2032 ist Budget-Schluss

Wollen die Staaten das 1,5-Grad-Ziel aus dem Pariser Klimavertrag einhalten, reicht das globale CO2-Restbudget nur noch elf Jahre – und das auch nur mit Fifty-fifty-Wahrscheinlichkeit. Soll die Klimakatastrophe wirklich abgewendet werden, muss der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas viel schneller gehen.


Sonnenuntergangshimmel über der Ebene mit ungewöhnlich verzerrten Wolken, fast am Horizont die dampfenden Kühltürme des Braunkohlekraftwerks Neurath.
Noch bis 2038 soll dieses Großkraftwerk Kohle verbrennen. Es steht in Deutschland. (Foto: Benita Welter/​Pixabay)

Auf dem Klimagipfel in Glasgow haben viele Staats- und Regierungschefs das 1,5-Grad-Ziel beschworen. Der britische Premier Boris Johnson zum Beispiel sagte, die UN-Konferenz sei "die letzte Chance", auf diesen Pfad einzuschwenken.

Wie anspruchsvoll das ist, zeigt die neueste Bilanz zum CO2-Restbudget, das die Weltgemeinschaft der Erdatmosphäre noch zumuten kann, ohne das Temperaturlimit zu reißen. Bleiben die CO2-Emissionen auf dem heutigen Niveau, ist das 1,5-Grad-Budget – es beträgt 420 Milliarden Tonnen – bereits in elf Jahren schöpft, also 2032. Dann müsste die Welt theoretisch sofort auf Null-Emission umschalten.

Doch auch weniger ehrgeizige Limits sind mit der derzeitigen Klimapolitik, die die globalen Emissionen sogar wieder steigen lässt, nicht zu halten. Um zum Beispiel 1,7 Grad zu halten, reicht das Budget von dann 770 Milliarden Tonnen CO2 noch für 20 Jahre. Für zwei Grad – die absolute Obergrenze gemäß Paris-Abkommen – sind es bei 1.270 Milliarden Tonnen 32 Jahre.

Und dabei wäre die Einhaltung der Temperaturgrenzen nicht einmal 100-prozentig gesichert, sondern nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent. Die Daten entstammen dem neuen Bericht des renommierten Global Carbon Project (GCP), der von den Universitäten Exeter und East Anglia in Großbritannien koordiniert wurde.

Das Forschungsteam erwartet, dass der globale Treibhausgasausstoß in diesem Jahr wieder fast das Niveau von vor der Corona-Pandemie erreicht. Im Jahr 2020 waren die energiebedingten Emissionen wegen der Lockdowns laut GCP um 5,4 Prozent zurückgegangen, für 2021 wird nach der mittleren Schätzung ein Anstieg um 4,9 Prozent auf 36,4 Milliarden Tonnen erwartet.

Im Extremfall könnten es aber auch 5,7 Prozent sein. Dann würde der Vor-Covid-Wert von 2019 sogar übertroffen werden. Das Team schließt einen weiteren Anstieg 2022 nicht aus, falls dann auch der jetzt noch Corona-gebremste Straßen- und Luftverkehr auf das alte Niveau zurückkehren. 

Das CO2-Budget lässt sich strecken, wenn die Regierungen auf eine konsequente Klimapolitik umsteigen. Laut Weltklimarat IPCC bleiben die 1,5 Grad in Reichweite, wenn die globalen Emissionen bis 2030 in etwa halbiert werden und dann weiter sinken. Das Datum für die "Netto-Null" ist dann 2050.

Die Klimaforscherin Corinne Le Quéré, Co-Autorin der GCP-Studie, forderte: "Neue Investitionen und eine starke Klimapolitik müssen nun die grüne Wirtschaft viel systematischer unterstützen und fossile Brennstoffe aus der Kalkulation verdrängen."

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