde (moderne GuD-Gaskraftwerke liegen sogar nur zwischen 410 und 430 Gramm je Kilowattstunde).

Die Kilowattstunde aus einem Windkraftwerk verursacht aber nur maximal 16 Gramm Treibhausgas – durch die Herstellung der Anlage gerechnet auf die Betriebszeit.

Experten warnen vor der Investition

Die Klimabilanz von Erdgas ist zudem umstritten, weil man nicht nur den Verbrennungsprozess betrachten darf.

Auf dem langen Weg von den Gasfeldern zu den Kraftwerken geht einiges an Erdgas verloren. Und Methan, der Hauptbestandteil, ist um ein Vielfaches klimaschädlicher als Kohlendioxid, trägt 25-mal stärker zur Erderwärmung bei.

Auch die Art der Förderung spielt eine Rolle: Wird das Erdgas mittels Fracking-Verfahren gefördert, ist seine Klimabilanz möglicherweise genau so klimaschädigend wie die der Kohle, so eine Studie aus den USA.

kld1 5064 300 10000 80 c
Der Klima-Lügendetektor ist ein preisgekröntes Anti-Greenwashing-Portal. Dieser und viele weitere Beiträge, die Klimalügen und -tricks von Unternehmen, Politik oder Medien aufdecken, sind auf klima-luegendetektor.de zu finden.

Erdgas kann also seriöserweise allenfalls "klimafreundlicher als Kohle" genannt werden. "Klimafreundlich" ist es auf keinen Fall.

Forscher warnen deshalb, jetzt in Erdgastechnik zu investieren. Vielleicht wird ja in wenigen Jahren Erdgas als Heizmittel ganz aus dem Verkehr gezogen?

Erdgas-Heizung als Investruine: Das verschweigen die Essener Stadtwerke lieber potenziellen Kunden. Ziemlich unfreundlich. Und glatt gelogen.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. – Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier