So regenreich wie dieses Frühjahr war es zuletzt 2005. Besonders in Süd- und Westdeutschland dürften sich Leute gefragt haben, wo denn der Sommer und das Badewetter bleiben.

Ganz anders im Nordosten. Da waren bereits März und April überdurchschnittlich trocken, und der Regen bleibt weiterhin aus. Mitte Juni registrierte das Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in dieser Region "außergewöhnliche Dürre".

 

Mittlerweile leidet tatsächlich ein Großteil Deutschlands an Dürre-Verhältnissen. Das mag angesichts des vielerorts nassen Winters und Frühjahrs verwundern, aber Dürren entwickeln sich über längere Zeiträume.

Die letzten fünf Jahre waren zu trocken. Der Unterboden ist ausgetrocknet und braucht Zeit und viel Wasser, um sich zu erholen. Chronische Trockenheit ist ein Problem, das immer häufiger und weltweit um sich greift.

Heute, am 17. Juni, ist Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürren. 1994 wurde dieser Tag von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen.

"Damals hat die Welt bei den Begriffen Wüste und Dürre nur an Afrika gedacht. Aber gerade jetzt in diesem Moment gibt es Dürren in Europa, in den USA, in Südamerika und Asien", erklärte kürzlich Alain-Richard Donwahi, Präsident der 15. UN-Konferenz zur Bekämpfung der Wüstenbildung. "Jedes Land ist direkt oder indirekt von Trockenheit betroffen."

Die Folgen sind selbst in Mitteleuropa längst zu spüren. "Der große Verlierer ist der Wald", sagte Andreas Marx, der den "Dürremonitor" beim UFZ leitet. "Seit 2018 hat es in jedem Jahr Schäden gegeben, und auch in diesem Jahr ist zu erwarten, dass neue Schäden entstehen."

Es kommt auch zu Ernteausfällen und Einschränkungen der Schifffahrt. Mancherorts in Deutschland ist gar mit ernstzunehmender Wasserknappheit zu rechnen. Martin Schirdewan, Vorsitzender der Partei Die Linke, forderte kürzlich, die Bewässerung von Golfanlagen zu verbieten.

Der Wasserverbrauch von Golfanlagen sei so hoch, dass man davon ganz Frankfurt am Main mit Trinkwasser versorgen könne, sagte Schirdewan. "Diese Verschwendung und den exzessiven Konsum der Reichen können wir uns nicht mehr leisten."

Drei Viertel Spaniens von Wüstenbildung bedroht

Dürre, Wassermangel und fortschreitende Wüstenbildung – das ist ein weltweites Phänomen. Sommerdürren sind durch den Klimawandel auf der Nordhalbkugel mindestens 20‑mal wahrscheinlicher geworden.

Selbst Wüstenbildung ist mittlerweile europäische Realität. Die Wüste von Tabernas in Spanien wächst Jahr für Jahr. Mittlerweile sind 75 Prozent Spaniens von Wüstenbildung betroffen.

Jedes Jahr verliert unser Planet 120.000 Quadratkilometer – eine Fläche halb so groß wie Großbritannien – an furchtbarem Land. "Man made deserts" werden die durch menschlichen Einfluss entstandenen Wüsten genannt.

Verantwortlich dafür ist nicht allein der Klimawandel, sondern ein komplexes Geflecht an Ursachen. Übernutzung von Böden durch intensive Landwirtschaft, Abholzung von Wäldern und Überweidung von Grasland tragen ebenso ihren Teil zur Landdegradation bei.

Zur Bekämpfung der Wüstenbildung halten die Vereinten Nationen jährlich eine Konferenz ab, ähnlich den Weltklimakonferenzen. Ihr Ziel ist die Wiederherstellung von zerstörten Ökosystemen und eine nachhaltige Landnutzung.

 

Alain-Richard Donwahi war früher Minister für Wald und Wasser in der Elfenbeinküste und hat viele Projekte in Afrika mitinitiiert. Neben politischen Großprojekten wie Afrikas Grüner Mauer im Sahel, dem Schutz von Ökosystemen und nachhaltigen Anbaumethoden sieht Donwahi den Schlüssel vor allem in der Aufklärung.

"Man kann Projekte nicht vom Schreibtisch aus umsetzen. Man muss mit den Gemeinschaften vor Ort reden und ihnen zuhören", sagt Donwahi. Oft gebe es dort bereits lokale Strategien und Lösungen, an die Außenstehende nie gedacht hätten.

Auch Europa täte gut daran, das weltweite Problem der Landverluste durch Wüsten und Dürren ernster zunehmen. Die jetzige Form der Landwirtschaft hat keine Zukunft und der beste Schutz gegen Wüstenbildung sind intakte Ökosysteme.

Bisher dürfte der 17. Juni als Welttag zur Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre den wenigsten hierzulande ein Begriff sein. Bedauerlich, findet Donwahi, denn: "Dürren und Wüstenbildung kennen keine Grenzen."

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