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Lichtblick mit Fünfjahresplan

In den nächsten fünf Jahren will Lichtblick, fünftgrößter Energieversorger Deutschlands, eine halbe Milliarde Euro in den Ausbau der eigenen Ökostromerzeugung stecken. Damit wolle man endgültig vom Stromhändler zum Vollversorger werden, erklärte das Unternehmen bei der Vorstellung der 2021er Bilanz.


Modernes mehrstöckiges Eckhaus am Hamburger Zirkusweg, von schräg unten aufgenommen, sodass die Gebäudeecke steil in den Himmel ragt.
Lichtblick-Zentrale in Hamburg-St. Pauli: Das Tochterunternehmen der Rotterdamer Eneco meldet ein leichtes Umsatzwachstum. (Foto: Lichtblick SE)

Eines hat die 2021 einsetzende Energiekrise der Ökostrombranche gezeigt: Eine eigene erneuerbare Erzeugung ist Gold wert. Lichtblick hatte schon vor der Krise begonnen, sich mehr Strom direkt zu besorgen – dafür konnte sich der Hamburger Ökoenergieversorger bei der kürzlichen Vorstellung seiner 2021er Bilanz glücklich schätzen.

Für den Strombezug hatte Lichtblick letztes Jahr mehrere sogenannte PPA-Verträge abgeschlossen – Vereinbarungen, bei denen Ökostrom direkt von der Anlage weg zu festen Preisen abgekauft wird und nicht mehr den Weg über die Strombörse nehmen muss.

Laut den Angaben bezieht Lichtblick inzwischen anteilig Strom aus 116 Wind- und acht Solarparks, die übers ganze Bundesgebiet verteilt sind. Auf diese Weise sicherte sich das Unternehmen 2021 schon etwa jede siebente Kilowattstunde seines Stromabsatzes, der – gegenüber dem Vorjahr unverändert – bei insgesamt 4,5 Milliarden Kilowattstunden lag.

Der Lichtblick-Umsatz stieg leicht um zwei Prozent auf nunmehr rund 1,1 Milliarden Euro. Der Erlös stieg letztes Jahr allerdings deutlich stärker an – um mehr als ein Fünftel von 47 auf 60 Millionen Euro.

Grund für das Gewinnplus seien vor allem Einmaleffekte, betonte Lichtblick-Geschäftsführer Constantin Eis auf Nachfrage. Das Unternehmen sei kein Krisen-Profiteur.

Ziel sei es, aus dem einstigen reinen Handelsunternehmen einen "vollintegrierten Versorger" zu machen, sagte Eis. Dafür gibt sich Lichtblick fünf Jahre Zeit. 2026 werde das letzte Jahr eines strategisches "Fünf-Jahres-Planungshorizonts" sein, erläuterte Finanzchefin Tanja Schumann.

Am Horizont zeichnet sich dabei ab: In den nächsten fünf Jahren will Lichtblick in Deutschland 500 Millionen Euro in neue eigene Erzeugung investieren und sich 1.000 Megawatt an neuen Wind- und Solarparks zulegen. Wie andere Anbieter auch will das Unternehmen künftig tausende Prosumer, meist Hauseigentümer mit E-Auto, zu einem virtuellen Kraftwerk zusammenschalten.

Preiskrise wird 2023 voll durchschlagen

Als Ökoversorger will Lichtblick ab 2035 über die gesamte Lieferkette CO2-frei sein. Dazu bilanzierte das Unternehmen 2021 erstmals seine Treibhausgase gemäß den Vorschriften des Greenhouse Gas Protocol – einschließlich der sogenannten Scope-3-Emissionen.

Danach war Lichtblick letztes Jahr für 565.000 Tonnen CO2 verantwortlich. Vor allem der Gasvertrieb belaste die Klimabilanz, teilte das Unternehmen mit. Dabei werden die Emissionen gegenüber den Gaskunden durch Kompensationsgeschäfte ausgeglichen – das Unternehmen rechnet sie dennoch in seine CO2-Bilanz ein.

Zwar verkündete Lichtblick anlässlich der 2021er Bilanz auch die Absicht, dieses Jahr noch ein neues "Ökogas" mit einem höheren Standard in der Kompensation auf den Markt zu bringen.

Zugleich hat sich bei Lichtblick offenbar die Erkenntnis durchgesetzt, dass Geschäfte mit klimakompensiertem Gas keine große Zukunft mehr haben. Mittelfristig wolle man aus dem Gasvertrieb aussteigen und dafür das Angebot an Wärmestrom ausweiten, hieß es bei der Zahlenpräsentation.

Grüner Strom statt Gas – dem Trend entsprechend hält Lichtblick auch die geltende Prognose der Bundesregierung für den Strombedarf im Jahr 2030 für deutlich untertrieben. Statt der 750 Milliarden Kilowattstunden, auf die die Ampel ihre Planungen baut, hält der Ökostromer für 2030 einen Bedarf von 900 Milliarden für realistisch.

Entsprechend mehr erneuerbarer Strom müsste dann auch erzeugt werden, um 2030 auf einen Anteil von 80 Prozent am Markt zu kommen. Nötig wären dazu dann 720 Milliarden statt der aktuell angestrebten 600 Milliarden Kilowattstunden.

Bei den Energiepreisen ist aus Sicht von Lichtblick auch mittelfristig keine Entspannung zu erwarten. In vollem Umfang würden die Mehrkosten im kommenden Jahr bei vielen Verbrauchern ankommen, warnt das Unternehmen, vor allem bei Gas drohten "nie dagewesene Kostensteigerungen". Energiearmut werde deshalb 2023 ein großes Thema werden.

Redaktioneller Hinweis: Ralf Schmidt-Pleschka, Koordinator für Energie- und Klimapolitik bei Lichtblick, gehört dem Herausgeberrat von Klimareporter° an.

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