BASF fordert: Ökostrom-Mengen müssen stark steigen

Auch der weltgrößte Chemiekonzern BASF will nun Klimaneutralität bis 2050 erreichen. Ökostrom soll dabei künftig fossile Energieträger wie etwa Erdgas ersetzen. Der Einstieg in die CCS-Technologie steht ebenfalls zur Debatte.


Produktionsanlage der BASF in Ludwigshafen
Mit Strom beheizter Steamcracker im BASF-Werk Ludwigshafen. (Foto: BASF)

Der BASF-Konzern will seine Klimaschutz-Anstrengungen erhöhen. Der CO2-Ausstoß soll bis 2030 weltweit in allen Produktionsstätten um ein Viertel gegenüber dem Stand von 2018 sinken, gab der Chemieriese am Freitag bekannt. Bis 2050 soll Klimaneutralität erreichen werden, also netto null Emissionen. Ökostrom soll dabei künftig fossile Energieträger wie etwa Erdgas ersetzen.

Das Unternehmen fordert dafür aber "die verlässliche Verfügbarkeit großer Mengen erneuerbaren Stroms zu wettbewerbsfähigen Preisen" als Voraussetzung. Beides sei "heute in Deutschland nicht gegeben".

Am Stammsitz Ludwigshafen zum Beispiel rechnet BASF mit einer Verdreifachung des Stromverbrauchs bis 2035. Ein Teil der grünen Elektrizität will der Konzern in eigenen Solar- und Windanlagen herstellen.

Bisher hatte BASF als weltgrößtes Chemieunternehmen das Ziel ausgegeben, bis 2030 "klimaneutral" zu wachsen, also eine höhere Produktion ohne zusätzliche Emissionen zu schaffen. Konzernchef Martin Brudermüller erhöht hier nun die Ambitionen deutlich. Geplant sind dafür Investitionen von bis zu vier Milliarden Euro bis 2030.

Der Ludwigshafener Konzern ist mit dem Ziel, bis 2050 klimaneutral werden zu wollen, freilich ein Nachzügler. Eine Reihe anderer Großunternehmen hat sich dieses Ziel seit Längerem gesetzt, darunter auch der US-Konkurrent Dow.

"Die neuen Klimaziele unterstreichen unsere Entschlossenheit und das Bekenntnis der BASF zum Pariser Klimaabkommen", sagte Brudermüller. Der Umbau müsse nun forciert werden. Der Klimawandel sei "die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts", betonte der Konzernchef.

Anno 2018 betrug der weltweite CO2-Ausstoß des Unternehmens rund 21,9 Millionen Tonnen, etwa halb so viel wie im Klimaschutz-Basisjahr 1990.

Klimaforscher halten 60-Prozent-Ziel für nicht ausreichend

Das neue Reduktionsziel für 2030 bedeutet demgegenüber eine Verringerung um 60 Prozent – und damit in etwa die Größenordnung, die auch die EU plant, die "mindestens 55 Prozent" gegenüber 1990 anpeilt. Klimaforscher halten jedoch noch höhere Reduktionen für nötig, um auf den Paris-Pfad zu kommen.

Um Klimaneutralität zu erreichen, will die BASF CO2-freie Verfahren für die Herstellung von Chemikalien entwickeln – zum Beispiel mit Strom beheizte "Steamcracker", mit denen Basis-Chemikalien wie Ethylen, Propylen oder Butadien hergestellt werden.

Bisher arbeiten diese Anlagen mit Erdgas. Eine Demonstrationsanlage ist für den Standort Ludwigshafen geplant, sie könnte 2023 in Betrieb gehen. Kooperationspartner sind hierbei der saudi-arabische Petrochemiekonzern Sabic und das Technologieunternehmen Linde.

Zudem arbeitet BASF an Verfahren zur Herstellung von "grünem" Wasserstoff und plant den Einsatz elektrischer Wärmepumpen, um aus der Abwärme von Industrieprozessen CO2-frei Dampf zu erzeugen. Partner hierbei ist Siemens Energy.

Des Weiteren steht der Konzern vor dem Einstieg in die hierzulande umstrittene CCS-Technologie. Am Standort Antwerpen plant er die Beteiligung an einem Projekt zur Speicherung von CO2 unter der Nordsee. Hier könnten im Jahr über eine Million Tonnen aus der Produktion von Basischemikalien endgelagert werden. Entscheidung dazu: 2022.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. – Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier