Für den Schutz der Lebenswelt

In der kommenden Woche will die Protestbewegung Extinction Rebellion wieder in Berlin demonstrieren. Auch Aktionen zivilen Ungehorsams sind geplant.


Transparent
Extinction Rebellion bei der ersten Kundgebung in Deutschland am Berliner Reichstagsgebäude im April 2019. (Foto: Susanne Schwarz)

Schon vor langer Zeit hat sich Manon Gerhardt entschieden, weniger Ressourcen zu verbrauchen. Sie trägt Second-Hand-Kleidung oder Bio-Klamotten und isst vegan – seit 30 Jahren.

"Veganismus ist lobenswert, aber ich lebe in einem toxischen System", sagt Gerhardt. Wenn sie selbst verzichte, ändere das wenig an den gesellschaftlichen Umständen.

"Für meine Enkelkinder wird es trotzdem zu spät sein". Sie würden glauben, dass Geschichten über Clownfische nur ausgedacht sind, weil in 20 Jahren die weltweiten Korallenriffe wegen der immer wärmer und saurer werdenden Ozeane verloren sein könnten. "Deshalb unterschreibe ich als 48-Jährige nicht nur Petitionen oder gehe auf Demonstrationen", sagt die Musikerin, die sich in der Politik-AG von Extinction Rebellion engagiert.

Auch mit zivilem Ungehorsam will Manon Gerhardt gemeinsam mit weiteren Mitstreiter:innen der Protestbewegung die Bundesregierung zu mehr Klima- und Umweltschutz bewegen.

In der kommenden Woche will Extinction Rebellion (XR) in Berlin gegen Politiker:innen, Konzerne und Lobbygruppen protestieren, die den Schutz der Lebenswelt verhindern.

Die Protestwoche soll mit einem Demonstrationszug vor dem Landwirtschaftsministerium beginnen. "Mit einem Zug der toten Bäume wollen wir dystopisch die Zukunft malen", sagt Tino Pfaff, einer der XR-Sprecher.

Eine weitere Kundgebung ist am Mittwoch vor den Parteizentralen von SPD und CDU angemeldet. Von dort aus wollen die Demonstrant:innen als "blaue Wellen" die Straßen fluten und zum Potsdamer Platz ziehen und dann gemeinsam weiter bis zum Brandenburger Tor.

Die ganze Woche über soll es zudem eine Mahnwache am Invalidenpark unweit des Wirtschaftsministeriums geben. Auch Aktionen zivilen Ungehorsams sind geplant, welche, ließ Pfaff jedoch offen.

"Den täglichen Ablauf entschleunigen"

Im vergangenen Jahr war die Bewegung in Deutschland erstmals aktiv geworden. Typisch für Extinction Rebellion sind unter anderem Blockaden von Verkehrsknotenpunkten und kritisch bewerteten Infrastrukturen. Wegen der Corona-Pandemie entschieden sich die XR-Aktivist:innen bei den Protesten im Juni dieses Jahres für mehrere dezentrale Aktionen

Für die kommende Woche sollen beide Aktionsformen kombiniert werden. "Wir wollen den täglichen Ablauf entschleunigen, dort wo der Fatalismus zu Hause ist", sagt Pfaff.

Für die geplanten Aktionen sei auch ein Hygienekonzept entwickelt worden. Wegen der Pandemie habe man auf öffentliche Mobilisierungen verzichtet, sondern vor allem innerhalb der rund 140 XR-Ortsgruppen in Deutschland zur Teilnahme an den Protesten aufgerufen.

Ohnehin hängen für die XR-Aktivist:innen die Corona-Pandemie und die Klimaerwärmung zusammen. "Corona, Klimakrise, ökologische Krise – das ist alles auf eine Ursache zurückzuführen: auf unseren Umgang mit der Natur", sagt Pfaff.

Das könne man derzeit auch im Dannenröder Forst beobachten. Dort sollen 27 Hektar eines 300 Jahre alten Laub- und Mischwaldgebiets für den umstrittenen Bau eines neuen Autobahnabschnitts gerodet werden.

"Das ist ein Bauvorhaben aus den Achtzigerjahren, das durch ein Trinkwasserschutzgebiet führen soll", sagt Pfaff – und das, nachdem Deutschland einen dritten Hitzesommer in Folge erlebt habe und Ortschaften zum Teil nur noch mit Wasser aus Lkw-Tanks versorgt werden konnten. "Wer kommende Woche nicht nach Berlin kommt, geht in den Danni", sagt Pfaff.

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