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Portugal beschleunigt Kohleausstieg

Letztes Jahr beschloss Portugal, seinen für 2030 geplanten Kohleausstieg um sieben Jahre vorzuziehen. Nun soll es sogar noch schneller gehen.


Nachtaufnahme von Portugals letztem Kohlekraftwerk
Kohlekraftwerk Sines in Portugal. In einem halben Jahr soll es schließen. (Foto: Paulo Valdivieso/​Wikimedia Commons)

Belgien, Österreich und Schweden haben es vorgemacht. Die drei EU-Länder sind bereits aus der Kohle ausgestiegen. Im kommenden Jahr wird Portugal folgen, zwei Jahre früher als bislang geplant.

Anfang der Woche kündigte der portugiesische Energieversorger Energias de Portugal (EDP) an, sein Kohlekraftwerk Sines mit einer Kapazität von 1.192 Megawatt im kommenden Januar zu schließen. Noch im Jahr 2017 hatte Sines 18 Prozent des Stroms in Portugal produziert und war einer der größten CO2-Verursacher des Landes.

Das Aus für das zweite, mit 628 Megawatt deutlich kleinere portugiesische Kohlekraftwerk Pego ist bereits beschlossene Sache. Eine der Betreiberfirmen, die spanische Endesa, hatte dies letzten Herbst angekündigt. Im kommenden November soll endgültig Schluss sein.

Damit beschleunigt sich Portugals Kohleausstieg noch weiter. 2017 hatte das Land 2030 als Ausstiegsdatum vorgesehen. Im Oktober 2019 hatte der wiedergewählte sozialdemokratische Ministerpräsident António Costa angekündigt, das Aus um sieben Jahre auf 2023 vorzuziehen. Nun wird es noch schneller gehen.

Schon seit Monaten laufen Portugals Kohlekraftwerke nur noch im Stand-by-Betrieb. Das Land verzeichnete eine Rekordzahl von Tagen ohne Kohlestrom. Die Schließung der Meiler ist somit der konsequente nächste Schritt.

Kohleausstieg in Europa

Ankündigungen der Staaten laut Übersicht von Europe Beyond Coal, Stand 14. Juli 2020:

 

2016 Belgien
2017
2018
2019
2020 Österreich, Schweden
2021 Portugal
2022 Frankreich

2023
2024 Großbritannien
2025 Irland, Italien, Spanien*

2026

2027
2028 Griechenland
2029 Finnland, Niederlande
2030 Dänemark, Ungarn, Slowakei

2031

2032

2033

2034

2035

2036

2037
2038 Deutschland

 

Polen und die südosteuropäischen Staaten haben bislang kein Ausstiegsdatum festgelegt.

 

* In Spanien wird mit einem Ausstieg bis 2025 wegen Unwirtschaftlichkeit gerechnet.

EDP begründet seinen Beschluss zur Stilllegung denn auch mit wirtschaftlichen Erwägungen. Die Energieproduktion hänge zunehmend von erneuerbaren Quellen ab, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens.

Zugleich seien die Kosten für die Kohleproduktion und die Preise für CO2-Emissionszertifikate gestiegen. Dadurch seien "die Aussichten für die Rentabilität von Kohlekraftwerken drastisch gesunken". Auch die "zunehmend wettbewerbsfähigen Preise für Erdgas" führt EDP als Grund an.

Tatsächlich gehört Portugal zu den EU-Ländern, die beim Ausbau der Erneuerbaren schon besonders weit sind. Dank einer konsequenten Förderung kam das Land schon 2018 auf gut 52 Prozent Ökostrom, 30 Prozent der Gesamtenergie kamen aus regenerativen Quellen.

Kohle auch in Spanien zu teuer

Auch in Spanien will EDP weitere seiner Kohlekraftwerke schließen oder auf Erdgas umrüsten. Damit kommt auch Spaniens bislang eher zögerlicher Kohleausstieg voran.

Anfang Juli waren bereits sieben der 15 Kohlekraftwerke in Spanien stillgelegt worden. Vier weitere haben bei den zuständigen Behörden die Schließung beantragt.

Umweltschützer rechnen damit, dass spätestens 2025 der letzte spanische Kohleblock vom Netz geht – nicht wegen eines staatlichen Ausstiegsplans, sondern aus wirtschaftlichen Gründen.

Allerdings weist die Kampagnengruppe Europe Beyond Coal darauf hin, dass es auch Rückschritte gibt. Die Slowakei, die im vergangenen Jahr das Ende der Kohleverstromung für 2023 angekündigt hatte, scheint nun doch erst das Jahr 2030 als Enddatum anzupeilen.

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