Beim Repowering in einem schleswig-holsteinischen Windpark. (Bild: Tim Riediger/​BWE)

2023 war ein Rekordjahr für die Ökostrom-Erzeugung. Rund 57 Prozent der Nettostromerzeugung stammten aus erneuerbaren Quellen, errechnete jüngst das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE). Doch um das Ziel der Ampel-Bundesregierung für 2030 zu schaffen, muss noch einiges geschehen, dann sollen nämlich 80 Prozent erreicht sein.

Dabei zeigen sich große Unterschiede zwischen den einzelnen Erneuerbaren. Der Ausbau der Solarenergie läuft neuerdings sehr gut. Mit rund 14.100 Megawatt wurde hier ein neuer Ausbau-Rekord aufgestellt – geplant hatte die Ampel ein Plus von 9.000 Megawatt.

Bei der Windkraft an Land hingegen wurde der von der Regierung abgesteckte Ausbaupfad trotz Verbesserungen nicht erreicht. Deutlich zeigen das die aktuellen Daten vom Bundesverband Windenergie (BWE) und vom Anlagenbauer-Verband VDMA.

Danach wurden 2023 an Land 745 Windkraftanlagen mit einer Gesamt-Nennleistung von rund 3.570 Megawatt errichtet. 2022, als die Ampel gerade gestartet war, waren es 2.400 Megawatt gewesen und 2021 sogar nur 1.900 Megawatt. Der Zuwachs lag 2023 also immerhin um rund die Hälfte über dem Wert des Vorjahres.

Trotz des Aufwärtstrends bleibt die Lücke zu den Ausbauzielen der Ampel groß. Zieht man die stillgelegten und abgebauten Altanlagen im Umfang von 530 Megawatt ab, kamen 2023 am Ende nur etwa mehr als 3.000 Megawatt neu hinzu, die Vorgabe lautete allerdings auf 4.300 Megawatt.

Der Großteil des Rückbaus geschah allerdings laut der detaillierten Bilanz im Rahmen von Repowering, bei dem alte durch neue Anlagen ersetzt werden. Der Anteil von Repoweringanlagen am Ausbau lag 2023 schon bei 30 Prozent.

Südliche Bundesländer liegen weiter hinten

Auch 2024 dürfte aber der nötige Ausbaupfad verfehlt werden. Der Ampel-Plan sieht eigentlich vor, dass zum Ende des Jahres rund 69.000 Megawatt Windkraft an Land installiert sind. Mit dem letztjährigen Ausbau sind aber gegenwärtig erst 61.000 Megawatt erreicht – die "Lücke" zum Ziel beträgt also rund 8.000 Megawatt.

Diese Lücke lässt sich 2024 auf keinen Fall mehr schließen. Die Verbände rechnen nur mit einem Plus von 3.600 bis 4.200 Megawatt, also nicht viel mehr als im vorigen Jahr.

BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek lobte zwar die "Spitzenwerte bei den Neugenehmigungen" 2023, sagte aber auch: "Wir haben eine deutliche Lücke zu dem politischen Ziel." Ins gleiche Horn blies der Geschäftsführer von VDMA Power Systems, Dennis Rendschmidt. Es müsse schnellere Genehmigungen, mehr Flächenausweisungen und den Abbau von Hürden bei der Anlagen-Realisierung geben.

Große Probleme gibt es laut den Verbänden weiterhin bei den Genehmigungen für den Transport der Komponenten für die immer größer werdenden Windräder. Projektierer müssten immer noch drei bis vier Monate auf sie warten, während sie in anderen Ländern, etwa den Niederlanden, in zwei Wochen zu haben seien.

Insofern bleibt die Frage, wie schnell die rund 7.500 Megawatt Windkraft, für die die Projektierer bereits Genehmigungen in der Tasche haben, in den kommenden Jahren realisiert werden.

Die aktuellen Zahlen zeigen auch, dass sich das Nord-Süd-Gefälle bei der Windkraft weiter verstärkt. So wurde allein in Schleswig-Holstein gut ein Drittel der neuen Anlagen aufgestellt, im Ranking folgen Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg.

Besonders gering war die neu hinzugekommene Kapazität in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen. Heidebroek sagte dazu, der Süden müsse endlich "aufwachen" und handeln. Gerade in Bayern mangele es bisher am politischen Willen.

 

Die Umweltorganisationen WWF und DUH legten unterdessen eine Analyse vor, wonach das von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) formulierte Ziel für den Windenergieausbau verfehlt werden dürfte.

Scholz hatte gesagt, bis zum Ende der aktuellen Legislaturperiode sollten pro Tag vier bis fünf Windenergieanlagen errichtet werden. Laut der Prognose sind im Schnitt aber nur 2,8 Anlagen pro Tag möglich, bestenfalls 3,3.

Die Hochrechnung bezieht sich auf die maximal möglichen Ausschreibungen für Windräder von Sommer 2023 bis 2025 sowie auf die durchschnittliche Realisierungsdauer. Die Organisationen appellieren an Scholz, den Windenergieausbau zu priorisieren und Maßnahmen für einen beschleunigten Ausbau zu ergreifen.

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