Vom Ende der Eisriesen

Geografen haben erstmals die Veränderungen der Eismassen in den gesamten Alpen untersucht statt wie bisher nur einzelne Gletscher oder Regionen. Die Methode auf Basis von Satellitenaufnahmen ist besonders genau – und die Ergebnisse ihrer Studie umso aufrüttelnder.


Karikatur: In einer Dürrelandschaft sitzt Opa mit den Enkeln auf einer Bank und erzählt aus den guten, alten Zeiten:
Opa erzählt von der guten, alten Zeit. (Karikatur: Gerhard Mester, Copyright SFV/​Mester)

Es gibt rund 4.000 davon, darunter so bekannte wie Schneeferner, Mer de Glace und Pasterze. Doch Alpenfans treibt es das Wasser in die Augen, wenn sie historische Bilder von den Gletschern kennen – und dann sehen, was der Klimawandel von ihnen übriggelassen hat. Um sie herum ist es mit der Erhabenheit der Eiswelt vorbei. Es breiten sich pflanzenlose Schutthalden aus. Tristesse pur.

Meist tragen die hohen Berge im Umfeld noch dicke Eispanzer, und das bewahrt den grandiosen Gesamteindruck – noch. Denn einige Forscher vermuten, dass das komplette Abtauen vieler Alpengletscher kaum mehr aufzuhalten ist – und schon gar nicht, wenn die Regierungen der Welt nicht endlich ernst mit ihren Klimaschutzversprechen machen.

Wie dramatisch die Lage tatsächlich ist, macht jetzt eine neue Studie von Erlanger Geografen deutlich.

Die Wissenschaftler untersuchten erstmals die kompletten Alpen und nicht nur einzelne Gletscher oder Regionen. Ihre Methode, ein Vergleich von dreidimensionalen Modellen auf Basis von Aufnahmen aus Radar- und optischen Satelliten, ist besonders genau – und die Ergebnisse sind umso aufrüttelnder.

Danach verloren die Eisriesen in der für die Studie untersuchten Zeit von 2000 bis 2014 allein 17 Prozent ihres Volumens, entsprechend rund 22 Kubikkilometern. Am stärksten betroffen sind dabei die Gebirgsmassive in der Schweiz. Nur oberhalb von 3.500 Metern gibt es noch einige kleinere Gebiete mit ausgeglichener Eisbilanz.

Geht der Eisverlust weiter wie bisher, werden die unteren Lagen der Gebirgszüge praktisch eisfrei sein, sagen die Forscher voraus. Das verbleibende Volumen wäre nur ein Drittel dessen, was um 2000 noch vorhanden war.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Keine schönen Aussichten also, nicht nur für Touristen, sondern auch für die Wasser- und Energieversorgung in den Alpen und angrenzenden Regionen, die besonders im Sommer vom Schmelzwasser aus den Bergen abhängt.

Viel Hoffnung für die Eisriesen gibt es nicht. Von Gerhard Karl Lieb, Geografieprofessor in Graz und Leiter des österreichischen Gletschermessdienstes, stammt der Satz: "Erst zwei bis drei Jahrzehnte mit verregneten, kühlen Sommern, in denen man – überspitzt formuliert – weder baden gehen noch den Wein aus der Südsteiermark in gewohnter Qualität genießen kann, würden am aktuellen Trend etwas ändern." Und das ist nicht in Sicht.

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