Das Wetter in der Krise

Hitze, Stürme, CO2: Die Weltmeteorologieorganisation hat ihren Bericht zum Zustand des Weltklimas im vergangenen Jahr vorgelegt.


In einer ebenen Wüstenlandschaft ziehen in der Dämmerung Regenwolken, am Horizont regnet es.
Die extreme Hitze, die in Australien die verheerenden Waldbrände begünstigt hat, ist durch den Klimawandel laut einer Studie doppelt so wahrscheinlich geworden. (Foto: Greg Nadot/​Pixabay)

Die Weltmeteorologieorganisation WMO hat ihren jährlichen Bericht zum Zustand des Weltklimas herausgegeben.

Es ist ein düsteres Bild, das die Wetterexperten der Vereinten Nationen zeichnen. 2019 hat neue Negativrekorde gebracht: Die Temperatur in den Meeren, die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre und der Meeresspiegel waren so hoch wie nie zuvor.

Das Jahr war das zweitwärmste, seit das Wetter systematisch aufgezeichnet wird. Es beendet zudem die heißeste Fünf-Jahres-Spanne überhaupt – und die heißeste Dekade. Die wiederum ordnet sich in die Reihe der Jahrzehnte ein, die seit den 1980er Jahren immer nur noch wärmer ausfallen.

Die Durchschnittstemperatur in der Atmosphäre lag über das Jahr um 1,1 Grad höher als kurz vor der treibhausgasintensiven Industrialisierung. Globales Ziel ist laut dem Weltklimaabkommen von Paris, die Erderhitzung auf "deutlich unter zwei Grad" gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, möglichst auf 1,5 Grad.

Steigen die Temperaturen höher, droht die Erde in eine Hitze-Spirale zu geraten, weil etwa der Permafrostboden taut und dabei riesige Mengen an Treibhausgasen freisetzt. Was die Staaten im Rahmen von Selbstverpflichtungen für das Paris-Abkommen zugesagt haben, liefe auf eine Erwärmung zwischen drei und vier Grad hinaus.

UN-Chef: Nicht annähernd auf Kurs

UN-Generalsekretär António Guterres mahnte angesichts der neuen Daten "weitreichende Klimaschutzmaßnahmen" an. "Wir sind noch lange nicht auf dem richtigen Kurs für das 1,5-Grad- oder das Zwei-Grad-Ziel", warnte er.

Es ist nicht der erste Appell des UN-Chefs an die Regierungen, er kommt aber zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Derzeit arbeiten viele Staaten noch an neuen Selbstverpflichtungen, wie das Paris-Abkommen es alle fünf Jahre einmal vorsieht.

Eigentlich hätten die neuen Klimaziele schon Anfang Februar vorliegen sollen. Zum Stichtag hatten aber nur drei Staaten geliefert, nämlich die Marshallinseln, Surinam und Norwegen. Unausgesprochen ist klar: Wichtig ist vor allem, was im November zur Weltklimakonferenz in Großbritannien auf dem Tisch liegt.

Neben den Temperaturen hebt die WMO auch die schweren Stürme hervor, etwa die Zyklone Idai in Südostafrika, Fani in Südasien und Dorian in der Karibik. Der Weltklimarat IPCC geht davon aus, dass solche tropischen Wirbelstürme mit fortschreitendem Klimawandel heftiger werden.

Als prägend für 2019 nennt die Weltmeteorologieorganisation auch die extremen Hitzewellen, die das vergangene Jahr für Europa, Indien, Japan und Australien brachte. In der vergangenen Woche hat ein internationales Forschungsteam durch eine Attributionsstudie ermittelt, dass der Klimawandel Hitzewellen doppelt so wahrscheinlich gemacht hat.

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