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Wo bleibt der Grüne Punkt für Windräder?

Der Windkraft-Ausbau ist eingebrochen. Dazu kommt ein weiteres Problem: Bald müssen viele alte Anlagen abgerissen werden. Wohin dann mit dem "Wind-Abfall"?


Drei Windräder am Horizont vor tiefrotem Abendhimmel.
Was kommt nach dem Abriss? (Foto: Hans Braxmeier/​Pixabay)

Das bisherige "Zugpferd" der Energiewende lahmt: die Windkraft. Der Ausbau ist eingebrochen.

Lange Genehmigungsverfahren, Klagen von Gegnern und Abstandsregelungen wie in Bayern und Nordrhein-Westfalen führen dazu, dass nur ein Bruchteil der von der Bundesregierung geplanten jährlich 2.500 Megawatt zusammenkommen.

In diesem Jahr sieht es ganz finster aus, keine 1.000 Megawatt dürften erreicht werden.

Doch nun zeichnet sich ein weiteres Problem ab: Der Abriss alter Windräder muss bewältigt werden. Und da liegt technisch und in puncto Recycling offenbar noch Einiges im Argen.

Man könnte sagen: Es gibt noch keinen "Grünen Punkt" für Windräder.

Vor allem das Recycling der mit Kohlefasern verstärkten Rotorblätter ist ein Problem. Bereits vor Jahren hatte die Abfallbranche gewarnt, sie müssten als Sondermüll klassifiziert werden.

Doch nun meldet sich auch das Umweltbundesamt (UBA) mit einer Warnung. Bund und Länder müssten klare Vorgaben für den Umfang und die Methoden des Rückbaus der Anlagen erarbeiten. Ziel: Mensch und Umwelt zu schonen und die Materialien wertvoll zu recyceln.

Es ist wirklich eine Herausforderung. Die tiefen Betonfundamente müssen ausgegraben, die mehrere hunderte Tonnen schweren Stahltürme demontiert und die Rotoren entsorgt werden, eben ohne Sondermüll zu produzieren.

Die Zeit drängt

Die Mengen, um die es geht, sind laut UBA gigantisch: pro Jahr 5,5 Millionen Tonnen Beton und knapp eine Million Tonnen Stahl, plus Kupfer, plus Alu.

Immerhin: Mit der vorhandenen Recyclingstruktur für diese Stoffe sei das zu schaffen. Anders allerdings bei den Rotorblättern, von denen laut UBA ab 2024 "relevante Mengen" anfallen, nämlich 70.000 Tonnen im Jahr.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Bisher gibt es deutschlandweit nur eine Anlage, die solche "Wind-Abfälle" überhaupt verwerten kann.

Allerdings tüfteln seit Längerem einige Firmen und Institute an neuen Ideen, was man mit dem Material machen kann. Einen Betonwerkstoff, einen Zusatzstoff im Putz oder einen Schaum für Dämmstoffe zum Beispiel. Und auch das Balsa-Holz, das in den Rotorblättern steckt, kann genutzt werden – als Holzfaser-Dämmstoff.

Doch die Zeit drängt. Bereits ab Mitte 2021 rechnet das UBA mit einem verstärkten Abriss von Windrädern, dann, wenn der erste Schub Anlagen nach 20 Jahren aus der EEG-Förderung fällt.

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