Beirat legt Empfehlungen für nachhaltige Finanzwirtschaft vor

Die Finanzwirtschaft soll dabei helfen, die Transformation in Deutschland voranzutreiben. Der Sustainable-Finance-Beirat hat der Bundesregierung seine Empfehlungen übergeben, wie das gelingen kann.


Grünes Geld
Die Bundesregierung will den Finanzmarkt ergrünen lassen. (Foto: Nattanan Kanchanaprat/​Pixabay)

Obwohl Deutschland bis 2038 aus der Kohleverstromung aussteigen will, geben deutsche Banken wie die Commerzbank oder die Deutsche Bank der Kohleindustrie noch immer Geld.

Am meisten hat die Commerzbank einer Auswertung der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald zufolge Milliarden in Form von Krediten und Anleihen zur Kohlefinanzierung mobilisiert. Zwar hat sich die Bank schon 2016 eine Kohlerichtlinie gegeben, aber die war schon damals aus Sicht von Urgewald viel zu weich.

Doch damit die Transformation zur einem klimaverträglichen Wirtschaftssystem gelingt, muss eben auch die Finanzwirtschaft nachhaltiger werden. Wie der Sektor grüner gestellt werden kann, hat zwei Jahre lang der Beirat der Bundesregierung zu nachhaltigen Finanzen diskutiert. Am Donnerstag hat das Gremium seinen Abschlussbericht vorgelegt.

Das Gremium empfiehlt der Bundesregierung, fünf Hebel anzusetzen, um Deutschland damit zu einem führenden Standort für "Sustainable Finance" zu machen. So soll ein verbindlicher Politikrahmen ein abgestimmtes Handeln der öffentlichen Hand ermöglichen. Dazu könnte ein Klimaziel für die Haushalte von Bund und Ländern festgelegt werden. 40 Prozent der Gesamtaufwendungen sollten nach Vorstellungen des Beirats auch dem Klimaschutz nützen.

Zudem sollte es nachhaltige Anleiheemissionen sowie nachhaltige Strategien für öffentliche Kapitalanlagen, für Sondervermögen des Bundes und für wirtschaftliche Förderprogramme geben.

Aber auch Unternehmen und Finanzmarktakteure sollen künftig genauer Auskunft darüber geben, wie nachhaltig ihr Geschäftsmodell ist. Dazu sollen Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten im Lagebericht die sozialen und ökologischen Risiken offenlegen, die mit ihrer Geschäftstätigkeit einhergehen.

Mehr grüne Finanzprodukte

Öffentlich-rechtliche Finanzinstitute sollen auf Vorschlag des Beirats stärker in die Pflicht genommen werden. So soll beispielsweise die Förderbank KfW durch ihre Geschäfte die Transformation weiter vorantreiben. Auch die Landesbanken und Sparkassen sollen Nachhaltigkeit berücksichtigen.

Künftig sollen Anleger:innen in mehr grüne Finanzprodukte investieren können. Dazu sollen die Nachhaltigkeitschancen und -risiken von Finanzmarktprodukten transparent gemacht werden. Das Wissen über Sustainable Finance soll durch Bildung und Weiterbildungen vergrößert werden.

Würde die Bundesregierung die Empfehlungen des Gremiums aufgreifen, würde das "einen starken Anstoß zum notwendigen Wandel in Wirtschaft und Finanzwelt" geben, meint Christoph Bals von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, der Mitglied des Beirats ist.

Das wäre ein erheblicher Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Industriestandorts, zur Finanzmarktstabilität und zur Stabilität der Lebensgrundlagen, sagte Bals. Allerdings gebe es noch Verbesserungsbedarf. Eher ernüchternd seien etwa die Empfehlungen mit Blick auf einen entsprechenden Rahmen für die Versicherungswirtschaft.

Die Bundesregierung will ihre Sustainable-Finance-Strategie im Frühjahr vorlegen. Auch die Europäische Kommission überarbeitet derzeit ihre eigene Strategie. Die USA wollen ebenfalls eine entsprechende Strategie entwickeln. Im Vergleich zu anderen Ländern steckt das Thema in Deutschland noch in den Kinderschuhen.

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