Anzeige
naturstrom.de – weil es beim Klimawandel um alles geht

Bleibt Katowice ambitionslos?

Nach einer Woche Klimagipfel-Verhandlungen ist wenig zu spüren von der Dringlichkeit, die der IPCC-Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel verlangt. Einer Initiative der Marshallinseln für höhere Klimaziele wollen weder die EU noch China folgen. Dafür machen die "Buchhaltungsregeln" für den Paris-Vertrag Fortschritte. 


Straße nach Katowice in der Nacht
Die Straße nach Katowice sieht aus wie alle Straßen. (Foto: Marcin Wesołowski/​Pixabay)

"Die Menschen schauen nach Katowice, um zu sehen, wie ihre Führer auf den Bericht des Weltklimarats zum 1,5 Grad-Ziel reagieren", sagte Alden Meyer von der kritischen Wissenschaftsorganisation Union of Concerned Scientists am Rande der UN-Klimakonferenz im polnischen Katowice. Dort steht allerdings ein ganz anderes Thema im Vordergrund: die "Bedienungsanleitung" für das Pariser Klimaabkommen.

Der IPCC-Sonderbericht kam zwar in nahezu allen Politikerreden am Montag vor, steht aber nicht auf der Agenda der Verhandler in den kommenden zwei Wochen. Wer von Katowice daher eine Antwort der Weltgemeinschaft auf den Bericht erwartet, droht enttäuscht zu werden. Meyer warnt: "Das würde eine schreckliche Botschaft aussenden."

Eigentlich gäbe es eine Gelegenheit, dem Bericht gerecht zu werden: den "Talanoa-Dialog". Im Rahmen dieses Prozesses versuchen die Länder drei Fragen zu beantworten: "Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Wie machen wir das?"

Die Antworten auf diese Fragen sollen nächste Woche die Umweltminister der Welt in einem Abschlussbericht liefern. Gastgeber Polen hat bislang aber kein sonderliches Interesse daran gezeigt, sagt Wendel Trio, der Chef des Climate Action Network Europe. "Für Polen ist der Talanoa-Dialog nicht wichtig und sie werden sich nicht groß engagieren."

Hinzu kommt, dass die Minister wohl auch viel Zeit auf das Regelbuch verwenden müssen. Wenn die Verhandlungen auf Diplomatenebene stocken, dann werden Paare aus zwei Ministern gebildet, mit je einem Vertreter der Industrie- und der Entwicklungsländer. Die sollen dann unter ihren Kollegen einen möglichen Kompromiss sondieren.

Da bleibt keine Zeit, um über mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz zu reden. Meyer sagt: "Wir werden keinen Konsens zu mehr Klimaschutz bekommen."

Initiative für mehr Ehrgeiz schafft keinen Aufbruch

Meyer und Vertreter anderer Nichtregierungsorganisationen hoffen daher, dass sich zumindest einige Länder mehr Klimaschutz versprechen. Als Kristallisationspunkt soll hier eine Initiative der Marshallinseln dienen. Der Pazifikstaat hat ein Treffen von Umweltministern im Juni dieses Jahres in Brüssel genutzt, um 22 weitere Länder hinter einer Deklaration zu vereinen.

Dazu gehören vor allem die "üblichen Verdächtigen": fünf lateinamerikanische Länder, Kanada, Neuseeland, zehn europäische Staaten inklusive Deutschland, vier Inselstaaten sowie Äthiopien und Ruanda. Nicht dabei waren allerdings zwei der Gastgeber des Ministertreffens: die EU und China.

Dabei sind die Anforderungen an die Unterzeichner der Deklaration bescheiden. Der konkreteste Satz lautet: "Wir verpflichten uns, die Möglichkeiten zu erkunden, um unseren Ehrgeiz (beim Klimaschutz) zu steigern."

Das Resultat dieser Erkundung soll dann im September nächsten Jahres präsentiert werden. Dann veranstaltet UN-Chef António Guterres ein Treffen von Staats- und Regierungschefs in New York.

Beobachter gehen allerdings nicht davon aus, dass dort viele Länder ehrgeizigere Klimapläne vorlegen werden, denn dazu haben sie offiziell noch mehrere Monate länger Zeit. Das scheint selbst Guterres nicht ganz zufriedenzustellen: "Es ist schwer zu verstehen, warum wir uns gemeinsam so langsam bewegen."

"Radikal gekürzte Textentwürfe" für heute angekündigt

Die Verhandlungen über die "Bedienungsanleitung" machen dafür Fortschritte: Am heutigen Samstag wollen die Ko-Vorsitzenden "radikal gekürzte Textentwürfe mit klaren Optionen" vorlegen, wie es aus EU-Kreisen hieß. Anschließend ist die entscheidende Frage: Sind alle Länder bereit, auf der Basis dieser neuen Texte weiterzuverhandeln?

Wenn nein, dann wird die Konferenz um mindestens zwei Tage zurückgeworfen. Wenn ja, dann dienen die neuen Texte den Ministern als Grundlage der Verhandlungen nächste Woche. Für die Klimadiplomaten wäre die Arbeit damit aber noch nicht getan, wie ein europäischer Diplomat bemerkt: "Die Texte sind zu technisch, als dass die Minister sie alleine verhandeln könnten."

Lesen Sie dazu auch das Interview mit dem Umweltökonomen Reimund Schwarze: "Ein Damoklesschwert schwebt über den Verhandlungen"

Alle Beiträge zur Klimakonferenz COP 24 in Polen finden Sie in unserem Katowice-Dossier

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier