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Kein goldener Weg zur Verkehrswende

Der Ausbau der Elektromobilität lässt den Bedarf an Lithium für die Batterieproduktion drastisch steigen. In den Ländern, in denen das Leichtmetall abgebaut wird, führt das zu gravierenden Umwelt- und Sozialkonflikten. Teil 7 unseres Kurzdossiers.


Zwei Flamingos am Atacama-Salzsee
Atacama-Salzsee in Chile: Seit Lithium abgebaut wird, geht der Bestand an Flamingos zurück. (Foto: Monica Volpin/​Pixabay)

Wirtschaftsminister Peter Altmaier will Deutschland und Europa zu einem wichtigen Standort der globalen Batteriezellproduktion machen. Während der Schwerpunkt derzeit noch in Asien liegt, soll 2030 ein Drittel des weltweiten Bedarfs an Batterien aus deutscher und europäischer Produktion gedeckt werden. Dafür warb Altmaier bei einer Vernetzungskonferenz seines Ministeriums zur Elektromobilität in dieser Woche in Berlin.

Deutschland und Europa müssten bei dieser "Game-Changer-Technologie" vorne mit dabei sein, forderte der CDU-Politiker. "Nur so können wir auch künftig unser Wohlstandsniveau halten und gleichzeitig die Umwelt schützen."

Die Elektromobilität gilt als einer der Schlüssel, um den Verkehrssektor endlich klima- und umweltfreundlich zu machen. Bislang ist der Verkehr das große Sorgenkind, seit Jahren verdirbt er die deutsche Klimabilanz. Während in allen anderen Bereichen die CO2-Emissionen reduziert werden konnten, steigen sie hier immer noch an. Auch für einen großen Teil der Luftverschmutzung ist der Verkehr verantwortlich, wie sich durch den Abgasskandal gezeigt hat. Mit Elektroautos, so die Hoffnung, kann die Verkehrswende zu einer eine "grünen", sauberen Mobilität gelingen.

Lithium

Auf rund 47 Millionen Tonnen belaufen sich die weltweiten Lithiumvorräte. Sie konzentrieren sich auf wenige Länder. Rund 60 Prozent befinden sich im sogenannten Lithiumdreieck zwischen Argentinien, Bolivien und Chile. Auch in Deutschland gibt es Lithium. Rund 100.000 Tonnen lagern im sächsischen Zinnwald. Im kommenden Jahr soll der Abbau beginnen.

 

In der Batterie eines Elektroautos stecken bis zu 40 Kilogramm Lithium. In einem Laptop-Akku sind es 30 bis 40 Gramm, in einem Handy-Akku ein bis drei Gramm.

 

Vor allem durch die Elektromobilität ist der Bedarf an Lithium stark gestiegen. Vor 20 Jahren lag er noch bei rund 10.000 Tonnen pro Jahr, inzwischen sind es fast 40.000 Tonnen. Bis 2025 wird mit einer weiteren Verdopplung gerechnet. Ob der Abbau so schnell erhöht werden kann und welche Folgen das hätte, ist unklar. Ähnliches gilt für Kobalt.

Allerdings wird der Ausbau der Elektromobilität auch den Bedarf an Lithium exorbitant steigen lassen, zeigt nun ein Report der Entwicklungsorganisation Brot für die Welt. Das "weiße Gold", wie das Leichtmetall auch genannt wird, sorgt in den Ländern, in denen Lithium abgebaut wird, für erhebliche Umwelt- und Sozialkonflikte. Während der Rohstoff hierzulande als Beitrag für mehr Umweltschutz gesehen wird, führt er dort zu mehr Umweltzerstörung.

Besonders betroffen ist die als Lithiumdreieck bezeichnete Grenzregion zwischen Argentinien, Bolivien und Chile. Hier lagern mehr als 60 Prozent der weltweiten Lithiumvorkommen in Salzseen. Der Abbau ist extrem wasserintensiv, die Herstellung einer Tonne Lithium verbraucht fast zwei Millionen Liter Wasser – und das in einer Gegend, die ohnehin zu den trockensten der Welt gehört.

"Der Lithiumabbau gefährdet die Wasserversorgung und damit die Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung im Lithiumdreieck", sagt die Juristin Maren Leifker, Menschenrechtsreferentin von Brot für die Welt und Mitautorin der Studie, gegenüber Klimareporter°.

Weil durch den hohen Wasserverbrauch der Grundwasserspiegel sinkt, trocknen auch umliegende Lagunen und Flussebenen nach und nach aus ‒ sie aber sind das Wassereinzugsgebiet für die in der Region lebenden Menschen, Tiere und Pflanzen. Immer wieder gibt es deshalb Konflikte um die Wassernutzung zwischen lokalen Lithiumproduzenten und Landwirten. Zudem werden bei der Weiterverarbeitung Chemikalien eingesetzt, die nicht ordnungsgemäß entsorgt werden.

"Die Bundesregierung muss von deutschen Batterieherstellern hohe Umwelt- und Sozialstandards bei der Rohstoffgewinnung einfordern und Recyclingsysteme einführen", fordert Leifker. "Der Klimaschutz bei uns darf nicht auf Kosten der Menschen am anderen Ende der Wertschöpfungskette gehen."

Zudem müsse die Bundesregierung langfristig darauf hinwirken, den Lithiumbedarf zu verringern. Dazu sei eine "alternative Mobilitätswende" nötig, die sich nicht auf den Austausch des Antriebs beschränkt, sondern auch eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs beinhaltet.

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