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Reichtum als Klimakiller

Die Entwicklungsorganisation Oxfam fordert mehr Klimaschutz durch höhere Steuern für Milliardär:innen sowie strengere Regulierung von Investitionen und Konzernen. Anders könne es keinen wirksamen Klimaschutz geben.


Richard Branson, Gouverneurin Susana Martinez und der Kongressabgeordnete Steve Pearce stehen neben einem von Bransons Raumflugzeugen auf Bransons Weltraumhafen in New Mexico.
Regierungen müssen dafür sorgen, dass Superreiche nicht in Klimazerstörung investieren, fordert Oxfam. (Foto: Jared Ortega/​Shutterstock)

Die britische Entwicklungsorganisation Oxfam hat in den vergangenen Jahren mit Untersuchungen zur Klimagerechtigkeit von sich reden gemacht. Zum Beispiel mit der Erkenntnis, dass für den Anstieg der Treibhausgasemissionen in den letzten drei Jahrzehnten vor allem die reichsten zehn Prozent der Menschheit verantwortlich seien – und nicht, wie häufig angenommen, die globale Mittelklasse. In einer aktuellen Untersuchung nimmt Oxfam sich nun die CO2-Bilanz der Superreichen vor, der Milliardär:innen.

Im Jahr 2021 gab es laut dem US-Magazin Forbes weltweit 2.755 von diesen Superreichen, die zusammen über 9,44 Billionen US-Dollar verfügten. Ihr Anteil am weltweiten Vermögen betrug danach 45,8 Prozent. Laut dem Oxfam-Bericht ist jede:r von ihnen im Durchschnitt für so viele Emissionen verantwortlich, wie eine Million Menschen aus den ärmeren 90 Prozent der Weltbevölkerung.

Dabei sind allerdings auch die CO2-Folgen der Investitionen eingerechnet, die die Superreichen etwa an den Aktienmärkten tätigen. Vorgelegt wurde der Report "Carbon Billionaires" am Montag zum Beginn der UN-Klimakonferenz im ägyptischen Sharm el-Sheikh.

Schon die CO2-Emissionen, die Milliardär:innen durch eigenen Konsum mit Privatjets, Superjachten und Luxusvillen verursachen, machten das Tausendfache der durchschnittlichen weltweiten Pro-Kopf-Emissionen aus, sagte Experte Manuel Schmitt von Oxfam Deutschland. Rechne man die Treibhausgase hinzu, die durch ihre Investitionen verursacht werden, seien ihre Emissionen um ein Vielfaches höher.

In dem Report werden die CO2-Bilanzen von 125 Milliardär:innen genauer untersucht. Ergebnis: Ihre kumulierten Emissionen betragen jährlich rund 393 Millionen Tonnen und damit so viel wie zum Beispiel ganz Frankreich.

Der Bericht zeigt laut Oxfam allerdings auch, dass die untersuchten Superreichen die Emissionsintensität ihrer Investitionen schon allein dadurch um drei Viertel reduzieren könnten, dass sie ihre Investitionen in Fonds mit strengeren Umwelt- und Sozialstandards verlagern würden.

Vermögenssteuer und Übergewinnsteuer

Schmitt sagte, in der Klimakrise spielten "die extreme soziale Ungleichheit und insbesondere die enorme Verantwortung der Superreichen" eine große Rolle, dies werde in von der Politik aber kaum berücksichtigt. "Das muss sich ändern", forderte der Experte.

"Die Superreichen müssen besteuert und Investitionen so reguliert werden, dass sich Geldanlagen, die den Planeten zerstören, nicht mehr lohnen", so Schmitt. Zudem müssten die Regierungen Unternehmen zu mehr Rechenschaftslegung und Transparenz und zur radikalen Reduzierung ihrer Emissionen verpflichten.

Im Einzelnen fordert Oxfam eine Vermögenssteuer für die reichsten Menschen und zusätzlich einen Aufschlag auf Vermögen, das in klimaschädliche Industrien investiert wurde, sowie eine ambitionierte Übergewinnsteuer, vor allem für Konzerne aus dem fossilen Energiesektor, die von der aktuellen Energiekrise profitierten.

Unternehmen müssten generell ehrgeizige Aktionspläne zum Klimaschutz mit kurz- und mittelfristigen Zielen aufstellen, die mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens kompatibel sind, und bis 2050 Klimaneutralität erreichen.

Ihnen müsse zudem vorgeschrieben werden, Strategien zur Wahrnehmung ihrer Gemeinwohlpflichten vorzulegen, so Oxfam. Ausschüttungen an die Aktionär:innen sollten an Voraussetzungen gebunden und beim Überschuss eines Geschäftsjahres gedeckelt werden.

Zu den Verhandlungen auf dem UN-Gipfel über stärkere CO2-Ziele der Regierungen hieß es bei Oxfam, die Verhandler:innen müssten gerade hier die Rolle von Konzernen, Superreichen und deren Investitionen stärker in den Blick nehmen.

"Um die globale Erwärmung unter 1,5 Grad Celsius zu halten, wie es das Paris-Abkommen vorsieht, muss der weltweite Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase drastisch sinken", sagte Schmitt. "Das erfordert neben engagierter Klimapolitik der Regierungen auch umfassende Veränderungen in der Art und Weise, wie Investoren und Unternehmen ihre Geschäfte führen."

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