Afrika bekommt Große Grüne Mauer

Klima- und Naturschutz werden meist wie getrennte Themen behandelt. Dabei wären enorme Synergien möglich, wenn man den einen Bereich zugunsten des anderen hebelt. Das gilt zum Beispiel für die "Große Grüne Mauer", einen 8.000 Kilometer langen Wald.


Ein Mann wässert Baumsetzlinge für ein Aufforstungsprojekt in Nigeria
Für eine "Grüne Mauer" braucht es Unmengen von Setzlingen. (Foto: Kayode Egbeleye/​Flickr)

Beim One Planet Summit am Montag in Paris machte UN-Chef António Guterres mit einem drastischen Bild deutlich, in welchem Tempo der Mensch die Natur ausbeutet.

"Wenn wir die Geschichte der Erde mit einem Kalenderjahr vergleichen, dann haben wir ein Drittel der natürlichen Ressourcen in den letzten 0,2 Sekunden aufgebraucht", sagte Guterres. "Und jetzt schlägt die Natur zurück."

Ziel des Gipfels war es, den Kampf gegen die Klimaerwärmung, gegen das Artensterben und gegen den Vormarsch der Wüsten zusammenzubringen und die Kräfte von Regierungen, der Wirtschaft und der Gesellschaft zu bündeln.

Außerdem sollte Dynamik für die beiden großen Umweltkonferenzen im Herbst dieses Jahres erzeugt werden: die Artenschutzkonferenz in Kunming und die Klimakonferenz in Glasgow.

In Kunming wollen die Staaten neue Ziele für den globalen Artenschutz bis 2030 verabschieden. Dies ist umso dringlicher, weil die "Aichi-Ziele" für das Jahr 2020 weitgehend verfehlt wurden.

Ähnlich wie beim Klima gibt es auch beim Artenschutz eine Länderallianz, die sich für besonders ambitionierte Ziele einsetzt, die "High Ambition Coalition" mit mehr als 50 Mitgliedern. Dieser Koalition ist Deutschland am Montag offiziell beigetreten. Damit bekennt sich die Bundesrepublik zu dem Ziel, weltweit 30 Prozent der Land- und Meeresfläche unter Schutz zu stellen.

Klima-Naturschutz-Allianz ohne Deutschland

Eine weitere Länderallianz will dafür sorgen, dass dafür auch genug Geld zur Verfügung steht. Die Mitglieder versprechen, 30 Prozent ihrer Klimahilfen in Projekte zu investieren, von denen auch der Artenschutz profitiert. Bisher gilt das nur für drei Prozent der Klimagelder. Frankreich und Großbritannien gehören zu dieser Allianz, aber Deutschland nicht.

Ein Beispiel, wie sich die Natur im Kampf gegen den Klimawandel mobilisieren lässt, ist die "Große Grüne Mauer" – eine Wand aus Bäumen in der Sahelzone. Das Gebiet am Südrand der Sahara ist besonders von der Klimaerwärmung betroffen: Bis zum Jahr 2100 wird die Sahelzone um drei bis sechs Grad wärmer. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung von 150 auf 350 Millionen, während viele Länder dort schon heute unter Terror und Bürgerkrieg leiden.

Um den Vormarsch der Sahara zu stoppen und die Lebensmittelversorgung für alle Menschen zu gewährleisten, soll eine grüne Mauer gepflanzt werden: ein 15 Kilometer breiter und 8.000 Kilometer langer Wald von der West- bis zur Ostküste Afrikas.

Die Idee wurde bereits in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt, kam aber nie richtig vom Fleck. Nun haben Regierungen und Entwicklungsbanken 14 Milliarden US-Dollar bis 2025 in Aussicht gestellt, um das Projekt endlich zu verwirklichen.

Die herkömmlichen Geldgeber für solche Projekte reichen aber bei Weitem nicht aus, wenn die Zerstörung der Natur gestoppt werden soll. Nach UN-Schätzungen müssen jährlich 700 Milliarden Dollar zusätzlich investiert werden. Derartige Summen lassen sich nur mobilisieren, wenn auch privates Kapital entsprechend umgelenkt werden kann.

Unternehmen sollen Umweltrisiken offenlegen

Wie stark einzelne Firmen die Umwelt belasten, ist bislang aber unbekannt. Daher soll nun eine Taskforce Richtlinien erarbeiten, wie Firmen die Auswirkungen ihrer Aktivitäten auf die Umwelt offenlegen müssen. Eine ähnliche Taskforce gibt es seit 2015 beim Klima.

Auf den ersten Blick hat dieses Projekt die Anziehungskraft eines Lehrbuchs über Kostenrechnung. Doch man sollte sich nicht täuschen: Die Klima-Taskforce bewegt bereits heute Finanzströme im dreistelligen Milliardenbereich. Investoren ziehen ihre Gelder aus Firmen mit hohen CO2-Emissionen ab und investieren sie in Firmen mit niedrigen Emissionen. Das Gleiche soll nun beim Arten- und Naturschutz gelingen.

Dass Naturschutz kein Selbstzweck ist, verdeutlicht schließlich die Coronapandemie – das Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn der Mensch der Natur zu nahe kommt. Um den Ausbruch weiterer Pandemien zu verhindern, wurde eine Allianz von Forschungsinstituten, Regierungen und UN-Organisationen ins Leben gerufen, die dem "One Health"-Ansatz folgt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte diesen Ansatz so: "Uns Menschen kann es nur auf einem gesunden Planeten mit einer gesunden Tier- und Pflanzenwelt wirklich gut gehen." Oder anders: Arten- und Klimaschutz bewahren uns vor dem nächsten Lockdown.

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