Wie beschleunigt man Asiens Kohleausstieg?

Wie bringt man Stromkonzerne dazu, relativ neue Kohlekraftwerke stillzulegen? Man kauft sie ihnen ab und tut es selbst. Mit einem kreativen Finanzmechanismus soll sich das auch für private Investoren rechnen. In Südostasien wird es nun getestet.


Blick von oben auf den Kratersee des Vulkans Kelimutu im gleichnamigen Nationalpark in Indonesien
Indonesien hat ein großes Potenzial für Geothermie, zum Beispiel durch aktive Vulkane. (Foto: Paul Arps/​Flickr)

Letztes Jahr ist die Zahl der geplanten Kohlekraftwerke in vielen Ländern Asiens kollabiert, wie eine Studie des Forschungsnetzwerks Global Energy Monitor zeigte. Trotzdem dürfte Kohle noch lange die Stromerzeugung dominieren, denn die Länder Asiens haben einen großen und relativ jungen Kraftwerkspark.

Mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens lässt sich das allerdings nicht vereinbaren. Laut dem Weltklimarat IPCC muss der Anteil von Kohlestrom von heute 38 Prozent weltweit in nur zehn Jahren auf weniger als ein Viertel sinken.

Das lässt sich nur erreichen, wenn in Asien relativ neue Kraftwerke stillgelegt werden. Und genau das ist das Ziel von Finanzmarktakteuren rund um die Asiatische Entwicklungsbank ADB.

"Wenn wir ein Kohlekraftwerk kaufen, das noch 50 Jahre laufen kann, und es innerhalb von 15 Jahren abschalten, können wir bis zu 35 Jahre CO2-Emissionen einsparen", erklärte ADB-Vizepräsident Ahmed Saeed.

Um das in großem Stil zu machen, ist allerdings sehr viel Geld erforderlich. Um die Hälfte aller Kohleblöcke stillzulegen, würden für Indonesien 16 bis 29 Milliarden US-Dollar, für Vietnam neun bis 17 Milliarden und für die Philippinen fünf bis neun Milliarden benötigt.

Das kann auch die ADB nicht stemmen. "Um dies für mehr als ein oder zwei Anlagen zu ermöglichen, müssen private Investoren gewonnen werden", sagte Michael Paulus von der US-Bank Citi. Doch diese wollten eine Rendite sehen und nicht nur sinkende Emissionen, so Paulus.

"Es gibt einige, die interessiert sind, aber sie werden es nicht umsonst machen. Sie brauchen vielleicht keine normale Rendite von zehn bis zwölf Prozent, sie können es auch für weniger tun. Aber ein oder zwei Prozent werden sie nicht akzeptieren. Wir versuchen, einen Weg zu finden, damit das funktioniert."

Öffentlich-private Kooperation

Einen solchen Weg hat Donald Kanak, Asienchef der britischen Versicherung Prudential, entwickelt: einen "Energiewendemechanismus" (Energy Transition Mechanism, ETM).

In einem ETM wird öffentliches Kapital etwa von der ADB und privates Kapital gepoolt. Der ETM kauft dann die Kohlekraftwerke ihren jetzigen Besitzern ab und legt sie nach einer bestimmten Anzahl von Jahren still. Gleichzeitig baut der ursprüngliche Betreiber mit den Einnahmen aus dem Verkauf des Kohlemeilers die erneuerbaren Energien aus.

Damit der ETM trotz der vorzeitigen Stilllegung noch eine Rendite erzielt, muss in der verbleibenden Betriebszeit die Marge zwischen Kosten und Einnahmen aus dem Stromverkauf höher sein als zuvor.

Das soll erreicht werden, indem der ETM deutlich geringere Finanzierungskosten hat als der ursprüngliche Betreiber. Damit die ETM-Teilhaber diese geringere Rendite akzeptieren, muss allerdings auch das Risiko entsprechend niedriger sein.

Und hier kommt der öffentliche Geldgeber ins Spiel: Er akzeptiert, dass er im Fall eines Verlusts als Erster sein Geld verliert. Damit haben alle anderen ETM-Teilhaber ein geringeres Risiko.

"Moralisches Risiko"

Der Mechanismus soll bereits nächstes Jahr in Indonesien, Vietnam oder den Philippinen getestet werden. "Wir würden gerne im Jahr 2022 das erste Kohlekraftwerk kaufen", sagte Saeed. Anschließend könne der Ansatz dann auf andere Länder in Asien oder auch auf andere Weltregionen ausgeweitet werden.

Wie beim deutschen Kohleausstieg wird eine Schwierigkeit darin liegen, zu verhindern, dass man mit den ETM-Vereinbarungen die Laufzeit der Kraftwerke nicht unabsichtlich verlängert. Das könnte passieren, wenn ein Betreiber ein eigentlich unrentables Kraftwerk weiterlaufen lässt in der Hoffnung, es dann an den ETM verkaufen zu können.

Vor einem solchen "moralischen Risiko" warnt Nick Robins, Professor für nachhaltiges Finanzwesen an der London School of Economics: "Wir müssen absolut sicher sein, dass wir nicht die Verursacher von Emissionen finanzieren, sondern den beschleunigten Wandel."

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