Mehr Homeoffice, aber weniger Biss

Corona bremst den Klimaschutz in der Wirtschaft. Viele große Unternehmen machen wegen der Pandemie Abstriche bei ihren Bemühungen, nachhaltiger und klimaverträglicher zu werden, zeigt eine Studie des Beratungsunternehmens Deloitte. Dabei wäre jetzt der Moment zum Umsteuern.


Frau beim Online-Meeting im Homeoffice.
Covid-19 bringt einen großen Schub für die Digitalisierung. Was das fürs Klima bedeutet, ist unklar. (Foto: Girts Ragelis/​Shutterstock)

Corona bremst die Initiativen für Klimaschutz und Nachhaltigkeit in großen Unternehmen. In Deutschland ist dieser Rückschlag sogar noch etwas stärker ausgeprägt als im internationalen Vergleich.

Allerdings bedeutet das keine generelle Absage an die Bedeutung dieser Themen. Das sind Ergebnisse der jüngsten globalen Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte.

Rund zwei Drittel der Führungskräfte (65 Prozent) gaben in der Umfrage an, dass ihre Unternehmen aufgrund der Pandemie mehr oder weniger große Abstriche bei den Initiativen zur Nachhaltigkeit machen müssen. Hierzulande waren es 72 Prozent. Immerhin plant jedoch keine der befragten Firmen, ihre Bemühungen in diesem Bereich dauerhaft komplett einzustellen.

Etwa ein Viertel der Befragten erwartet sogar, dass ihre Unternehmen hier zukünftig aktiver sein werden, in Deutschland sind es 16 Prozent. Für den "Climate Check Pulse Survey" wurden im Januar und Februar 750 Führungskräfte in 13 Ländern befragt, darunter 50 in Deutschland.

Dauerhafte Veränderungen löst die Pandemie bei einer starken Minderheit der Unternehmen in der Arbeitsorganisation aus. So wollen 38 Prozent der Firmen (Deutschland: 28 Prozent) das Homeoffice fördern und die Flugreisen ihrer Mitarbeiter reduzieren – beides Maßnahmen, die Treibhausgase einsparen.

Auch viele Führungskräfte machten nach eigenen Angaben die Erfahrung, dass Maßnahmen wie der Verzicht auf Dienstreisen einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben können. Immerhin 68 Prozent der Manager (Deutschland: 56 Prozent) planen daher, ihr verändertes Verhalten beizubehalten, um den eigenen CO2-Fußabdruck zu verringern.

Die große Mehrheit der Unternehmen zeigt sich laut der Umfrage besorgt über den Klimawandel; über 80 Prozent der Führungskräfte unterstrichen das. Als Probleme wurden Folgen für die internationalen Lieferketten, Ressourcenverfügbarkeit und -kosten genannt.

Auf die Green-Deal-Ära vorbereiten

Vor allem Firmen aus der Energie- und Konsumgüterindustrie, die hier am stärksten betroffen sind, sind laut der Umfrage bereit, ihre Bemühungen um ökologische Nachhaltigkeit in den nächsten zwölf Monaten zu intensivieren.

Umgekehrt nützen Bemühungen um mehr Klimaschutz den Unternehmen. Fast die Hälfte der Unternehmen hat dank entsprechender Initiativen eine Verbesserung der Finanzkennzahlen wie Umsatz und Gewinn festgestellt, in Deutschland waren es sogar 60 Prozent.

Der Chef von Deloitte Deutschland, Volker Krug, kommentierte: "Obwohl derzeit manche Projekte verschoben werden, sind sich die Verantwortlichen in den Unternehmen doch einig, dass sie beim Thema Klimawandel gegensteuern müssen."

Krug riet Firmen, auch mit Blick auf den Green Deal der EU, dabei aktiv zu sein, denn dieser verlange bereits 2022 neue Maßnahmen und Berichtspflichten zum Umweltschutz. "Darauf müssen sich viele Unternehmen in diesem Jahr vorbereiten."

Eine Umfrage der Industrie- und Handelskammern aus dem letzten Herbst hatte für Deutschland gezeigt, dass rund ein Drittel der Unternehmen Energiewende-Maßnahmen im eigenen Betrieb umgesetzt hat. Bei weiteren 50 Prozent der bundesweit befragten 2.600 Firmen läuft die Umsetzung oder es sind Effizienzmaßnahmen in Planung. Jedes vierte Unternehmen setzt inzwischen eigene Anlagen zur Erzeugung von Ökostrom ein.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie bremsten das Engagement bei 36 Prozent der Unternehmen. In immerhin sieben Prozent der Betriebe werden Maßnahmen aber zahlreicher oder schneller eingeleitet.

61 Prozent der Umfrageteilnehmer sprachen sich für einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien aus. Damit kam dieser Punkt in der Umfrage erstmals in die Top 3 der Empfehlungen an die Politik.

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