Grüne gewinnen in Bayern

Bei der Landtagswahl in Bayern können die Grünen ihren Wähleranteil verdoppeln und sind nun mit 17,5 Prozent zweitstärkste Kraft nach der CSU. Diese stürzt auf 37 Prozent ab. Wieder im Landtag sind auch die SPD mit zehn und die Freien Wähler mit zwölf Prozent. Die AfD zieht mit zehn Prozent erstmals ins Parlament ein, der FDP gelingt knapp der Wiedereinzug.


Erneuerbare Energie
Grüne Forderung für Bayern: Windkraft ohne 10‑H‑Abstandsregel. (Foto: Gustavo Quepón/​Unsplash)

Bei der Wahl am heutigen Sonntag hat Bayern einen politischen Erdrutsch erlebt. Die in den letzten Jahrzehnten fast immer allein regierende CSU stürzte laut Endergebnis auf 37 Prozent der Wählerstimmen ab – gegenüber 48 Prozent bei der Wahl 2013. Die SPD liegt bei weniger als zehn Prozent (2013: 21), die Freien Wähler bei zwölf Prozent (neun) und die Grünen bei 17,5 Prozent (neun). Der AfD gelingt mit zehn Prozent erstmals der Einzug in den Landtag. Die FDP schafft mit 5,1 Prozent (drei) knapp den Wiedereinzug. Die Linke scheitert mit drei Prozent (2013: zwei) deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde.

Die Grünen punkteten dabei vor allem in den größeren Orten. In acht bayerischen Städten wurden sie nach den Angaben stärkste politische Kraft. In der Landeshauptstadt München kommen die Grünen auf 30 Prozent, die CSU auf 25 und die SPD auf 14 Prozent.

Grüne gewinnen mit klassischen Umwelt-Themen

Laut der Wahlanalyse der ARD-Tagesschau auf Grundlage einer Befragung am Wahltag gewannen die Grünen vor allem mit dem Thema Natur- und Umweltschutz. Mehr als zwei Drittel der Wähler messen den Grünen auf diesem Feld die wichtigste Kompetenz bei, 66 Prozent bei Umwelt- und Klimapolitik und 69 Prozent beim Naturschutz. Dieser spiele gerade in den ländlichen Regionen Bayerns eine große Rolle.

Damit konnten die Grünen selbst in ländlichen Gemeinden ihre bisherigen Ergebnisse verdoppeln und kommen dort im Schnitt auf 15 Prozent, in Kleinstädten auf 17, in Mittelstädten auf 19 und in Großstädten sogar auf 27 Prozent. Nicht aufgegangen sei die Strategie, die Grünen wie in früheren Jahren als eine wirtschaftsfeindliche Partei darzustellen, die die Leute mit Regeln drangsaliere.

Der amtierende bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ließ am Wahlabend erkennen, dass sein bevorzugter Koalitionspartner die Freien Wähler in einem "bürgerlichen Bündnis" sind. Man werde mit den Grünen reden, deren Programm sei aber kaum koalitionsfähig, sagte Söder im ZDF.

Noch am Morgen des Wahltages hatte sich der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, der aus Bayern stammende Anton Hofreiter, im Kampf gegen den Klimawandel für die bundesweite Einführung von Ein-Euro-Tagestickets für den öffentlichen Nahverkehr nach Wiener Vorbild ausgesprochen. Jeder Verkehrsverbund solle das einführen, sagte Hofreiter laut Medienberichten. Schüler und Lehrlinge sollten den Nahverkehr gratis nutzen können. Der Vorschlag sei Teil eines Drei-Punkte-Plans, mit dem die Grünen erreichen wollen, dass die Menschen mehr Bahn oder Bus und weniger Auto fahren.

Zur heutigen Landtagswahl hatte Hofreiter in dieser Woche gegenüber Klimareporter° erklärt, die Grünen würden zur Bildung einer Koalitionsregierung in Bayern mit "allen demokratischen Parteien" reden, allerdings könne er sich das derzeit mit der CSU, solange diese von "Asyltourismus" oder dem "Ende des Multilateralismus" rede, nur schwer vorstellen. "Man kann mit uns immer über eine ökologische, sozial gerechte und humane Politik reden, aber nicht über eine autoritäre oder europafeindliche Politik", sagte Hofreiter.

Der Beitrag wurde mehrmals aktualisiert, zuletzt um 21:45 Uhr (Wahlanalyse) und 2:00 Uhr (Endergebnis).

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Die grüne Kavallerie

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