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Verbrenner noch bis 2035 im Angebot

Ab 2035 dürfen in der Europäischen Union keine neuen Personenkraftwagen mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden. Darauf einigten sich die EU-Staaten und das EU-Parlament. Der Plan kommt zu spät und enthält Schlupflöcher, warnen Mobilitätsexpert:innen.


Auspuff eines Diesel-Pkw.
Die EU hat das Ende für Pkw mit Verbrennungsmotor eingeläutet. (Foto: Andreas Lischka/​Pixabay)

Ab 2035 dürfen neu zugelassene Pkw und leichte Nutzfahrzeuge in der EU kein CO2 mehr emittieren. Darauf haben sich Vertreter:innen des Europäischen Parlaments und der EU-Mitgliedsstaaten am Donnerstagabend geeinigt. Neue Autos mit Verbrennungsmotor, die noch CO2 ausstoßen, dürfen dann nicht mehr verkauft werden.

"Diese Übereinkunft sendet ein starkes Signal an die Industrie und die Verbraucher: Europa vollzieht den Übergang zu emissionsfreier Mobilität", sagte EU-Klimakommissar Frans Timmermans.

Künftig sollen die CO2-Emissionen von Pkw und Transportern über den gesamten Lebenszyklus bewertet und registriert werden. Bis 2025 soll die Kommission eine entsprechende Methodik dafür vorlegen.

Die Vereinbarung verpflichtet die Automobilhersteller dazu, die Emissionen ihrer verkauften Neuwagen bis 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 2021 zu senken. Für 2035 schreibt die Regelung eine Senkung der CO2-Emissionen um 100 Prozent vor.

Ab Ende 2025 soll die Kommission alle zwei Jahre einen Fortschrittsbericht zur emissionsfreien Straßenmobilität vorlegen.

Der Europäischen Umweltagentur zufolge entsteht fast ein Viertel der CO2-Emissionen in der EU durch den Verkehr. Größter Emittent ist hier mit Abstand der Straßenverkehr. 2019 verursachte der EU-Verkehrssektor 825 Millionen Tonnen CO2. Damit lag der CO2-Ausstoß um 25 Prozent höher als 1990.

Expert:innen begrüßen die Einigung, halten aber das Zieljahr 2035 für zu spät, um noch in diesem Jahrzehnt Treibhausgasemissionen einzusparen. Schon heute liegen die weltweiten Durchschnittstemperaturen um 1,2 Grad höher als im vorindustriellen Zeitalter. Laut Weltklimarat sind schnelle und weitgehende Einschnitte beim Treibhausgasausstoß notwendig.

"Wir müssen mit weniger Autos auskommen"

"Das kommt viel zu spät. Und es gibt auch zu viele Hintertüren und Eventualitäten in den Vorgaben", sagt der Mobilitätsforscher Andreas Knie. So können etwa für Hersteller, die weniger als 10.000 neue Pkw oder weniger als 22.000 neue Transporter pro Jahr produzieren, noch bis 2035 Ausnahmeregelungen vereinbart werden.

Zudem muss die Regelung noch von den EU-Staaten in eigenes Recht gegossen werden. Knie rechnet damit, dass es dabei zu weiteren Verzögerungen und Blockaden kommt. "Verkehrsminister Volker Wissing tut sich schwer, die Elektromobilität voranzubringen, weil er den Verbrenner retten will", urteilt er.

Länder, die zu lange an überholten Technologien festhalten, würden aber dann umso tiefer fallen, warnt Knie. Das zeigten die Erfahrungen mit der Textil-, Kohle- oder Stahlindustrie.

Auf Drängen der FDP und der deutschen Regierung enthält die jetzt erzielte Einigung einen Prüfauftrag für die EU-Kommission: Sie soll 2026 einen Vorschlag unterbreiten, wie auch noch nach 2035 außerhalb der Flottengrenzwerte Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zugelassen werden können, die ausschließlich mit "klimaneutralen" Kraftstoffen, sogenannten E-Fuels, betrieben werden.

Nach Überzeugung von Verkehrsforscher Knie reicht es ohnehin nicht, allein auf Elektrifizierung zu setzen: "Wir müssen mit weniger Autos auskommen."

Redaktioneller Hinweis: Andreas Knie gehört dem Herausgeberrat von Klimareporter° an.

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