"Eine massive Transformation des Bankensektors"

Fridays for Future hat am Freitagnachmittag in Frankfurt am Main demonstriert. Tausende Aktivist:innen aus ganz Deutschland nahmen teil. Im Interview erklärt Sprecherin Annika Rittmann, was die Bewegung fordert.


Panorama Frankfurt
Frankfurter Bankenviertel: Hier wird an fossilen Energien verdient. (Foto: Klaus-Dieter von Wangenheim/​Pixabay)

Klimareporter°: Frau Rittmann, Fridays for Future hat am Freitag in Frankfurt am Main die deutsche Wallstreet okkupiert. Warum?

Annika Rittmann: Wir sehen, die Klimakrise ist hier. Das hat auch der Bericht des Weltklimarats Anfang der Woche noch mal bestätigt. Es kann nicht sein, dass Banken weiterhin in Kohle, Öl und Gas investieren. Da braucht es eine massive Transformation des Bankensektors.

Aber schon die bestehenden Verträge finanzieren fossile Projekte, die noch Jahrzehnte brauchen, um sich zu rechnen. Was soll damit passieren?

Man muss langfristig schauen, wie man solche Verträge auflösen kann. Dafür braucht es aber in der Tat ein Zusammenspiel der internationalen Politik. Es geht ja oft um Projekte, die gar nicht in Deutschland stattfinden. Das ist umso schlimmer! So befördern deutsche Banken schließlich in anderen Ländern, dass Menschenrechte durch das Antreiben der Klimakrise verletzt werden. Da ist nicht nur der Finanzsektor, sondern auch die deutsche Politik gefragt.

Im vergangenen Jahr hat der deutsche Finanzsektor, darunter auch Schwergewichte wie die Deutsche Bank und die Commerzbank, eine Selbstverpflichtung abgegeben, seine Kredit- und Investmentportfolios in Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens zu bringen. Was fehlt Ihnen da?

Wir sehen, dass die Banken sich Selbstverpflichtungen geben. Wir sehen aber nicht, dass wirklich etwas passiert. Die Banken finanzieren fossile Projekte auf der ganzen Welt. Wir bewegen uns vielleicht in Trippelschritten in die richtige Richtung, aber die reichen bei Weitem nicht aus.

Junge Frau mit Maske und Megaphon.
Foto: privat

Annika Rittmann

ist 18 Jahre alt und eine der Sprecher:innen von Fridays for Future. Sie ist MCI-Studentin an der Uni Hamburg.

Der Weltklimarat hat gerade noch einmal vorgerechnet, wie wenig CO2 noch in die Atmosphäre gelangen darf. Haben Sie das Gefühl, dass drastische Schritte wie die Auflösung von Bestandsverträgen jetzt politisch machbar werden?

Der Weltklimarat warnt ja schon seit Jahren, wie drastisch die Folgen des Klimawandels sind. Und Politiker:innen versuchen einen Tag später immer wieder, diese Berichte unter den Tisch zu kehren. Aber es gibt uns natürlich noch mal eine ganz neue Grundlage für unsere Forderungen.

Das heißt, Sie glauben eigentlich nicht, dass Ihre Forderungen realistisch sind?

Physikalisch ist es möglich und notwendig, 1,5 Grad einzuhalten. Es hängt allein am politischen Willen. Wir können nicht mehr in fossile Projekte investieren. Natürlich ist es realistisch, noch eine lebenswerte Zukunft zu sichern. Genau das ist doch die Aufgabe von Politik.

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