Nichtstun ist gefährlich

Von Umweltrisiken wie Extremwetter und Naturkatastrophen geht derzeit die größte Bedrohung aus, heißt es im neuen Weltrisikobericht des Weltwirtschaftsforums. Bei der Klimakrise nicht zu handeln, sei viel teurer als Klimaschutz. Für Kritiker sind die Warnungen scheinheilig. Die Herausgeber des Reports stünden für einen neoliberalen Kapitalismus, der die Klimakrise erst verursacht habe.


Eine endlose Reihe übereinander gestalpelter Container
Ob Kohle, Autos oder Mode – immer mehr Güter werden um die ganze Welt geschippert. Dass die Umwelt- und Klimafolgen durch die Globalisierung verstärkt werden, blenden Anhänger der Marktlogik gerne aus. (Foto: Mrcolo/​Pixabay)

Vom Klimawandel und den damit verbundenen Umweltproblemen sowie vom Artensterben gehen die größten Bedrohungen für die Menschheit aus. Das ist das Ergebnis des diesjährigen Weltrisikoberichts, den das Weltwirtschaftsforum (WEF) am heutigen Mittwoch in London vorgestellt hat.

Der Report des WEF zeichnet das Bild eines brennenden Planeten, der von schwersten Problemen gebeutelt ist: der Klimakrise mit ihren Begleiterscheinungen wie den jüngsten Bränden und dem Aussterben der Arten auf Rekordniveau. Zudem würden geopolitische Turbulenzen sowie der Rückzug aus dem Multilateralismus das Wirtschaftswachstum stören.

Der Report unterscheidet zwischen kurzfristigen und mittelfristigen Risiken. Für dieses Jahr befürchten die für den Bericht befragten Fachleute vor allem wirtschaftliche Auseinandersetzungen und innenpolitische Spaltungen. Neben Umweltrisiken wie extremen Hitzewellen und der Zerstörung der natürlichen Ökosysteme sehen viele Befragte auch in Cyberattacken eine massive Bedrohung. 

Anders sieht es bei der mittelfristigen Perspektive aus. Hier ist für die Befragten das Eintreten von Umweltgefahren in der kommenden Dekade am wahrscheinlichsten. Die fünf am häufigsten genannten Gefahren sind Extremwetter wie Überflutungen und Stürme, das Versagen beim Klimaschutz, Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Tsunamis, der Verlust der Artenvielfalt und das Zusammenbrechen der Ökosysteme sowie vom Menschen verursachte Umweltschäden.

"Dass Umweltrisiken als größte Bedrohung wahrgenommen werden, ist neu", sagte WEF-Präsident Børge Brende bei der Vorstellung des Berichts. Schon in den Vorjahren hatten die Befragten auch ökologische Risiken genannt, aber noch nicht so eindrücklich davor gewarnt wie in diesem Jahr.

Längst hat das Weltwirtschaftsforum die ökonomische Sinnhaftigkeit von Klimaschutz erkannt. "Die Kosten des Untätigseins übersteigen schon heute die Kosten des Handelns bei Weitem", sagte Brende, ein früherer norwegischer Umwelt- und Wirtschaftsminister. Deswegen müssten nun rasch die notwendigen Maßnahmen gegen den Klimawandel ergriffen werden. Brende kritisierte, dass sich die Staaten nicht darauf einigen können, CO2-Emissionen zu bepreisen.

"Warnschuss an sozial blinde Klimaschützer"

Überraschend sind die drastischen Warnungen des WEF für Beobachter nicht. "Seit Jahren warnt der WEF-Bericht vor Extremwetter und Naturkatastrophen", sagt Jürgen Maier vom Forum Umwelt und Entwicklung gegenüber Klimareporter°. Mit den Bränden in Südamerika und Australien sei die Bedrohung nun plastischer geworden.

"Doch trotz der alljährlichen Warnungen werden keine Konsequenzen gezogen, dann müsste man nämlich an die Ursachen herangehen", kritisiert Maier. Aus seiner Sicht will der WEF einen funktionierenden klimafreundlichen Kapitalismus, der seine eigene Grundlage nicht zerstört. Dabei sei das gegenwärtige Wirtschaftsmodell selbst für die Krise verantwortlich.

Für den NGO-Vertreter zeigen Entwicklungen wie unlängst in Frankreich mit den Gelbwesten oder jüngst im Iran, dass Ungleichheit und ökonomische Marginalisierung es verhindern, der Klimakrise beizukommen.

"Insofern ist der Bericht ein Warnschuss an sozial blinde Klimaschützer, die die Transformation vorantreiben, ohne dabei die Belastungen zu berücksichtigen, die das Dämmen von Häusern oder das Absenken der Pendlerpauschale für einkommensschwache Haushalte bringen", sagt Maier.

Der Global Risks Report wird jährlich kurz vor dem Weltwirtschaftsforum veröffentlicht. Grundlage für den Bericht ist eine Umfrage unter 750 globalen Expertinnen und Entscheidungsträgern.

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