Das Rad neu erfinden

Der neue Nationale Radverkehrsplan des Verkehrsministers ist ein deutliches Bekenntnis zur Radfahr-Förderung. Doch wer den zahlreicher gewordenen Fahrrädern auf den Straßen den nötigen Platz geben will, muss ihn den Autos wegnehmen.


Fahrräder und Auto
Mehr Fahrräder heißt weniger Autos, aber jedes Auto weniger gibt mehreren Fahrrädern Platz. (Foto: Susan Yin/Unsplash)

In Deutschland wurde das Auto erfunden. Und das Fahrrad.

Von Letzterem hat man in der Verkehrswegeplanung jahrzehntelang fast nichts gemerkt. In den Straßenbau- und Stadtplanungsämtern herrschte die Windschutzscheiben-Perspektive vor. Im Wirtschaftswunderdeutschland war die "autogerechte Stadt" das Ziel.

Inzwischen ist das anders. Der von Bundesverkehrsminister Scheuer (CSU) jetzt – leider erst zum Ende seiner Amtszeit – vorgestellte neue Nationale Radverkehrsplan spiegelt das wider. Er ist ein ambitioniertes Bekenntnis zur Radfahr-Förderung.

So sollen die Ausgaben pro Bundesbürger für Velo-Infrastruktur verdoppelt, die Zahl der per Rad zurückgelegten Wege verdoppelt und die Sicherheit messbar erhöht werden.

Auch die sonst oft kritische Radfahrlobby erkennt an, dass sich da etwas tut. Vor allem ist es zu begrüßen, dass der Bund zusätzliche Mittel für Maßnahmen in den Kommunen und Ländern zur Verfügung gestellt hat, die stark nachgefragt werden.

Trotzdem wird es mühsam bleiben, die Auto-Stadt und das Auto-Land zurückzubauen. Denn wer den so zahlreich gewordenen Radnutzer:innen mehr Platz geben will, muss ihn dem Autoverkehr wegnehmen. Und dazu braucht es Rückgrat.

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