Wo der Wald verschwunden ist

Ein neuer "Waldmonitor" zeigt die Schäden, die in den letzten Trockenjahren entstanden sind. Besonders betroffen sind Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Hessen. Politik und Forstwirtschaft müssen die vorhandenen Daten auch nutzen, fordern die Wissenschaftler.


Kiefernwald mit teils vertrockneten Bäumen
Großflächig abgestorbene Wälder sind in Deutschland keine Seltenheit mehr. (Foto: Colin Behrens/Pixabay)

Die Waldverluste in Deutschland durch Trockenheit, Stürme und Schädlingsbefall sind offenbar in einigen Regionen größer als bisher angenommen. Ein "Monitor" der privaten Naturwald Akademie zeigt, dass die Verluste an Nadelwald je nach Bundesland in den letzten Jahren bis zu zehn Prozent ausmachen. Bundesweit sind zum Beispiel Fichten und Kiefern viermal mehr betroffen als Laubwälder, so die Akademie.

Der Waldmonitor zeichnet anhand von Satellitendaten die Entwicklung der Wälder in den Jahren 2016 bis 2020 nach, die im Schnitt besonders trocken waren. Besonders 2018 stach hier heraus. Auf einer Deutschlandkarte wird dabei angezeigt, wie viel Nadel- und Laubwald die einzelnen Bundesländer verloren haben.

Darüber hinaus ist zu erkennen, in welchen Regionen der Wald besonders gelitten und somit an Vitalität verloren hat. Die Akademie hat den Monitor gemeinsam mit den Datenspezialisten der Firma Remote Sensing Solutions entwickelt.

Die größten Verluste an Nadelwald in den letzten Jahren gab es laut dem Monitor in Nordrhein-Westfalen mit rund zehn Prozent. Es folgen Sachsen-Anhalt und Hessen mit je acht Prozent.

"Bei den Laubwäldern ist die Lage deutlich entspannter, wenn auch nicht gut", so die Akademie. Negativer Spitzenreiter ist hier Sachsen-Anhalt, dort sind fast zwei Prozent der Laubwälder verloren gegangen. In Brandenburg und Nordrhein-Westfalen gibt es auf 1,3 Prozent der Laubwaldflächen keine Bäume mehr.

Insgesamt zeigen die Analysen des Waldmonitors, dass die Größe der Flächen mit Waldschäden, rund 245.000 Hektar, in etwa den Angaben der Bundesregierung entspricht.

"Waldzustandserhebung reicht nicht mehr aus"

Grundlage des Waldmonitors ist laut Akademie eine Analyse von frei verfügbaren Daten des europäischen Copernicus-Satellitenprogramms. Der Satellit Sentinel‑2 kartiert seit 2016 die Landoberfläche Europas mithilfe hochauflösender Kameras.

Anhand von farbigen Flächen ist auf der Karte schnell zu erkennen, wie es um den Wald steht. Rote Farben weisen Kahlflächen oder komplett abgestorbene Bestände aus. Farbtöne in Orange zeigen Waldflächen mit einer deutlichen Vitalitätsverschlechterung der Wälder in den letzten Jahren, etwa durch Absterben oder Entnahme einzelner Bäume.

Die letzten Jahre hätten gezeigt, dass die Folgen des Klimawandels eine regelmäßige, bundeseinheitliche Überprüfung des Waldzustandes notwendig machten, erläuterte Torsten Welle von der Akademie. "Die mit dem Klimawandel verbundenen Prozesse verändern den Wald so schnell, dass eine Stichprobe von circa 10.000 Bäumen der jährlichen Waldzustandserhebung nicht ausreicht, um den Vitalitätszustand des Waldes flächendeckend zu beschreiben."

Mit dem neu entwickelten Waldmonitor könnten jederzeit aktuelle Satellitenbilder eingespeist werden, um den Zustand des Waldes zu überwachen. Damit könnten Politik und Forstwirtschaft die Lage in den Wäldern eindeutig und schneller als bisher beurteilen.

Die Naturwald Akademie ist eine vor fünf Jahren gegründete unabhängige Forschungseinrichtung zu Wald, Natur- und Klimaschutz mit Standorten in Lübeck, Hamburg und Berlin. Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Akademie ist Knut Sturm, seit 2010 Bereichsleiter des Lübecker Stadtwaldes, dessen naturnahes Waldbewirtschaftungskonzept von der Akademie unterstützt wird.

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