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naturstrom.de – weil es beim Klimawandel um alles geht

Ignorante Politik, ungemütliche Zeichen und die Hebelwirkung von grünem Geld

Kalenderwoche 7: Die Rekordbeteiligung beim "Bienen-Volksbegehren" in Bayern ist ein deutliches Zeichen an die Politik, sagt Jens Mühlhaus, Vorstand beim Ökostrom-Anbieter Green City und Mitglied des Kuratoriums von Klimareporter°. Klima- und Naturschutz sind in den Köpfen der Menschen angekommen. Die Zeit ist reif für eine Veränderung – nicht nur in Bezug auf die Artenvielfalt.


Jens Mühlhaus. (Foto: Dominik Parzinger)

Immer wieder sonntags: Die Mitglieder unseres Kuratoriums erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Jens Mühlhaus, Vorstand beim unabhängigen Ökostrom-Anbieter Green City AG.

Klimareporter°: Herr Mühlhaus, mehr als eine Million Bayern haben sich bei einem Volksbegehren für Artenvielfalt und die Rettung der Bienen eingesetzt. Kann eine Petition den Verlust der Arten aufhalten?

Jens Mühlhaus: Das hoffen wir alle! Mit dem Volksbegehren sind jetzt die richtigen Weichen für verpflichtende Maßnahmen gegen das Artensterben gestellt worden. Es ist ein deutliches und sehr ungemütliches Zeichen für die Landesregierung, dass Naturschutz nicht mehr freiwillig sein darf. Nach der unerwarteten Rekordbeteiligung bleibt es spannend, welche Strahlkraft dies auf Bundesebene haben wird.

Wer die langen Schlangen auf dem Münchner Marienplatz live miterlebt hat, merkt, die Petition ist ein neuer Höhepunkt der bayerischen Umweltbewegung. Es ist ein heftiger Wink der Bevölkerung, nicht weiter zu tolerieren, was mit ihrer Umwelt passiert.

Schaut und hört man sich unter den Scharen der Wähler um, merkt man: In diesem Volksbegehren geht es um deutlich mehr. Klima- und Naturschutz sind in den Köpfen der Menschen angekommen und die Ignoranz der Politik bei diesen Themen ist kaum zu ertragen. Die Zeit ist reif für eine Veränderung – nicht nur in Bezug auf die Artenvielfalt.

Die Angst vor den Folgen des Klimawandels beschäftigt immer mehr Menschen, zeigt eine weltweite Umfrage. In vielen Ländern sind die Frauen besorgter als die Männer. Kann die Gleichstellung der Geschlechter beim Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels helfen?

Es ist eine spannende Entwicklung, die wir bei Green City auch beobachten. Im Rahmen unserer Kapitalanlagen wächst der Teil der weiblichen Anleger kontinuierlich. Bereits jeder dritte Anleger ist eine Anlegerin.

Das hohe Bewusstsein für den Klimawandel gepaart mit der Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Kapitalanlage kommt im nachhaltigen Investment zum Tragen. Immer mehr Frauen entdecken darin einen Hebel im Kampf für den Klimaschutz.

Genauso wie Frauen ihre Jobs eher nach idealistischen Aspekten als nach dem Gehalt aussuchen, ist es auch bei Finanzthemen. Deswegen wollen wir im Rahmen des Equal Pay Day am 13. März gemeinsam mit einer Finanzberaterin der Frage auf den Grund gehen, ob Frauen wirklich anders investieren als Männer und wie sie ihre Emotionen richtig einsetzen können.

Was war Ihre Überraschung der Woche?

Eine Überraschung hätte ich mir auf dem Neujahrsempfang des Bundesverbandes Erneuerbare Energie diese Woche in Berlin gewünscht. Der neue Energiestaatssekretär Andreas Feicht hatte einen seiner ersten Auftritte. Und der war leider nicht nur wenig überraschend, sondern sogar sehr ernüchternd.

Abgesehen davon, dass seine Rede wenig Neues für die Branche enthielt, sorgte eine Randbemerkung für Unmut: Die Bundesregierung wird in dieser Legislaturperiode keine Entscheidung über einen CO2-Preis treffen.

Wieso schaffen es Altmaier und Co nicht, die Branche bei solchen Veranstaltungen positiv zu überraschen – zum Beispiel mit verlässlichen Rahmenbedingungen für die Zeit nach der EEG-Vergütung?

Fragen: Sandra Kirchner

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