Menschheit verliert den Boden unter den Füßen

Als hätte die Erde mit Erwärmung und Artenschwund nicht genug Probleme: Auch 40 Prozent der Böden sind geschädigt, vor allem durch die aktuelle landwirtschaftliche Praxis, stellt der neue Global Land Outlook der UN fest. Ein Drittel der Landfläche des Planeten sollte deshalb wieder instandgesetzt werden.


Bodenversalzung in Spanien.
Klimakrise und Bodenverlust hängen zusammen. So kann durch Extremwetter die Versalzung von bewässerten und landwirtschaftlich genutzten Böden zunehmen. (Foto: Antonio Jordán/​Imaggeo)

Die UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung UNCCD, die am heutigen Mittwoch ihren aktuellen Bericht vorlegte, gilt als die kleinste der drei Rio-Konventionen. Die sogenannte Wüstenkonvention wurde – wie die Klimakonvention und die Artenschutzkonvention – 1992 beim Erdgipfel in Rio de Janeiro begründet.

Ähnlich wie bei den beiden anderen UN-Verträgen ist es auch bei der Wüstenkonvention schlecht um den Zustand ihres Gegenstands bestellt.

Der neue Bericht "Global Land Outlook 2" zeigt, dass bereits 70 Prozent der Landflächen der Erde vom Menschen verändert wurden. 40 Prozent sind geschädigt und dadurch nicht mehr so fruchtbar ist wie ursprünglich. Von diesem Problem ist mittlerweile die Hälfte der Menschheit betroffen.

Schuld am schlechten Zustand der Böden ist vor allem die Landwirtschaft. UNCCD-Chef Ibrahim Thiaw sagte: "Wir müssen dringend unsere globalen Lebensmittelsysteme überdenken, die für 80 Prozent der Entwaldung und 70 Prozent des Süßwasserverbrauchs verantwortlich sind und die größte Ursache für den Verlust der biologischen Vielfalt auf dem Land darstellen."

Und diese Belastungen werden bei einem einfachen Fortschreiben der Entwicklung deutlich zunehmen, stellt der Bericht klar. In diesem Fall würden weitere zwölf Prozent der Böden weltweit bis zum Jahr 2050 geschädigt, eine Fläche so groß wie Südamerika.

Warnung vor einem Weiter-so

Außerdem würden bis dahin weitere 253 Milliarden Tonnen CO2 emittiert – durch Kohlenstoffverlust in den Böden, die Rodung von Wäldern und die Trockenlegung von Feuchtgebieten. Das entspricht den heutigen globalen Treibhausgas-Emissionen von fünfeinhalb Jahren.

Der Bericht kommt daher zum Schluss: "Ein Weiter-so ist kein gangbarer Weg für unser weiteres Überleben und unseren Wohlstand."

Der Bericht nennt zwei Alternativen. Bei der ersten werden die Böden auf einer Fläche von 50 Millionen Quadratkilometern gezielt verbessert. Das entspricht gut einem Drittel der Landfläche unseres Planeten und ist das Fünffache der Fläche, die die Länder bislang wieder instandsetzen wollen.

Möglich sei das durch einen Verzicht aufs Pflügen, durch Bäume auf Feldern und Weiden, ein besseres Weidemanagement sowie Maßnahmen gegen Bodenerosion. Dadurch ließe sich die Fruchtbarkeit der Böden in den meisten Entwicklungsländern um fünf bis zehn Prozent verbessern. Zudem würden die Böden und die Bodennutzung zu einer Netto-CO2-Senke.

Trotz einer weiteren Abnahme der Waldfläche könnten dann Böden und Vegetation 62 Milliarden Tonnen CO2 zusätzlich speichern. Wegen der fortgesetzten Ausdehnung von Agrarland und Städten würde die Artenvielfalt allerdings immer noch abnehmen.

Mehr Schutzgebiete heißt intensivere Nahrungsproduktion

Bei der zweiten Alternative zum Weiter-so werden – zusätzlich zu den Maßnahmen der ersten – vier Millionen Quadratkilometer unter Schutz gestellt. Das sollen Gebiete mit besonders hoher Artenvielfalt sein sowie solche, die eine besondere Bedeutung für die Wasserregulierung oder andere Ökosystemdienstleistungen haben.

Eine Ausweitung der Schutzgebiete um Flächen von der halben Größe Brasiliens würde allerdings zulasten der Nahrungsmittelproduktion gehen. Auf dem verbleibenden Agrarland müssten die Erträge dann um neun Prozent gesteigert werden und Nahrungsmittel würden sich verteuern.

Für das Klima wäre es hingegen ein großer Vorteil. Im Vergleich zum Weiter-so würden 304 Milliarden Tonnen CO2 zusätzlich gebunden. Die Artenvielfalt nähme allerdings immer noch ab, wenn auch um ein Drittel weniger als wenn weiter so gewirtschaftet wird wie bisher.

Billig sind die beiden Alternativen allerdings nicht. Schon die Wiederherstellung von zehn Millionen Quadratkilometern koste rund 160 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Eine Kostenschätzung für den Fall, wenn diese Fläche noch fünfmal größer wird, liegt nicht vor.

Trotzdem wäre es gut investiertes Geld: Die Autoren schätzen, dass für jeden investierten Dollar ein Nutzen von sieben bis 30 Dollar erzielt wird. Thiaw sagte denn auch: "Investitionen in die großflächige Wiederherstellung von Land sind eine Win-win-Lösung: ein Gewinn für die Umwelt, für das Klima, für die Wirtschaft und für den Lebensunterhalt der lokalen Gemeinschaften."

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