"Ein wirklich gesunder Weg aus der Krise"

Ärzt:innen und Pflegekräfte treten in einem offenen Brief für eine nachhaltige Politik nach der Coronakrise ein.


Protest in Edinburgh
Umweltaktion für saubere Luft: Im schottischen Edinburgh sollen die Grenzwerte für Schadstoffe eingehalten werden. (Foto: Maverick Photo Agency/​Friends of the Earth Scotland/​Flickr)

Das Gesundheitswesen macht den G20-Staaten Druck: Hunderte Gesundheitsverbände und Tausende einzelne Ärzt:innen und Pflegekräfte aus aller Welt fordern in einem offenen Brief an die Staats- und Regierungschefs der Staatengruppe einen "wirklich gesunden Weg aus der Krise". Gemeint ist eine nachhaltige Politik nach Corona.

Insgesamt vertreten die beteiligten Organisationen 40 Millionen Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten. Aus Deutschland haben mehr als ein Dutzend Organisationen unterzeichnet, darunter die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin und die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG).

"In kürzester Zeit wurden wir in einem Ausmaß Zeugen von Tod, Krankheit und seelischer Not, wie es seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen ist", heißt es in dem Brief. "Diese Auswirkungen hätten teilweise gemildert oder gar verhindert werden können, nämlich durch angemessene Investitionen in die Pandemievorsorge, in öffentliche Gesundheit und Umweltschutz."

Der Hauptkritikpunkt: Fossile Industrien verschmutzen die Luft, und zwar mit schweren Folgen. "Schon vor Covid-19 hat die Luftverschmutzung unsere Gesundheit geschädigt – vor allem durch den Verkehr, ineffiziente Energienutzung im Haushalt, Kohlekraftwerke, die Verbrennung von Müll und die Art unserer Landwirtschaft", heißt es in dem Brief weiter. Das mache Lungenentzündungen wahrscheinlicher und schwerer, begünstige chronische Lungenkrankheiten, Herzkrankheiten und Schlaganfälle, aber auch niedrige Geburtsgewichte und sogar Fehlgeburten.

Das Resümee: "Ein wirklich gesunder Weg aus der Krise wird es nicht zulassen, dass unsere Atemluft und unser Trinkwasser weiter verschmutzt werden." Und weiter: "Er wird es auch nicht erlauben, dass ein ungebremster Klimawandel und eine ungebremste Entwaldung neue Gesundheitsbedrohungen für gefährdete Bevölkerungsgruppen nach sich ziehen."

G20-Staaten verursachen 80 Prozent der Treibhausgase

Warum sprechen die Ärzt:innen und Pflegekräfte ausgerechnet die G20 an? Die 19 Industrie- und Schwellenländer sowie die EU als zwanzigste im Bunde sind reich, mächtig – und sie verschmutzen die Umwelt im großen Stil.

Beispiel Klimawandel: Etwa vier Fünftel der globalen Treibhausgasemissionen gehen auf die Kappe der G20. Eine Abwärtsbewegung war vor dem Zusammenbruch der Wirtschaft durch die Coronakrise nicht abzusehen. Dabei müsste der Ausstoß von Klimagasen dringend nachlassen.

Die Welt steuert derzeit auf etwa drei bis vier Grad Erhitzung gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu. Und selbst das gilt nur für den Fall, dass alle Staaten ihre Klimaschutz-Versprechen vollständig einlösen.

Das Problem: Jenseits einer Erderhitzung von 1,5 Grad drohen einige Elemente des Erdsystems, die unser Klima bisher stabil halten, zu kippen. Ein Beispiel ist der Permafrostboden, der Unmengen von Methan enthält. Taut er auf, entweicht das Gas, das eine noch viel höhere Treibhauswirkung hat als Kohlendioxid. Das heißt: Werden die Kippelemente aktiviert, verstärkt sich die Klimakrise noch einmal selbst. Es wäre eine Katastrophe.

Berechnungen des UN-Umweltprogramms zufolge müssen die globalen Treibhausgasemissionen von heute an jährlich um 7,6 Prozent sinken, um die Welt auf den richtigen Pfad zum 1,5-Grad-Limit zu bringen.

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