Ein Klima für Fledermäuse

Der Ursprungsort von Covid-19 in Südchina ist im 20. Jahrhundert zu einem Hotspot für Coronaviren geworden – vermutlich durch die klimabedingte Zunahme von Lebensräumen, die günstige Bedingungen für Fledermäuse bieten. Ein Grund mehr für ernsthaften Klimaschutz.


Fledermäuse hängen an den Ästen eines Baumes.
Fledermäuse kommen gut mit Viren klar, Menschen nicht so. (Foto: Independent Birds/​Shutterstock)

Corona und Klima. Dass es einen Zusammenhang gibt, weiß jeder. Nämlich: Die Pandemie hat neben den vielen negativen Folgen auch eine positive. Die Treibhausgas-Emissionen sind 2020 weltweit deutlich gesunken, um rund sieben Prozent.

Und falls beim ökonomischen Post-Corona-Neustart die Weichen richtig gestellt werden, kann das sogar der Beginn des tiefgreifenden ökologischen Umbaus sein, der notwendig und überfällig ist.

Doch Wissenschaftler sind nun noch einem ganz anderen Zusammenhang auf die Spur gekommen: Der Klimawandel habe womöglich eine wichtige Rolle bei der Entstehung des neuen Coronavirus gespielt, vermuten sie.

Wahrscheinlichste Hypothese für den Ursprung von Covid-19 ist ja, dass das Virus in Südchina von Fledermäusen über einen Zwischenwirt auf den Menschen überging – auf einem Wildtiermarkt in der Metropole Wuhan.

Die Forscher untersuchten nun, wie die Herkunftsregion der Tiere zu einem Hotspot für Coronaviren werden konnte. Sie stellten fest: Dort gab es im 20. Jahrhundert klimatische Verschiebungen, die die Zunahme bestimmter Waldlebensräume beförderten. Und diese bieten Fledermäusen geeignete Lebensräume.

100 neue Arten von Coronaviren

Konkret: Die fraglichen Gebiete in der südchinesischen Provinz Yunnan und in den benachbarten Ländern Myanmar und Laos waren ursprünglich von tropischen Strauchlandschaften geprägt. Doch der Landschaftstyp änderte sich im vorigen Jahrhundert – hin zu tropischer Savanne und Laubwald.

Dieser wahrscheinlich vom Klimawandel angetriebene Prozess hat laut der Studie die Ausbreitung vieler neuer Fledermausarten ermöglicht. So seien rund 100 neue Arten von Coronaviren in die Region gekommen. Zudem habe es dadurch neue Interaktionen mit anderen Tieren geben können, durch die schädliche Erreger übertragen wurden oder sich weiterentwickelten.

Camilo Mora, Professor an der Universität von Hawaii und Initiator der Studie, kommentierte: "Wir wissen, dass der Klimawandel die Übertragung von Erregern in Wildtieren auf den Menschen beschleunigen kann. Das sollte uns dringend dazu veranlassen, die weltweiten Emissionen zu reduzieren."

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Rückgängig machen kann man das Überspringen von Covid-19 so natürlich nicht mehr. Aber vielleicht verhindern, dass sich das Risiko weiterer Pandemien potenziert.

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