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Baerbock bittet um Abbruch des Hungerstreiks

Nach zehntägiger Dauer sind die Aktivist:innen des "Hungerstreiks der letzten Generation" mit ihren Forderungen kaum vorangekommen. Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock hat die Gruppe inzwischen gebeten, zumindest den Hungerstreik abzubrechen.


Aktivisten des "Hungerstreiks der letzten Generation" auf dem Weg zum nächsten Protest. (Foto: Hungerstreik 2021)

Am heutigen Mittwoch befinden sich die sieben Aktivist:innen, die in Berlin Sofortmaßnahmen gegen die Klimakrise fordern, den zehnten Tag im Hungerstreik. Am Nachmittag wollen sie erneut vor die Medien treten und über ihr Anliegen berichten – und auch darüber, ob es inzwischen Reaktionen aus der Politik gibt.

Ziel der Aktion ist nach wie vor ein öffentliches Gespräch mit den Kanzlerkandidat:innen über Sofortmaßnahmen gegen den Klimawandel nach der Wahl und die Einrichtung eines Bürger:innenrates, der verbindliche Beschlüsse fassen kann.

Von den drei Kanzlerkandidat:innen gibt es nach bisherigem Kenntnisstand keine Zusage zu einem solchen Gespräch. Anfragen von Klimareporter° an die Parteizentralen von CDU, SPD und Grünen, ob zumindest Kontakt zu den Hungerstreikenden aufgenommen wurde, wurden von CDU und SPD bis dato nicht beantwortet.

Grünen-Sprecherin Nicola Kabel teilte hingegen mit, am gestrigen Dienstag habe ein Telefongespräch zwischen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und den Aktivist:innen stattgefunden. Zum Inhalt des Gesprächs sagte Kabel, Baerbock teile das Ziel, möglichst schnell klimaneutral zu werden, und wolle sich dafür in der kommenden Bundesregierung mit aller Kraft einsetzen.

Baerbock habe in dem Telefonat aber auch deutlich gemacht, dass es nicht sein dürfe, dass Menschen sich durch einen Hungerstreik in große Gefahr brächten und ihr eigenes Leben riskierten. Baerbock habe an die Hungerstreikenden appelliert, wieder zu essen und zu trinken.

Gespräche mit weiteren Politiker:innen 

Das Telefonat mit Baerbock wurde von den Presseverantwortlichen der Aktion bestätigt. Die Grünen-Politikerin habe etwa eine Viertelstunde mit mehreren aus der Gruppe gesprochen. Auf Baerbocks Bitte, wieder zu essen, hätten die Hungerstreikenden jedoch klargemacht, dass sie das nur tun wollten, wenn auf ihre Forderungen eingegangen werde.

Auf die Frage, ob Baerbock bereit wäre, das geforderte zweistündige Gespräch mit den Aktivist:innen zu führen, habe es leider keine Zusage gegeben.

Nach Ansicht der Aktivist:innen kann das kurze Telefonat ein öffentliches Gespräch nicht ersetzen. Deswegen werde der Hungerstreik weitergehen.

Außer mit Baerbock habe es am Dienstag viele Gespräche mit weiteren Politiker:innen gegeben, wurde weiter mitgeteilt. Am Vormittag seien mehrere Vertreter:innen der Linkspartei vorbeigekommen, unter anderem die Bundestagsabgeordnete Petra Pau.

Die Aktivist:innen hatten schon zu Beginn ihres "Hungerstreiks der letzten Generation" eine Liste mit Forderungen an die Büros der drei Kanzlerkandidat:innen gesandt. Sie und ihr Unterstützungskreis gehen inzwischen davon aus, dass zumindest ein weiterer Kanzlerkandidat über die Hungerstreik-Aktion Bescheid weiß.

Grund dafür ist eine Äußerung von Britta Hirschberger, Mitbegründerin und Wahlkandidatin der Klimaliste Braunschweig. Am vergangenen Wochenende twitterte Hirschberger, sie habe mit Olaf Scholz auf dessen Wahlkampftour gesprochen. Scholz kenne die Aktion und habe über die jungen Menschen gesagt: "Ich finde, das sollten sie nicht tun."

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