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Mit CO₂-Preis in allen Sektoren klappt Energiewende

Was die Politik tun muss, damit die Energiewende in Deutschland doch noch gelingt, haben Vertreter von Unternehmensverbänden und Wissenschaftsakademien diskutiert. Ihre Empfehlung: Investitionen in erneuerbare und klimafreundliche Technologien anreizen – mit einem Signal, das sich am Preis für CO2 orientiert.


Windrad, von unten gesehen
Erst ein Stück des Weges zurückgelegt: Die Energiewende erfordert einen tiefgreifenden Umbau des Wirtschaftssystems. (Foto: Simon Steinberger/​Pixabay)

Dass die Energiewende zu schaffen und die langfristigen Klimaziele Deutschlands noch erreichbar sind, haben Experten in etlichen Studien bereits dargelegt. Doch die gesammelten Erkenntnisse haben bislang nicht zu einer stringenten Energiepolitik geführt. Deshalb haben die deutschen Wissenschaftsakademien mit ihrem Projekt "Energiesysteme der Zukunft" (Esys), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Deutsche Energie-Agentur (Dena) nun mit einer gemeinsamen Diskussion ihrer drei Grundsatzstudien nachgelegt, um öffentlich Druck auf die Politik zu machen.

Erschienen sind die Studien bereits 2017 und 2018. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Energiewende machbar ist. Allerdings nur, wenn die Politik ab sofort entschlossen und konsequent handelt.

"Wir müssen uns alle klarmachen, dass das ein grundlegender Veränderungsprozess ist, der sehr viele Chancen bietet – sofern wir ihn frühzeitig angehen", sagt Dena-Geschäftsführer Andreas Kuhlmann. Weitere Verzögerungen würden nur dazu führen, dass die Kosten deutlich steigen und entscheidende Technologien und Infrastrukturen nicht rechtzeitig einsetzbar seien.

Ökostrom-Ausbau verdoppeln

Deshalb gibt die Koalition aus Unternehmen und Wissenschaft der Politik nun einen Plan an die Hand, was in den kommenden Monaten und Jahren aus ihrer Sicht passieren muss, damit die Energiewende bis 2050 doch noch gelingt.

Der jährliche Nettoausbau der erneuerbaren Energien muss demnach auf mindestens 6.000 Megawatt steigen. Das ist doppelt so viel, wie es das EEG 2017 vorsieht. Weiterhin müsse das Stromnetz aus- und umgebaut werden, damit die Ökoenergien besser in das Stromnetz integriert werden könnten.

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"Um die schwankende Stromerzeugung auszugleichen, braucht es vielfältige Technologien für kurzfristige Flexibilität – von Batterien in Elektroautos und Wärmepumpen über thermische Speicher und Power-to-X-Anlagen bis zum Demand-Side-Management", sagt Eberhard Umbach vom Esys-Direktorium. Flexibel regelbare Gaskraftwerke und Gasturbinen müssten die Energieversorgung künftig bei den unterschiedlichen Wetterlagen und Jahreszeiten sichern.

Auch bei der Gebäudesanierung soll die Politik ansetzen. Die jährliche Sanierungsrate von derzeit einem Prozent müsse mindestens auf 1,4 bis zwei Prozent steigen. "Im Gebäudesektor muss die energetische Sanierung schneller, umfangreicher und besser vorankommen", sagt Holger Lösch vom BDI. Dafür sei eine attraktive steuerliche Förderung der zentrale benötigte Impuls.

Abgaben-Reform für erneuerbare Investitionen

Ohnehin sieht der Industrie-Vertreter im Anreizen von Investitionen den notwendigen Schlüssel, um die Klimaziele in den verschiedenen Sektoren zu erreichen. Dieses Problem werde aber nicht ausreichend von der Klimapolitik berücksichtigt, die Investitionshürden bestünden weiter.

Noch in dieser Legislaturperiode soll die Politik deshalb das bestehende System an Steuern, Abgaben und Umlagen reformieren, um die erforderlichen Investitionen anzustoßen. Als Mittel empfehlen Esys, BDI und Dena CO2-orientierte Preissignale für all jene Sektoren, die nicht vom der Emissionshandel der EU abgedeckt sind, also vor allem Wärme und Verkehr.

Weiterhin plädieren Unternehmen und Wissenschaft dafür, dass im Jahr 2050 erneuerbare synthetische Energieträger im Umfang von 200 bis 900 Milliarden Kilowattstunden eingesetzt werden müssen. Zum Vergleich: 2017 lag der gesamte Primärenergieverbrauch Deutschlands bei rund 3.800 Milliarden Kilowattstunden.

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