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Indonesien bekommt Hilfe beim Kohleausstieg

Wie bringt man ein Land dazu, relativ neue Kohlekraftwerke stillzulegen, ohne die Betreiber in den Konkurs zu treiben? Das war die Frage in Indonesien. Nun wurde eine Lösung präsentiert: Reiche Industriestaaten nutzen ihre Bonität, um private Mittel zu mobilisieren, die Meiler aufzukaufen und vorzeitig zu schließen.


Offener Veranstaltungspavillon in modernem Stil nach einem kreisförmig geschwungenem Grundmuster mit einigen indonesischen Elementen, es gibt einen Lesebildschirm und einen Veranstaltungsraum. Oben steht in grüner Leuchtschrift auf Englisch: Gemeinsam meh
"Gemeinsam mehr für das Klima tun" – dafür wirbt der indonesische Pavillon in Sharm el-Sheikh. (Foto: Jörg Staude)

Am Rande des G20-Gipfels auf der indonesischen Insel Bali ist ein Programm angekündigt worden, um den Kohleausstieg in Indonesien zu beschleunigen. Die USA und Japan haben dazu mit Indonesien eine Partnerschaft ausgehandelt, für die einige Industriestaaten, darunter Deutschland, 20 Milliarden US-Dollar mobilisieren wollen.

Dies sei "wahrscheinlich die größte Transaktion im Bereich der Klimafinanzierung, die es je gegeben hat", sagte ein Sprecher des US-Finanzministeriums. Das Geld wird je zur Hälfte von Staaten und der Asiatischen Entwicklungsbank ADB einerseits und privaten Investoren, meist Banken, andererseits zur Verfügung gestellt.

Dank dieser Investition können bis zum Jahr 2060 insgesamt zwei Milliarden Tonnen CO2-Emissionen verhindert werden. Die Emissionen des indonesischen Stromsektors sollen bereits 2030 statt 2037 ihren Höhepunkt erreichen und schon 2050 auf null fallen, nicht erst 2060.

Auf der UN-Klimakonferenz COP 27 im ägyptischen Sharm el-Sheikh lobte der US-Sondergesandte John Kerry die neue Partnerschaft. Diese könne "Indonesiens Energiesektor wirklich von Kohle auf erneuerbare Energien umstellen und das Wirtschaftswachstum fördern".

Die Herausforderung beim Kohleausstieg Indonesiens ist unter anderem, dass die Kohlekraftwerke des Landes oft noch relativ neu sind und die Betreiber noch nicht genug Zeit hatten, um ihre Investitionen zu amortisieren. Um die Kraftwerke dennoch abschalten zu können, wurde ein Finanzinstrument namens "Energiewendemechanismus" (Energy Transition Mechanism, ETM) entwickelt.

In einem ETM wird öffentliches Kapital und privates Kapital gepoolt. Der ETM kauft dann die Kohlekraftwerke ihren jetzigen Besitzern ab und legt sie nach einer bestimmten Anzahl von Jahren still. Gleichzeitig baut der einstige Betreiber mit den Einnahmen aus dem Verkauf des Kohlemeilers die erneuerbaren Energien aus.

Damit der ETM trotz der vorzeitigen Stilllegung noch eine Rendite erzielt, muss in der verbleibenden Betriebszeit die Marge zwischen Kosten und Einnahmen aus dem Stromverkauf höher sein als zuvor. Das soll erreicht werden, indem der ETM deutlich geringere Finanzierungskosten hat als der ursprüngliche Betreiber.

Damit die ETM-Teilhaber diese geringere Rendite akzeptieren, muss allerdings auch das Risiko entsprechend niedriger sein. Hier kommen die öffentlichen Geldgeber ins Spiel. Sie akzeptieren, dass sie im Fall eines Verlusts als Erste ihr Geld verlieren. Damit haben alle anderen ETM-Teilhaber ein geringeres Risiko.

Kohleexporte und Landnutzungsänderungen bleiben außen vor

Die Partnerländer Indonesiens wollen nicht sagen, wie viel Geld die verschiedenen Länder bei der jetzt gefundenen Lösung beisteuern. Aufgrund einer ähnlichen Partnerschaft zwischen Ländern wie den USA oder Deutschland und Südafrika und der Funktionsweise von ETMs lässt sich aber relativ genau sagen, wie die Finanzierung aussieht.

In Südafrika besteht der größte Teil des 8,5-Milliarden-Dollar-Programms aus Darlehen. Nur 230 Millionen oder 2,7 Prozent müssen nicht zurückgezahlt werden. Deutschland beteiligt sich an Südafrikas Programm mit einer Milliarde Dollar oder knapp zwölf Prozent.

Beim Programm Indonesiens erreicht der deutsche Anteil wohl eine ähnliche Größenordnung und dürfte bei rund 1,2 Milliarden liegen – zum größten Teil in Form von Krediten.

Wenn alles gut geht, bekommt Deutschland in einigen Jahren also sein Geld zurück und hat in der Zwischenzeit den Kohleausstieg Indonesiens ermöglicht. Jennifer Morgan, Staatssekretärin im Außenministerium, sagte: "Wir unterstützen Indonesien dabei, das Energiesystem zu transformieren, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu beschleunigen und einen Weg in eine grünere und nachhaltigere Zukunft einzuschlagen."

Trotz des Deals wird sich Indonesien aber nicht über Nacht in ein grünes Musterland verwandeln. Mehr als die Hälfte aller Emissionen des Landes stammt aus der Rodung von Wäldern und der Trockenlegung von Feuchtgebieten.

COP 27 in Sharm el-Sheikh

Bei der 27. UN-Klimakonferenz in Sharm el-Sheikh geht es um die Zukunft des globalen Klimaschutzes. Ein Team von Klimareporter° ist vor Ort in Ägypten und berichtet mehrmals täglich.

Diese Emissionen bleiben durch das Programm unangetastet. Indonesien ist zudem mit einigem Abstand auch der größte Exporteur von Kohle weltweit. Letztes Jahr hat das Land 434 Millionen Tonnen des Klimakillers ausgeführt, mehr als doppelt so viel wie der zweitgrößte Exporteur, Australien.

Auch diese Exporte bleiben durch das neue Ausstiegs-Programm unangetastet. Dennoch gelten Partnerschaften wie mit Indonesien oder Südafrika als vielversprechend.

Derzeit handeln verschiedene Industriestaaten mit Vietnam, Indien und Senegal ähnliche Programme aus. Der Deal mit Vietnam steht offensichtlich kurz vor dem Abschluss. Laut der deutschen Delegation auf der COP 27 dürften die Verhandlungen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

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