Weihnachtspalme im Wohnzimmer

Der Dürresommer hat Flüsse austrocknen lassen, Öl und Benzin verteuert – dem Weihnachtsbaum aber nichts anhaben können. Dazu ist er zu gut in der Erde verwurzelt. Dennoch sollte man nicht zum erstbesten Baum greifen.


Ein Schlag mittelhoher Nordmanntannen, jede mit einem Plastikstreifen-Anhänger.
Nordmanntanne selbst schlagen: Auch das geht in dieser Weihnachtsbaumplantage in Baden-Württemberg. (Foto: 4028mdk09/​Wikimedia Commons)

Weihnachten kommt immer so überraschend. Jedes Jahr wieder. Deswegen ist es gut, sich schon frühzeitig, also jetzt, Gedanken über den richtigen Christbaum zu machen. Sonst passiert es diesmal wieder, wie sonst auch, dass man am 23. Dezember vor irgendeinem Supermarkt die vorletzte, leicht krumm gewachsene Nordmanntanne erwischt, die schon beim hektischen Aufbauen tags darauf zu nadeln anfängt ...

Experten beruhigen uns. Trotz des rekordtrockenen Jahres wird es auch in diesem Advent ausreichend Weihnachtsbäume geben. Immerhin 24 bis 25 Millionen von ihnen werden hierzulande gebraucht – nicht auszudenken, welche Folgen ein großflächiges Absterben in den Weihnachtsbaum-Plantagen für die Versorgung mit dem traditionellen Stimmungsträger in den Familien gehabt hätte. Die Bäume, die man heute kauft, sind acht bis 13 Jahre alt und hatten daher bereits tief reichende Pfahlwurzeln gebildet. Das half ihnen, den Regenmangel zu überstehen.

So weit, so gut. Trotzdem sollte man, wenn man schon mal frühzeitig ans Baumkaufen herangeht, nicht nur nach geradem Wuchs und dichter Benadelung schauen. Sondern auch danach, ob die Bäume aus umweltschonendem "Anbau" stammen.

Was die meisten Käufer nicht ahnen: In den meisten Weihnachtsbaum-Plantagen werden Kunstdünger und Pestizide eingesetzt, um hohen Ertrag zu erzielen. Das schadet Böden, Gewässern und Ökosystemen und kann laut Umweltbundesamt (UBA) sogar die Gesundheit beeinträchtigen, wenn die pestizidbelasteten Bäume dann im Wohnzimmer stehen.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Die eine Lösung: den Baum selber direkt aus dem Wald in der Region holen. Viele Waldbesitzer, Förster oder auch Umweltgruppen bieten die Möglichkeit, dort unter Anleitung seinen eigenen Baum zu schlagen. Oder: beim Kauf auf Öko-Siegel achten, die an den Bäumen aus umweltgerechtem Anbau hängen. Das UBA empfiehlt Bio-, Bioland-, Naturland-, Demeter- oder FSC-Siegel.

Und natürlich: Klimaschutz betreiben. Denn wenn Trockenjahre wie dieses häufiger werden, was uns ja droht, wird der Christbaum-Nachwuchs irgendwann doch knapp – weil die Setzlinge absterben, die noch keine tiefen Wurzeln haben. Und Weihnachten unter Palmen, das ist ja doch nicht das Richtige.

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