Erstmals mehr erneuerbarer als fossiler EU-Strom

Von Januar bis Juni stammten 40 Prozent des Stroms in der Europäischen Union aus erneuerbaren Quellen. Kohle, Öl und Gas kamen auf 37 Prozent.


Solarpaneel, im Hintergrund Windräder.
Die Energiewende in Europa kommt voran. (Foto: Seagul/​Pixabay)

Ein Rekord für die erneuerbaren Energien in der Europäischen Union: Ihr Anteil am Strommix war im ersten Halbjahr 2020 so groß wie nie – und erstmals größer als der von Kohle, Öl und Gas. Das hat der britische Thinktank Ember auf Grundlage von Daten des Verbandes Europäischer Übertragungsnetzbetreiber ermittelt. Demnach stammten 40 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen. Die fossilen Energieträger kommen aufsummiert auf 37 Prozent.

Auch bei den Treibhausgasemissionen des Stromsektors macht sich das bemerkbar: Sie fielen im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Viertel.

Für Dave Jones, der für Ember Strommärkte analysiert, ist das ein "symbolischer Moment" für die europäische Energiewende. "Die Erneuerbaren haben mehr Strom erzeugt als die Fossilen, angetrieben davon, dass Solaranlagen und Windräder Kohlekraftwerke ablösen", sagte er. "Das ist ein riesiger Fortschritt angesichts dessen, dass fossile Energieträger noch vor neun Jahren doppelt so viel Strom geliefert haben wie erneuerbare."

Der Effekt wurde durch den Lockdown infolge der Corona-Pandemie begünstigt, denn die Nachfrage nach Strom sank, und zwar um sieben Prozent. Die erneuerbare Stromerzeugung hingegen wuchs um elf Prozent, während die fossile Produktion um 18 Prozent schrumpfte.

Kohle-Europameister Polen und Deutschland

Betroffen war in dieser Hinsicht vor allem die Kohleverstromung, die in allen Ländern abnahm. Portugal konnte ein Minus von 95 Prozent beim Kohlestrom gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 verzeichnen und hat seinen für 2023 geplanten Kohleausstieg nun um zwei Jahre vorgezogen.

In absoluten Zahlen hat Deutschland gegenüber dem Vorjahr am meisten Kohlestrom eingespart, nämlich mehr als 30 Milliarden Kilowattstunden. Damit stammten immer noch 47,7 Milliarden Kilowattstunden aus der Kohle.

Zumindest für dieses Halbjahr hat die Bundesrepublik ihren traditionellen Kohle-Europameistertitel aber an Polen abgetreten, wo 50,5 Milliarden Kilowattstunden Kohlestrom produziert wurden.

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