Tick, tick, tick

Die Klima-Uhr wurde neu justiert, denn die CO2-Restbudgets für das 1,5- und das Zwei-Grad-Limit sind etwas größer als bisher berechnet. Doch echte Entspannung bringt das nicht.


Blaue Weltkugel vor schwarzem Hintergrund, darauf eine laufende Digitaluhr-Anzeige mit dem verbleibenden Restbudget.
Die "CO2-Uhr" des MCC: Für das 1,5-Grad-Ziel dürfen in knapp acht Jahren keine Treibhausgabe mehr ausgestoßen werden. (Grafik: Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change)

Kennen Sie die CO2-Uhr? Sie zeigt, wie spät die Welt mit dem Klimaschutz dran ist. Das Berliner Klimaforschungsinstitut MCC lässt sie auf seiner Website laufen.

Die digitale Uhr tickt rückwärts. Sie gibt an, wie lange es noch dauert, bis das globale "Restbudget" an Treibhausgas-Emissionen für das Ziel aufgebraucht ist, die Erderwärmung entweder bei 1,5 oder zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau zu stabilisieren.

Vor einigen Tagen hat das MCC die Uhr neu justiert. Warum? Weil der Weltklimarat IPCC den ersten Teil seines neuen Sachstandsberichts zur Klimakrise veröffentlicht hat. Die berechneten CO2-Restbudgets sind darin etwas größer als im 2018 herausgekommenen "Sonderbericht zu 1,5 Grad globaler Erwärmung", an dem die MCC-Uhr bisher ausgerichtet war.

Die neuen Budgets betragen 400 Milliarden Tonnen CO2 für das 1,5-Grad-Ziel und 1.150 Milliarden Tonnen für das Zwei-Grad-Ziel, gerechnet jeweils ab Anfang 2020. Grund für die Anpassung, so das MCC, sind methodische Weiterentwicklungen in der Klimaforschung.

Konkret bedeutet die Neuberechnung: Die Weltgemeinschaft hat etwas mehr Zeit, um die Emissionen herunterzufahren. Beim 1,5-Grad-Limit wäre das Budget bei konstanten Emissionen, ab heute gerechnet, in sieben Jahren und elf Monaten aufgebraucht, beim Zwei-Grad-Limit in 25 Jahren und acht Monaten. Das ist jeweils anderthalb Jahre länger als vor dem aktuellen Update.

Eine echte Entspannung bedeutet das natürlich nicht. Denn ob das Budget im 1,5-Grad-Fall nun in etwa sechseinhalb oder acht Jahren aufgebraucht ist, macht kaum einen Unterschied. Zumal die globalen CO2-Emissionen nach den Corona-Lockdowns 2020 wieder das alte Niveau erreicht haben, statt nachhaltig zu sinken, wie es nötig wäre.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Das 1,5-Grad-Limit ist, realistisch betrachtet, kaum mehr zu halten. Das Zwei-Grad-Limit bleibt zwar noch in Reichweite – aber nur, wenn die Weltgemeinschaft endlich in der Klimapolitik umsteuert.

Ein Grund zur Beruhigung ist das also nicht. Die Klimakrise äußert sich jetzt schon in vielen Weltregionen dramatisch, bei "nur" rund 1,2 Grad globaler Erwärmung. Was eine Fast-Verdoppelung bedeuten würde, kann man kaum erahnen. Zumal erste Kippelemente des Klimas dann ausgelöst werden könnten.

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