"Wir brechen immer schneller Rekorde"

Der morgige Mittwoch könnte neue Wetter-Rekorde bringen. Doch egal, ob die Hitzewelle so lang wird wie im vergangenen Jahr: In Zukunft wird sie zum Normalfall werden.


Die strahlende Sonne am fast wolkenlosen Himmel
Hitzewellen werden uns in Zukunft immer häufiger plagen. (Foto: Myriam Zilles/​Pixabay)

Ärzte warnen davor, sich draußen zu sehr anzustrengen, Lokalzeitungen verraten die "kühlsten Orte der Stadt" und der Deutsche Wetterdienst empfiehlt gar scherzhaft, zur Abkühlung auf eine 1.500 Meter hoch gelegene Alm zu fliehen: Wir sind wieder mitten in einer Hitzewelle. Am morgigen Mittwoch soll es örtlich bis zu 40 Grad warm werden.

Bei einer Klimaerwärmung um zwei Grad könnte es Hitzesommer wie den im vergangenen Juli so gut wie jedes Jahr geben, wie eine Schweizer Studie gezeigt hat. Ist also auch dieses Jahr der Klimawandel schuld?

"Wir können eine einzelne Hitzewelle nicht auf den Klimawandel zurückführen", sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst gegenüber Klimareporter°. "Aber dass wir in immer dichterer Folge Rekorde brechen, ist sicher auch teilweise auf den Klimawandel zurückzuführen."

Der morgige Mittwoch könnte zum Beispiel den deutschlandweiten Juni-Rekord von 38,5 Grad brechen, der 1947 in Baden aufgestellt wurde, oder auch den Allzeit-Hitzerekord von 40,3 Grad im fränkischen Kitzingen.

Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) stimmt dem zu: "Wetterdaten zeigen, dass Hitzewellen und andere Wetterextreme in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen haben", sagt der Klimawissenschaftler. Die heißesten Sommer seit dem Jahr 1500 hätten alle seit der letzten Jahrhundertwende gelegen, nämlich in den Jahren 2002, 2003, 2010, 2016 und 2018.

"Monatliche Hitzerekorde auf der ganzen Welt treten heute fünfmal häufiger auf, als es bei einem stabilen Klima der Fall wäre", so Rahmstorf. Diese Zunahme der Hitzeextreme entspreche genau dem, was die Klimawissenschaft als eine Folge der globalen Erwärmung vorhergesagt hatte.

Den Hitzesommer im vergangenen Jahr erklären Wissenschaftler auch damit, dass der Jetstream schwächer wird, eine Höhenwindströmung, die Wettergebiete rund um die Erde transportiert. Denn die Arktis erwärmt sich viel schneller als die mittleren Breiten, wodurch der Temperaturunterschied kleiner wird. Weil der Jetstream durch diese Unterschiede gesteuert wird, verlangsamt er sich.

Dürre des vergangenen Sommers wirkt noch nach

Deshalb können einzelne Wetterlagen länger anhalten, ob es nun Hitzewellen oder Starkniederschläge sind. "Die aktuelle Situation ist typisch für extreme Hitzewellen in Europa", erläutert Kai Kornhuber vom PIK gegenüber Klimareporter°.

Ähnliche Muster im Jetstream habe es auch Ende Juni vergangenen Jahres sowie in den extremen Hitzesommern 2003, 2006 und 2015 gegeben. Allerdings: "Wie lange die Hitze anhalten wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer einschätzen."

Ein Faktor, der eine Hitzewelle in diesem Jahr wahrscheinlicher macht als im vergangenen Jahr, ist allerdings die Trockenheit: "Die Böden haben sich von der anhaltenden Dürre im vergangenen Jahr noch nicht erholt", sagt Kornhuber. Verdunstung von Bodenfeuchte sei ein wichtiger Mechanismus, der zur Kühlung während Warmzeiten beiträgt. "Trockene Böden erhöhen daher das Risiko für Hitzewellen."

Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst hingegen beruhigt ein bisschen: Zwar sei in der jetzigen Wetterlage der Jetstream nach Norden verschoben. Das führe dazu, dass uns eine südliche Luftströmung heiße Saharaluft bringt.

"Ich würde aber nichts darauf geben, dass das jetzt so weitergeht", so Friedrich. "Es kann gut sein, dass der Jetstream sich ab Montag wieder nach Mitteleuropa verschiebt und kühleres Wetter bringt." Dann kann es laut dem Wetterdienst in großen Teilen Deutschlands schon wieder einen Wetterumschwung geben.

Sommer wie 2018 sind künftig nichts Besonderes mehr

Das derzeitige Hitzewetter ist nach seiner Einschätzung auch nicht so sehr mit dem vergangenen Jahr vergleichbar, als vor allem die Dürre ein Thema war. "Es ist eher vergleichbar mit 2003 und 2015", so Friedrich. "Wir müssen abwarten, wie es weitergeht."

Ob die aktuelle Hitzewelle nun bald endet oder nicht, in Zukunft dürften wir lang anhaltende Hitzeperioden wie im vergangenen Jahr häufiger erleben. Laut der Schweizer Studie liegt bei zwei Grad Erderwärmung die Wahrscheinlichkeit für eine großflächige Hitzewelle wie 2018 bei fast 100 Prozent. Nahezu jedes Jahr würde es dann solche Sommer wie den von 2018 geben.

Aber auch wenn wir es schaffen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssen wir uns an solche Sommer gewöhnen. Denn dann werden immerhin für ein Viertel der Nordhemisphäre zwei von drei Sommern so heiß wie 2018.

Lesen Sie dazu unser Interview mit Klimaforscherin Friederike Otto: "Ein Jahrhundert-Sommer alle paar Jahre"

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