Banken pumpen immer mehr Geld in Kohleindustrie

Viele Banken und Versicherungen haben mittlerweile interne Kohlerichtlinien, um ihre Risiken zu begrenzen. Doch diese Regeln verhindern nicht, dass trotzdem noch Milliarden in die Kohleindustrie fließen, wie die Beispiele Commerzbank und Allianz zeigen.


Handgemachtes Demo-Schild: CO2 + € = brennende Weltkugel
Wer fossil investiert, verliert – früher oder später. (Foto: Niek Verlaan/​Pixabay)

Seit der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens haben die Banken dieser Welt zuverlässig jedes Jahr mehr Geld in die Kohleindustrie gepumpt. Das zeigt eine Auswertung internationaler Umweltorganisationen wie Urgewald.

Die Analyse beruht auf einer Datenbank mit knapp 1.000 Firmen aus dem Kohlesektor in aller Welt. Diese brauchen für ihre Aktivitäten Geld. Dieses bekommen sie entweder als Kredit von einer Bank oder sie verkaufen Aktien und Anleihen an Investoren. Bei Letzterem sind ebenfalls Banken beteiligt – als sogenannte Underwriter.

Addiert man die Kredite und die Summen aus dem Underwriting-Geschäft auf, ist der Trend eindeutig: Die 665 untersuchten Banken haben den Kohlefirmen jedes Jahr zu mehr Kapital verholfen. Nach 491 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 gaben sie 498 Milliarden, 520 Milliarden und 543 Milliarden in den drei Folgejahren (Grafik unten).

"Die Ergebnisse unserer Finanzrecherche sind erschreckend", sagt Katrin Ganswindt von Urgewald. "Die Pariser Klimaziele erfordern einen schnellen Ausstieg aus der Kohle, aber sehr viele Banken und Investoren marschieren immer noch in die entgegengesetzte Richtung."

"Kohlerichtlinie der Commerzbank zu schwach"

Beim Underwriting-Geschäft dominieren chinesische Banken, die in diesem Segment die ersten zehn Plätze belegen. Dann kommen drei Banken aus den USA und zwei aus Japan. Beim Kreditgeschäft liegen hingegen japanische Institute vorn, die dort die ersten drei Plätze belegen. Anschließend sind besonders US-Banken auffallend stark vertreten.

Kohlefinanzierung
Banken und Investoren stecken immer mehr Geld in die Kohle – dabei müssten klimaschädliche Investments eigentlich aufhören. (Grafik: Urgewald)

Es finden sich aber auch europäische Banken auf der Liste: Barclays (Platz fünf), BNP Paribas (neun) oder die Commerzbank (13). Dabei hat die Commerzbank eigentlich eine interne Kohlerichtlinie.

Doch die habe zu viele Schlupflöcher sagt Ganswindt: "Die Commerzbank hat 2016 eine aus heutiger Sicht sehr schwache Kohlerichtlinie verabschiedet, die insbesondere noch viele Geschäfte mit dem Kohlebergbausektor zulässt."

Damit ist die Commerzbank allerdings nicht allein. Die Umweltorganisation Reclaim Finance hat die Kohlerichtlinien von 88 Banken untersucht: Nur vier haben "robuste" Regeln eingeführt.

Schlupfloch auch bei der Allianz

Die Urgewald-Studie hat schließlich noch analysiert, wer in die Aktien und Anleihen von Kohlekonzernen investiert. Hier belegen Fondsgesellschaften wie Vanguard oder Blackrock aus den USA die ersten acht von zehn Plätzen.

Aus Europa finden sich nur zwei Organisationen unter den ersten 30: die Pensionskasse der norwegischen Regierung auf Platz acht und die Allianz-Versicherung auf Rang 20.

Grund für die hohe Position der Allianz in diesem Ranking ist ebenfalls ein Schlupfloch in der internen Kohlerichtlinie, sagt Regine Richter von Urgewald: "Die Allianz hat in Bezug auf ihre Eigenanlagen bereits große Schritte zum Ausstieg aus der Kohle unternommen. Umso unverständlicher ist es, dass sie die Anlagen, die sie für Dritte verwaltet, immer noch in die Kohle investiert."

Dabei sei das gar nicht nötig, wie der Blick auf einen Konkurrenten aus Frankreich zeige so Richter: Die Allianz "sollte sich an Axa ein Vorbild nehmen und diese offene Flanke endlich schließen".

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