Zuletzt gab es wieder Schocknachrichten aus Europas Windkraft-Branche und damit für die Energiewende: Siemens Energy musste die Bundesregierung um milliardenschwere Staatsgarantien angehen, um im Geschäft mit den Riesen-Rotoren bleiben zu können.

Und der dänische Windprojektentwickler Ørsted meldete einen Verlust von rund 2,7 Milliarden Euro für die ersten neun Monate des Jahres, wegen aus dem Ruder laufender Kosten und Lieferkettenproblemen.

 

Ganz anders die Neuigkeiten zu dem Sektor aus China. Der Hersteller Mingyang hat eine Mega-Windkraftanlage für den Offshore-Betrieb angekündigt, die alle bisherigen Entwicklungen in den Schatten stellt.

Die neue Anlage – Typenbezeichnung MySE 22 MW – soll 22 Megawatt installierte Leistung haben und mit mehr als 330 Metern höher sein als der Eiffelturm in Paris, der 324 Meter misst. Sie ist laut Hersteller auf Starkwindregionen zugeschnitten und soll in der Lage sein, auch Taifunen standzuhalten. Der Rotordurchmesser beträgt über 310 Meter.

Es sei möglich, die Anlage auf den in Offshore-Windparks bislang gängigen Gründungsstrukturen auf dem Meeresboden aufzustellen, sie eigne sich aber auch für schwimmende Offshore-Windparks. Mingyang plant nach eigenen Angaben, das erste 22-Megawatt-Windrad 2024 oder 2025 zu bauen.

Der Wettlauf um die leistungsstärkste Offshore-Windenergieanlage läuft seit einiger Zeit auf Hochtouren. Die Hersteller General Electric, Goldwind, Siemens und Vestas liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Aktuell haben die Chinesen quasi die Rotoren vorn.

Branche seit 2022 weltweit in der Krise

Die bislang größte Anlage wurde Ende Juni im Offshore-Windpark Fujian vor der Küste der gleichnamigen südostchinesischen Provinz platziert. Hergestellt vom chinesischen Konzern Goldwind mit Sitz in der uigurischen Hauptstadt Ürümqi, leistet sie 16 Megawatt.

Das deutsch-spanische Unternehmen Siemens-Gamesa stellte in diesem Jahr in Dänemark für einen Testlauf an Land eine 15-Megawatt-Anlage auf, die auch für Offshore-Anwendungen geplant ist.

Zum Vergleich: Die ersten deutschen Windräder, seit 2010 im Offshore-Testfeld "Alpha Ventus" installiert, haben fünf Megawatt Nennleistung, ihre Gesamthöhe beträgt gut 170 Meter über dem Meeresgrund. Zuletzt wurden in der Nordsee Neun-Megawatt-Anlagen aufgestellt, im Windpark Kaskasi.

Die Windkraft war 2022 nach den Ausbaurekorden der Vorjahre weltweit in eine Krise geraten. Die Inbetriebnahme von Anlagen ging um 15 Prozent auf 86.000 Megawatt zurück. Dabei war das Wachstum in den beiden größten Windkraft-Märkten der Welt, China und USA, zum Stillstand gekommen.

Grund für die rückläufige Entwicklung waren vor allem Engpässe in der Lieferkette und die Unsicherheit über staatliche Unterstützungsmaßnahmen für den Windenergie-Ausbau, wie es in einem Bericht des US-Marktforschungsunternehmens Bloomberg New Energy Finance (Bnef) hieß.

 

In diesem Jahr ist die Lage ebenfalls nicht einfach. Rückschläge gab es etwa bei den Ausbauplänen in den USA und Großbritannien, und auch im früheren Windkraft-Pionierland Deutschland werden die von der Ampel-Regierung angehobenen Ausbauziele absehbar nicht erreicht.

Die aktuelle Rekord-Ankündigung von Mingyang passt daher zu der Einschätzung von Martin Knops, Technikchef des belgischen Unternehmens ZF Wind Power, auf der diesjährigen Husumer Windmesse. Das "Herz" der Windenergie schlage mittlerweile in China, zitierte ihn das Fachmagazin Neue Energie.

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