Tödlicher Umweltschutz

In den letzten 15 Jahren hat sich die Zahl der Morde an Umweltschützern verdoppelt, so eine Studie. Korruption und schwache Umweltgesetze sind die größten Risikofaktoren.


Eine von vielen Straßen zerschnittene Landschaft auf den Philippinen.
Straßenbau auf der philippinischen Insel Negros. Auf Negros wurden 2018 weltweit die meisten Umweltaktivisten ermordet. (Foto: Marco Verch/​Flickr, CC BY 2.0)

Für den Umwelt- und Klimaschutz scheint es derzeit ziemlich gut zu laufen. Greta Thunbergs Schulstreik hat sich zu einer globalen Bewegung entwickelt. Auf allen Kontinenten beteiligen sich Kinder und Jugendliche und fordern wirksame Maßnahmen gegen die Erderhitzung. Das Thema bekommt mehr Aufmerksamkeit als je zuvor.

Als Reaktion auf den Druck der Proteste hat die Bundesregierung im März ein Klimakabinett eingesetzt, selbst die Einführung eines CO2-Preises wird diskutiert.

Fast täglich machen Politiker aller Couleur nun Vorschläge, was man tun könnte und sollte. Volksbegehren pro Fahrrad oder pro Bienen sammeln in kurzer Zeit mehr Unterschriften als erwartet.

Doch all das ist nur die eine Seite. Es gibt noch eine andere Seite. Und hier zeigt sich ein ganz und gar dunkles Bild. Immer mehr Umweltaktivisten werden ermordet, einfach nur deshalb, weil sie die Umwelt schützen wollen.

In den letzten 15 Jahren hat sich die Zahl der Morde an Umweltschützern verdoppelt, zeigt eine Studie, die gerade im Fachmagazin Nature Sustainability erschienen ist.

Auch die Zahl der Länder, in denen es zu Morden kommt, hat zugenommen, sagt die Leitautorin der Studie, die Biologin Nathalie Butt von der University of Queensland in Australien.

Global Witness

Die Menschenrechtsorganisation Global Witness legt jedes Jahr einen Report vor, in dem sie Morde an Umweltaktivisten weltweit dokumentiert. Die australische Studie von Butt et al. stützt sich teilweise auf diese Daten. Gerade ist der Bericht für 2018 erschienen. Das gefährlichste Land waren demnach letztes Jahr die Philippinen, gefolgt von Kolumbien, Indien, Brasilien und Guatemala.

Von insgesamt 1.558 Morden in 50 Ländern sprechen die Forscher. In dem untersuchten Zeitraum von 2002 bis 2017 stieg die Zahl von zwei auf vier Morde pro Woche. Allerdings handelt es sich lediglich um Morde, die angezeigt wurden.

Nur in zehn Prozent der Fälle kam es zu einer Verurteilung. Auch diese Zahl ist schockierend, denn sonst liegt die Verurteilungsquote bei angezeigten Morden weltweit bei 43 Prozent.

Rohstoffabbau und Agrobusiness sind laut Studie die Sektoren, wo es am häufigsten zu Morden an Umweltschützern kommt. Besonders hoch ist die Zahl der Morde in süd- und mittelamerikanischen Ländern.

Wirtschaft, Politik und Verbraucher in der Pflicht

In Staaten mit schwachen Umweltgesetzen und viel Korruption geschehen die meisten Tötungen. Dies identifizieren die Forscher als größte Risikofaktoren.

Unter den Ermordeten finden sich Aktivisten, Anwälte, Journalisten und Mitarbeiter von Umweltschutzorganisationen. Sehr oft sind Indigene die Opfer.

Von einer "Lieferkette der Gewalt" spricht die Studie. Und fordert: Wirtschaft, Investoren und nationale Regierungen, aber auch die Konsumenten in den reichen Ländern müssten mehr Verantwortung übernehmen. Für die Art und Weise, wie Rohstoffe abgebaut und Nahrungsmittel angebaut werden. Und dafür, dass keine Umweltschützer mit ihrem Leben dafür bezahlen müssen.

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