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Am Limit

Eine Studie hat die Klimazusagen der Staaten seit der Konferenz von Glasgow analysiert: Sie reichen knapp, um das Zwei-Grad-Limit einzuhalten. Ein Fortschritt, wenn auch mit mehreren "Aber".


COP 23 Bonn
Das Zwei-Grad-Limit – hier auf einer Tafel beim Klimagipfel 2017 in Bonn – könnte theoretisch knapp gehalten werden. Allerdings gilt es inzwischen als nicht mehr ausreichend. (Foto: Fred Dott/​BMU)

Optimismus ist im Moment wirklich nicht einfach, auch oder gerade beim Klimaschutz. Erst verdrängte Corona das Thema aus der Öffentlichkeit und von der politischen Agenda, jetzt ist es Russlands Krieg gegen die Ukraine.

Weil bei der Energiewende so viel vermurkst und verzögert wurde, erleben die Fossilen nun wieder goldene Zeiten.

Deutschlands Kohlekraftwerke werden wohl doch länger laufen. Flüssiges Erdgas ist der neue Star. China baut seine Kohleflotte aus, während die USA mehr Öl und Gas fördern. Sind die Pariser Klimaziele überhaupt noch in Reichweite?

Wie es damit steht, haben nun acht Experten und Expertinnen von Universitäten, Klimaforschungsinstituten, der Internationalen Energieagentur und dem UN-Klimasekretariat untersucht. Ihre Studie hat das Fachmagazin Nature in seiner jüngsten Ausgabe kurz vor Ostern veröffentlicht und offenbar so wichtig gefunden, dass es sie zur Titelgeschichte gemacht hat.

Die Studie analysiert die Klimazusagen der Staaten, die seit der Klimakonferenz vor fünf Monaten in Glasgow auf dem Tisch liegen. Für Glasgow mussten alle Länder erstmals ihre Zusagen nachschärfen. Die meisten haben das getan.

Rechnet man alles zusammen, landet man bei einer Erderwärmung von 1,9 bis zwei Grad zum Ende des Jahrhunderts. Vor Glasgow reichte es erst für 2,2 Grad. Das ist zwar kein riesengroßer Fortschritt, aber eben doch eine Verbesserung.

Grund zum Optimismus?

Doch wie immer in solchen Fällen gibt es auch ein Aber. Beziehungsweise gleich mehrere. Damit es mit den zwei Grad klappt, müssen alle Zusagen vollständig und rechtzeitig erfüllt werden.

Zweitens: In die Berechnung sind nicht nur die Klimaversprechen eingeflossen, die die Länder bis 2030 erfüllen wollen, sondern auch die längerfristigen Ziele. Solche Netto-Null-Ziele bis zur Jahrhundertmitte haben mittlerweile 75 Länder (die insgesamt für drei Viertel der weltweiten CO2-Emissionen stehen).

Und drittens: Für das Paris-Abkommen reicht das immer noch nicht. Das darin vereinbarte Limit von "deutlich unter zwei Grad" wird nach wie vor verfehlt.

Erst recht das 1,5-Grad-Limit. Dass dieses eingehalten wird, ist laut Studie nach heutigem Stand zwar nicht vollkommen ausgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeit liegt aber nur bei sechs bis zehn Prozent.

Ich habe lange überlegt, ob ich diese Ergebnisse als einen Grund für Optimismus sehen soll. Oder ob die pessimistischen Stimmen auf Twitter doch recht haben, wenn sie sagen, alles schön und gut, aber es hält sich sowieso niemand an diese Zusagen. Optimismus ist mir lieber.

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