Ein See, von dem 40 Millionen Menschen abhängen

In Uganda versuchen Aktivistinnen von Fridays for Future mit Sammelaktionen gegen die Plastikvermüllung des Victoriasees zu kämpfen. Von Politik und Unternehmen fordern sie nachhaltige Lösungen für die Klima- und Umweltkrise.


Müllsammel-Aktion am Victoriasee
Müllsammelaktion am Victoriasee, der auf Luganda Nalubaale heißt. (Foto: privat)

Mein Zuhause ist einer der Anrainer des größten Sees Afrikas und des zweitgrößten Frischwassersees der Welt, des Victoriasees.

Dieser Name wurde ihm von einem Europäer gegeben, der meinte, ihn entdeckt zu haben. Die hier lebenden Menschen nennen ihn aber anders: Nalubaale, Nam Lolwe oder Ukerewe.

Er ist umgeben von drei ostafrikanischen Ländern: Uganda, Tansania und Kenia. Der Nalubaale ist außerdem die Quelle des längsten Flusses der Welt: des Nils, der Millionen von Menschen ernährt.

Mit seinen über 100 Inseln ist das Ökosystem des Sees das Zuhause von zahlreichen Tier- und Pflanzenarten.

Dieses Jahr haben wir einen Anstieg des Wasserspiegels des Sees um mehr als 13 Meter erlebt, verursacht durch die ständigen Regenfälle, die es bei uns seit Oktober 2019 gibt.

Die Klimakrise und weitere von Menschen verursachte Probleme wie Vermüllung, Überfischung, Sandgewinnung, Plastikverschmutzung, Entsorgung von Industriemüll, menschliches Eingreifen an See- und Flussufern und in Sumpfgebieten führten zur Verschlechterung der Wasserqualität des Nalubaale und zur allmählichen Verfärbung des Wassers von blau zu grün.

Angesichts dieser Probleme haben wir uns dazu entschlossen, für den Erhalt des Sees zu kämpfen. Auf dem Spiel steht viel: 40 Millionen Menschen hängen von ihm ab.

Das Problem heißt Plastik

In Uganda werden viele Umweltgesetze nicht angewendet oder durchgesetzt. So ist einer der Hauptgründe für Umweltverschmutzung in Uganda die unkontrollierte Nutzung und Entsorgung von Plastik.

Um die 600 Tonnen Plastikmüll fallen in Uganda jeden Tag an. Recycelt wird in Uganda weniger als fünf Prozent des Plastiks.

Ist das Plastik einmal in die Natur gelangt, kann es an die 500 Jahre dauern, bis es komplett zersetzt ist. Es landet in Seen, Feuchtgebieten, Gärten und Abwassersystemen und ist dort eine Gefahr für das Wasser und das Leben darin. Letztendlich beeinträchtigt die Vermüllung auch die Qualität der Böden und damit die Landwirtschaft.

Uganda ist auch ein Land für Investoren, um hier Plastik zu produzieren, ohne irgendwelche Vorschriften beachten zu müssen. Ein weiteres Problem: Menschen verbrennen Plastik, was giftige Chemikalien freisetzt und Atemwegsprobleme verursacht.

Eine Studie zeigt, dass 14 Prozent der Kinder zwischen acht und 14 Jahren, die in Ugandas Hauptstadt Kampala leben, bronchiales Asthma haben. Neben den Abgasen aus Verkehr und Industrie ist auch der falsche Umgang mit dem Plastikmüll eine Ursache für Luftverschmutzung.

Dieser Kampf gegen Plastik ist nun unserer, und wir müssen ihn austragen. Wir müssen unseren Verstand benutzen, als Regierung, als Unternehmen, als Einzelne, und die nachhaltigen Lösungen, die es gibt, anpacken. Das ist der einzige Weg, wie wir die Plastikverschmutzung beenden können.

Selber machen und Bildungsarbeit leisten

Um die Situation in den Griff zu bekommen, haben wir zunächst begonnen, uns selbst zu organisieren. Ich leite ein Team bei der Müllsammel-Aktion am Ufer des Nalubaale. Ich habe die Aktion initiiert, um unsere Wasserressourcen zu erhalten und die Plastikverschmutzung zu beenden.

Es begann als Kampagne für sauberes Wasser, aber schnell stellte sich heraus, dass wir noch mehr tun wollen. Wir begannen mit Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, um mehr Problembewusstsein zu schaffen. Bei lokalen und See-nahen Gemeinschaften bieten wir Weiterbildungen über die Auswirkungen der Klimakrise oder der Plastikvermüllung an.

Porträtaufnahme von Hilda Flavia Nakabuye.
Foto: privat

Hilda Flavia Nakabuye

ist Aktivistin für Klima­gerechtigkeit und eine der Gründer:innen von Fridays for Future Uganda. Die Studentin setzt sich für die Erhaltung des bedrohten Bugoma-Waldes ein und organisiert Plastikmüll-Sammel­aktionen am Nalubaale (Victoriasee).

Wir versuchen sie für die Notwendigkeit zu sensibilisieren, die Wasserressourcen zu schützen. Manche dieser Veranstaltungen finden zusammen mit einer Müllsammelaktion am See statt. Zu dem Müll, den wir aus dem Wasser holen, gehört Plastikmüll, Biomüll und Glasmüll. Wir entsorgen ihn dann in die richtigen Kanäle.

Wir hoffen, unsere Müllsammelaktionen am Seeufer zu einem Projekt erweitern zu können, das Trainings für die örtliche Bevölkerung und für Graswurzelgruppen anbietet. Unser Ziel sind Lösungen, die sowohl ökonomisch als auch ökologisch funktionieren.

Ein Beispiel ist die Herstellung umweltfreundlicher Energie-Briketts aus dem gesammelten Biomüll, ein anderes ist Plastik-Recycling, um Dinge wie Plastikziegel oder Wassertanks herzustellen.

Plastikmüll und Klimakrise gehören zusammen

Plastik besteht zu 99 Prozent aus fossilen Rohstoffen. Die steigende Produktion und der hohe Konsum sind auch Treiber der Klimakrise und können verhindern, dass wir die nötige Begrenzung der globalen Erhitzung bei 1,5 Grad schaffen.

Die negativen Effekte der Plastikvermüllung und der Klimakrise verstärken sich gegenseitig, setzen unsere Ökosysteme unter Druck und bedrohen unsere Wasserqualität.

Unsere Forderung an Politik und Wirtschaft ist, dass jene, die jetzt Führungspositionen innehaben, ihrer Verantwortung gerecht werden. Sie müssen selbstlose und nachhaltige Lösungen umsetzen und für Klimagerechtigkeit einstehen.

Dazu gehören konkrete Schritte, beispielsweise in der Plastikproduktion oder bei der Umweltgesetzgebung, die zu einer nachhaltigen Veränderung der Wirtschaft führen.

Der Beitrag und seine Übersetzung entstanden im Rahmen eines Bildungsprojekts des Institute of environmental justice e.V., das Aktivistinnen für Klimagerechtigkeit aus den Ländern des globalen Südens zu Wort kommen lässt.

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