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Zu viel Optimismus

Wird die "Fridays for Future"-Bewegung auch nach den Sommerferien weiter fürs Klima streiken? Gründe dafür gäbe es mehr als genug.


Arktis
Müssen noch mehr schlechte Nachrichten überbringen: Klimaforscher in der Arktis. (Foto: Kathryn Hansen/​NASA Goddard Space Flight Center/​Flickr)

Die Zeit ist knapp. Nur zehn Jahre bleiben, um die Klimakrise noch in den Griff zu bekommen. Wenn die Menschheit verhindern will, dass die Erderhitzung aus dem Ruder läuft, müssen die weltweiten CO2-Emissionen bis 2030 halbiert werden. So hat es der Weltklimarat IPCC in seinem Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel im letzten Oktober vorgerechnet.

Das bedrohliche Szenario bringt seit Monaten Kinder und Jugendliche zum Klimastreik auf die Straße. Sie fordern, dass sofort mit einschneidenden Maßnahmen begonnen wird. Viel spricht dafür, dass ihre Forderungen noch immer nicht radikal genug sind, weil die Zeit sogar noch knapper ist.

Der IPCC-Bericht fasst den Stand der Klimaforschung zum damaligen Zeitpunkt zusammen. Inzwischen liegen neue Studien und Daten vor, die darauf hindeuten, dass sich der Klimawandel noch schneller vollzieht. Drei Beispiele:

In der kanadischen Arktis taut der Permafrostboden sehr viel schneller als bislang prognostiziert. Messungen des Geophysikalischen Instituts in Fairbanks (Alaska) zeigen, dass in einigen Regionen der Boden bereits so stark abgetaut ist, wie es eigentlich erst für das Jahr 2090 erwartet wurde. Große Mengen des besonders aggressiven Klimagases Methan werden so freigesetzt und heizen die Erde weiter auf.

Auch das Schmelzen des arktischen Eises verstärkt die Klimakrise, da eisfreie Böden und Wasserflächen weniger Sonnenlicht reflektieren als weiße Flächen. Nasa-Forscher haben erstmals abgeschätzt, wie viel Strahlungsenergie dadurch zusätzlich ins Klimasystem kommt – die Menge entspricht dem Ausstoß von einer Billion Tonnen CO2 und beschleunigt die Erderhitzung um schätzungsweise 25 Jahre.

Verena Kern ist stellvertretende Chefredakteurin des Online-Magazins Klimareporter°.

Als Achillesferse im Erdsystem gilt auch der Amazonas-Regenwald. Wird zu viel abgeholzt, speichert der Wald kein CO2 mehr, sondern setzt es frei. Unter dem neuen brasilianischen Präsidenten Bolsonaro steigt die Entwaldung wieder massiv an. Im Juni gab es 88 Prozent mehr Kahlschlag als im Vorjahresmonat, zugleich geht die Regierung weniger dagegen vor.

Von heute aus betrachtet scheint der IPCC-Bericht also geradezu optimistisch zu sein. Wenn die Schulferien in einigen Wochen zu Ende sind, haben die Schülerinnen und Schüler noch mehr Grund, wieder zu streiken und mehr Tempo beim Klimaschutz zu fordern.

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